Verzeitlichung in Biographisierungspraktiken

Zeiterleben, Zeitleben, Zeitbearbeitung und In-der-Zeit-Sein zwischen Norm und Praxis

Patrick Leinhos

Journal für Psychologie, 34(1), 11–30

https://doi.org/10.30820/0942-2285-2026-1-11 CC BY-NC-ND 4.0 www.journal-fuer-psychologie.de

Zusammenfassung

Dieser Beitrag entfaltet ein praxeologisch-wissenssoziologisches Modell von Verzeitlichung als sozialer Praxis und Modus von Biographisierungsprozessen. Der Fokus liegt auf impliziten Wissensbeständen, die in handlungspraktischer Auseinandersetzung mit Normen, Erwartungen, Anrufungen und Rahmenbedingungen generiert werden und zugleich Handlungspraxis fundieren. Damit können sozial-gesellschaftliche Vorstellungen von Zeit, Zeitverwendung, Lebensverläufen und Darstellungen von Zeit ebenso rekonstruiert werden wie die Logik der Praxis des Umgangs mit Zeit in Biographisierungspraktiken und die performative Verzeitlichungspraxis. Diese Perspektive wird in einer beispielhaften Interpretation von Ausschnitten biographischer Interviews eingenommen, um das Analysepotenzial einer solchen biographietheoretischen, praxeologisch-wissenssoziologischen Perspektivierung von Zeit und Verzeitlichung diskutieren zu können.

Schlüsselwörter: Zeit, time work, Biographie, praxeologische Wissenssoziologie, dokumentarische Methode

Time Work in Biographization

Experiencing Time, Living Time, Processing Time and Being in Time between Norm and Practice

This article presents a model of temporalization, or time work, as a social practice and mode of biographization from the perspective of a praxeological sociology of knowledge. The focus is on knowledge that emerges through the practical engagement with norms, expectations, invocations and framework conditions while substantiating action. This way, social and normative ideas of time, the use of time, life courses and representations of time as well as the logic of dealing with time in biographization and the performative practice of temporalization can be reconstructed. This perspective is adopted in an exemplary interpretation of biographical interviews in order to be able to discuss the analytical potential of such a concept of temporalization.

Keywords: time, temporalization, biography, praxeological sociology of knowledge, documentary method

1. Zeit als Dimension sozialer und biographischer Strukturierung

Zeit ist eine Grundstruktur menschlichen Handelns, des (Zusammen-)Seins sowie (sozialer) Praktiken und Ordnungen (z.B. Zerubavel 1981; Schmidt-Lauff 2014, 115; Blue 2017). Neben der räumlichen Dimension ist ein Verzeitlichen (des eigenen Lebens) anthropologisch notwendig, insbesondere um ein Selbst zu konstruieren (Weidenhaus 2015, 97). Dabei lassen sich verschiedene Zeitformen und Zeitkonstruktionen unterscheiden (z.B. Bieri 1972; Schmidt-Lauff 2014): In einer chronologischen, physisch-materiellen Zeit werden Ereignisse unabhängig vom Individuum in Abfolgen und Relationen geordnet. In einer sozialen, geschichtlichen Zeit werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als solche markiert sowie sozial-kulturell und historisch spezifisch gedeutet. Subjektiv sind Zeit sowie die Dauer von Ereignissen und Handlungen sehr individuell. Auch das Lebensalter ist eine zeitliche Dimension, die (Möglichkeiten von) Praktiken, gesetzliche Regelungen, Ressourcen, gesellschaftliche Institutionen sowie spezifische Zuschreibungen und hegemoniale Deutungen strukturiert (Wanka 2020, 135). Die Planung und Strukturierung von Zeit sind stets soziale und interaktive Prozesse. Sie sind gerahmt durch Erwartungen, etwa an zeitliche Autonomie und Souveränität, durch Rollenvorstellungen, begrenzte Zeitressourcen sowie durch gesellschaftliche Veränderungen (Flaherty 2022; Mengilli 2024, 15).

Die Konstitution einer Biographie beeinflusst zudem, welche zeitlichen Perspektiven eingenommen, wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit Bedeutung und Sinn versehen werden und wie diese Zeitphasen als Orientierung dienen (können) (Kohr 1992; Fuchs-Heinritz 2000). Zeit strukturiert biographische Darstellungen und wird durch diese gleichsam hervorgebracht. Zeithistorische und sozial-gesellschaftliche Kontexte einer spezifischen Epoche und zu einer bestimmten Zeit rahmen, wie Biographien hervorgebracht werden (können). Biographische Darstellungen sind eng mit den jeweils geltenden Normen, Werten und Strukturen verknüpft (McAdams 2001, 114; Wang 2013; Fischer 2018a, b). Politische, ökologische sowie technologische Veränderungen prägen biographische Gelegenheitsstrukturen (Halbwachs 1985; Dausien 2020, 77). Erfahrungen sind demnach Sinnkonstruktionen innerhalb eines sozio-historisch geprägten Rahmens, deren Rekapitulation stets die aktuellen kollektiven Normen und Werte widerspiegelt. Auch wie Zeit selbst wahrgenommen und strukturiert wird, ist abhängig von der jeweiligen historischen und kulturellen Position (Leccardi 2013; Habermas und Reese 2015; Schmidt-Lauff und Hassinger 2023, 125).

Zeit bildet außerdem die Grundlage für die Aufschichtung von Erfahrungen (Alheit und Hoerning 1989). Erst über die Zeit können Erfahrungen gesammelt, geordnet, verarbeitet und aus ihnen gelernt werden (Alheit und Dausien 2000; Peskoller 2013). Biographische Darstellungen können sich zudem über die Zeit hinweg verändern. In einer Gegenwart werden Erlebnisse, Erfahrungen und Zukunftsbezüge stets im Kontext des aktuellen Erfahrungshorizonts dargestellt. Mit neuen Erfahrungen, in neuen Situationen, also in neuen Zeiten, entstehen neue Gegenwartsperspektiven (Kade und Hof 2010; Habermas und Reese 2015; Dausien 2020). Dieser Prozess ist sozial gerahmt (Elias 1988) und sprachlich vermittelt (McAdams 2001, 118). So können sich Struktur und Bezüge biographischer Darstellungen verändern (Rosenthal 2010). Biographische Darstellungen (re-)produzieren und konstruieren auch selbst Zeitstrukturen (Bieri 1972; Alheit 1988, 371; Leccardi 2013; Fischer 2018b; Felden 2020; Schmidt-Lauff und Hassinger 2023, 126). Durch Verzeitlichungsprozesse kann eine kohärente Lebensgeschichte konstruiert werden, in der sich das Individuum als sowohl entwickeltes, aber auch flexibles präsentieren kann (Fischer-Rosenthal 1995, 51; McAdams 2001).

Eine verzeitlichte Perspektive ermöglicht forschungslogisch letztlich auch, die Paradoxie einer Überlagerung vielfältiger Einflüsse, Rollenvorgaben und Handlungsmöglichkeiten aufzulösen (Kohli 1985; Fischer 2017). Gesellschaftlich institutionalisierte Regelsysteme und Normen setzen jeweils (auch zeitliche) Anforderungen, Grenzen und Ermöglichungsstrukturen für biographische Wege, Ausgestaltungen, Verläufe, Positionierungen, Konstruktionen und Praktiken (Fischer 2018b, 468). Werden Praktiken in ihrer Zeitlichkeit fokussiert, rücken eher handlungspraktische Bewältigungen multipler Zuschreibungen und Anforderungen verschiedener Handlungsbereiche bzw. Erfahrungsräume in einem Neben- oder Nacheinander in den Blick (Dausien 2020, 76). Es geht dann weniger um die Frage nach Passivität und Erleiden oder Aktivität und Autonomie, sondern um zeitlich spezifische und unterschiedliche Umgangsweisen mit bereichsspezifischen Teilhabevoraussetzungen und Normativen.

Um diese Aspekte in einer Heuristik fassen zu können, entfaltet dieser Beitrag ein praxeologisch-wissenssoziologisches Modell von Verzeitlichung als soziale Praxis von Biographisierungsprozessen (2). Dies eröffnet die Möglichkeit, Verzeitlichung als Praxis sowie die Bezüge auf gesellschaftliche Normative nicht nur zu konzeptualisieren, sondern auch zeitsensible Rekonstruktionen biographischer Darstellungen zu schärfen. Daher wird diese Perspektive anschließend in einer beispielhaften Interpretation von Ausschnitten biographischer Interviews eingenommen (3), um das Potenzial einer solchen biographietheoretischen, praxeologisch-wissenssoziologischen Perspektivierung von Zeit diskutieren zu können (4).

2. (Biographische) Verzeitlichung zwischen Norm und Praxis – eine praxeologisch-wissenssoziologische Perspektive

Die praxeologische Wissenssoziologie verbindet Karl Mannheims Wissenssoziologie mit ethnomethodologischen und kultursoziologischen Elementen (Bohnsack 2017). Im Fokus steht die Rekonstruktion von Logiken der Handlungspraxis, die durch implizite Wissensbestände fundiert ist. Dieses Wissen entsteht durch die Auseinandersetzung mit Normen, Erwartungen, Anrufungen und Rahmenbedingungen und strukturiert gleichzeitig die Handlungspraxis. Kollektive Vorstellungen sind damit Grundlage des Handelns und gesellschaftlicher Realität (ebd.).

Innerhalb der praxeologisch-wissenssoziologischen Methodologie bleiben eine Perspektive auf Verzeitlichung als Praktiken biographischen Darstellens und zeittheoretische Reflexionen jedoch weitgehend desiderat.1 Biographische Forschung hingegen fokussiert Zeitlichkeit, den jeweiligen historischen Kontext, Erfahrungsaufschichtungen und die Veränderbarkeit von Biographien und deren Darstellungen sowie deren performative Verzeitlichung wesentlich stärker als es in der praxeologischen Wissenssoziologie der Fall ist. Wird der Fokus dabei jedoch auf die Handlungspraxis der Biographisierung und die Rekonstruktion von Wissensbeständen, die dieser Hervorbringung einer biographischen Darstellung zugrunde liegen, gerichtet, ist es möglich, darin die Praxis von Verzeitlichungen zu analysieren. So kann rekonstruiert werden, wie Biographien zeitlich konstituiert sind, wie sie zeitliche Strukturen (re-)produzieren und welchen Stellenwert Verzeitlichungspraktiken für die Konstruktion einer Biographie haben.

Um die (Logik der) Handlungspraxis und deren Modus Operandi in Auseinandersetzung zu den Bedingungen, Strukturen, Normen und kollektiven Verständnissen, die die Handlungspraxis sowohl ermöglichen als auch begrenzen, in den Blick zu bekommen, entwickelte sich im Rahmen einer praxeologisch-wissenssoziologischer Perspektive das Modell eines sog. Orientierungsmusters, in welchem Orientierungsrahmen (im engeren Sinne) und Orientierungsschemata in ›notorischer Diskrepanz‹ stehen (Bohnsack 2014, 2017). Auf der Ebene des Orientierungsrahmen (im engeren Sinne) geht es um die »Struktur der Handlungspraxis« (Bohnsack 2012, 119) und implizite Wissensbestände, die sich in der Handlungspraxis dokumentieren. Einen methodischen Zugang zum Orientierungsrahmen (im engeren Sinne) erhält man über Rekonstruktionen der Handlungspraxis, deren Darstellung (als Praxis selbst) und interaktiven Bezugnahmen in sozialen Situationen (bspw. auch in Erhebungen). Auf der Ebene von Orientierungsschemata geht es um überindividuelle Bedingungen der Handlungspraxis wie Erwartungserwartungen, Normative, Rollenvorstellungen und kollektive Verständnisse. Diese bilden die Grundlage für das Handeln, werden in der Handlungspraxis zugleich aber auch spezifisch hervorgebracht.

Wird dieses Modell auf Verzeitlichungspraktiken übertragen, lassen sich sozial-gesellschaftliche, normative Vorstellungen von Zeit, Lebensverläufen, Zeitverwendung und/oder Darstellungen von Zeit auf der Ebene der Orientierungsschemata verorten. In der Moderne rahmen normative Ansprüche einer selbstreflexiven und sozial positionierten Selbstkonstruktion nicht nur biographische Darstellungen, sie beeinflussen auch individuelle Zeitlichkeiten und erfordern eine spezifische zeitliche Sensibilität (Leitner 1982; Felden 2020, 33f.). Es gilt ein Selbst über die Zeit hinweg zu entwerfen, das sich über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft definiert sowie veränderbar, flexibel und sozial verständlich präsentiert (McAdams 2001, 101; Dausien 2020, 75), ständig aktiv ist und keine Zeit verschwendet (Weidenhaus 2015, 208f.). Biographische Darstellungen und Selbstkonstruktionen im Spiegel von Normen der Optimierung, des Fortschritts, der Autonomie, Handlungsfähigkeit und sozialen Eingebundenheit sind gefordert (z.B. Fischer 2010; Wang 2013, 61ff.; Leinhos et al. 2025). In dieser Vorstellung sind bestimmte Ereignisse und Entwicklungen an ›angemessene‹ Zeitpunkte geknüpft, entlang derer sowohl eigene Lebensverläufe ausgerichtet, als auch (andere) Lebensverläufe interpretiert und bewertet werden können. Diese Chrononormativität, wie sie bspw. von Freeman (2010) und Riach et al. (2014) beschrieben wird, bezeichnet ein Zeitregime (Torres 2022), das alltägliche Praktiken sowie den Lebenslauf (Kohli 2007) strukturiert und organisiert. Besonders institutionalisierte Lebensläufe verknüpfen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft teleologisch und linear und setzen klar definierte, begrenzte und geradlinige Übergänge als Norm (Siegert und Lindmeier 2022, 296), was eine langfristige, eigenverantwortliche Planung verlangt (Kohli 1985). Dass sich in der Moderne diese Normen flexibilisieren, bedeutet jedoch nicht, dass normative Erwartungen verschwinden, sondern die Möglichkeiten »gesellschaftlich relevanter Biographisierungsmodi« werden diversifiziert (Weidenhaus 2015, 114). Dies ist in einer heterogenen und kontingenten Gegenwartsgesellschaft, die unterschiedliche Strategien der Lebensbewältigung sowie verschiedene Formen der Zeitkonstitution voraussetzt, sogar erforderlich (ebd., 215).

Diese Orientierungsschemata stehen in einer relationalen und interdependenten Beziehung zum Orientierungsrahmen (im engeren Sinne), also zur Logik der Verzeitlichungspraktiken. Diese dokumentieren sich im handlungspraktischen Umgang mit Zeit und zeitbezogenen Normativen in Biographisierungsprozessen sowie darin, wie Zeit in die Handlungspraxis und (Selbst-)Darstellung eingebunden wird und wie handlungspraktisch individuelle, gesellschaftliche und institutionelle Zeitstrukturen abgestimmt werden. Flaherty (2003) und Leccardi (2021) nutzen hierfür den Begriff time work. Durch Verzeitlichung wird dem eigenen Leben in diesem Zusammenhang Struktur, Bedeutung und Kohärenz verliehen (Kade und Hof 2010, 146; McAdams und McLean 2013; Habermas und Reese 2015). Eine Biographie ist also auch zeitkonstituierend (Fischer 2018a), da sie soziale Ordnungen historisiert und Erlebnisse in einen sinnhaften (zeitlichen) Zusammenhang setzt (Dausien 2020, 75f.). Biographische Darstellungen sind also momentane Ergebnisse verzeitlichter Subjektivierungsprozesse, die im Interview stets eine spezifische Perspektive repräsentieren und eine narrative Selbstverortung ermöglichen (Gregor 2015, 147). Die Logik der Handlungspraxis der Verzeitlichung dokumentiert sich dabei in interaktiven, versprachlichten und somit sozial-kulturell eingebetteten Praktiken. Folgende Fragen können dabei die Analyse leiten, eröffnen einen differenzierten Blick auf Verzeitlichungspraktiken und fokussieren, wie Zeit biographische Prozesse und (Selbst-)Konstruktionen strukturiert und konstituiert: Wie werden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft relationiert? Mit welchen Bedeutungsgehalten werden sie versehen, wie wird sich auf sie bezogen, wie abgegrenzt, wie werden sie voneinander abgegrenzt und inwiefern besteht eine Möglichkeit, über sie zu verfügen? Welche Bezüge werden zu (historisch-gesellschaftlichen) Zeiten und deren Rahmenbedingungen hergestellt? Wie wird zeitliche Struktur – sei es im Alltag oder in der Lebensführung – organisiert? Wird dabei (k)eine Linearität oder Anachronie hergestellt oder sind andere zeitliche Logiken rekonstruierbar? Wie werden soziale Teilsysteme in ihrem Nebeneinander und ihrer Gleichzeitigkeit organisiert? Wie werden Erfahrungen und Ereignisse in welchen Zusammenhängen und Abfolgen rekapituliert oder dethematisiert? Welche Themen werden zeitlich gerafft bzw. verdichtet, extensiviert, übersprungen, zeitlich vorgegriffen, repetitiv oder iterativ dargestellt? Inwieweit verändern sich Darstellungen in Bezug auf unterschiedliche Zeiten oder gar über die Interviewzeit hinweg? Welche Rolle spielt Zeitbezogenheit in der Konstruktion einer sozial verständlichen, kohärenten Lebensgeschichte? Wie werden Zäsuren und/oder Kontinuität thematisiert? Wie wird Planung in biographischen Erzählungen dargestellt? Welche Empfindungen in Bezug auf Zeit werden wie ersichtlich – etwa das Gefühl, Zeit aufholen zu müssen oder etwas verpasst zu haben?

Verzeitlichung und chrononormative Ordnungen werden also wechselseitig als grundlegende Elemente sozialer Praktiken kontinuierlich (re-)produziert und handlungspraktisch vollzogen bzw. in steter Relationierung zueinander hervorgebracht (Blue 2017; Wanka 2020). Dies erfolgt in interdependenten Verhältnissen zwischen gesellschaftlichen, sozialen und institutionalisierten Rahmenbedingungen sowie individuellen Sinnzuschreibungen (Weidenhaus 2015, 96f.; Fischer 2018b). In einer Biographisierung werden individuelle und soziale Ansprüche verbunden sowie Erfahrungen und Erlebnisse in einen historischen Kontext – sei es auf persönlicher, gesellschaftlicher oder intergenerationaler Ebene – eingebettet. In einem praxeologisch-wissenssoziologischen Modell werden Wechselverhältnisse sozialer Zeit(en), konjunktiver Vorstellung von Zeitverwendung, verzeitlichter Darstellung und Zeitverläufen als zeitbezogene Normen (Orientierungsschemata) mit der (Logik der) Verzeitlichtlichungspraxis (Orientierungsrahmen im engeren Sinne) fokussiert.

3. Empirische Schlaglichter

Das empirische Material, das im Folgenden mit dieser Heuristik ausgewertet wird, stammt aus einer Studie, die die Verwobenheit von Biographie und queerem Engagement untersucht (Leinhos 2024). In der Verbindung von biographietheoretischen und praxeologisch-wissenssoziologischen Zugängen kristallisierte sich die analyseleitende Kategorie des biographischen Wissens als konjunktives Wissen um die Art und Weise der biographischen Darstellung und (Selbst-)Konstruktion heraus. Dieses beinhaltet auch Wissensbestände um die Verzeitlichung biographischer Darstellungen.

Die dokumentarische Methode als methodische Umsetzung der praxeologischen Wissenssoziologie rekonstruiert dabei den Modus Operandi sozialen Handelns auf Basis impliziten, konjunktiven Wissens. In einer formulierenden Interpretation von Interviews wird zunächst herausgearbeitet, was die Personen auf expliziter Ebene thematisieren und worauf sie ihren Schwerpunkt legen. Die anschließende reflektierende Interpretation erschließt den performativen Sinngehalt und den Orientierungsrahmen, indem der Modus Operandi – d.h. das Wie – der Darstellung herausgearbeitet wird. Über systematische Vergleiche (sowohl fallintern als auch zwischen Fällen) werden Ähnlichkeiten und Differenzen des Modus Operandi der (Darstellungs-)Praxis in aufgerufenen Thematiken, Erfahrungsräumen und Zeitphasen herausgearbeitet und als Typen generalisiert (Bohnsack 2021).

Zur Nachvollziehbarkeit werde ich folgend mit einer extensiveren Interpretation eines Falles beginnen und dann Unterschiede eines anderen Falls gegenüberstellen, um ausschnitthaft zwei verschiedene Verzeitlichungsmodi darzulegen (für weitere Modi siehe Leinhos et al. 2025 oder mit anderer Methodologie Weidenhaus 2015).

3.1 »ich werd Lehrer« (Olli) – Streben in die Zukunft als Abgrenzung von Vergangenem

Olli macht zum Zeitpunkt des Interviews gerade sein Abitur und leitet eine queere Jugendgruppe. Auf kommunikativer Ebene sagt er, er engagiere sich, um Jugendlichen zu helfen und ihnen die Unterstützung und Informationen zukommen zu lassen, die er selbst nicht hatte. Auf konjunktiver Ebene engagiert er sich auf eine Art und Weise, die ihm ermöglicht, sich von fremdbestimmten Positionierungen zu emanzipieren (Leinhos 2024). Sein Interview ist neben den Engagementthematiken geprägt von Darstellungen schulischer Situationen, seines Outing-Prozesses und des Aufwachens in einer ländlichen Region. Im Interview dokumentieren sich unterschiedliche Darstellungsmodi in Bezug auf unterschiedliche Zeitphasen, die im Folgenden anhand exemplarischer Passagen verdeutlicht werden. Die zunächst aufgerufene Darstellung folgt auf die erste immanente Nachfrage nach Mobbingerfahrungen, die er bereits in seiner sehr kurzen Eingangserzählung thematisiert.

»äh also angefangn hatt es in der zweiten Klasse öhm und da war ich dann also ich war immer Außenseiter und da ging=s dann ebn los weil ich ja es=is schwierich zu festzumachen also ich weiß bis heute nich warum ich gemobbt werde so viele erzähln immer wegen meiner Art aber ich weiß nich was meine Art is ich fin- hab mich immer als ☺normales☺ Kind gefühlt«

Olli eröffnet seine Darstellung zum Thema Mobbing mit der Aussage, dass es »angefangn« habe. Damit konstatiert er eine Verlaufsförmigkeit und ermöglicht sich, Veränderungen, eine Beendigung oder Stabilität zu elaborieren. Olli datiert den Beginn des Mobbings auf die zweite Klasse und nutzt damit einen gesellschaftlich institutionalisierten Verzeitlichungsmodus, der vor dem Hintergrund geteilter Wissensbestände über das deutsche Bildungssystem Rückschlüsse auf sein damaliges Alter und den Kontext zulässt: Seine Mobbingerfahrungen begannen in der Schule, als er – normativ gedeutet– circa sieben oder acht Jahre alt war. Auch seine Selbstbeschreibung als »Außenseiter« ist verzeitlicht: »da war ich« stellt erneut einen Raum-Zeit-Zusammenhang her. Mit der Formulierung in der grammatikalischen Vergangenheit stellt er einen gegenwärtig potenziell beendeten Status dar. Vor dem Hintergrund sozialer Darstellungsmuster muss er jedoch, wenn er einen Anfang benennt, einen weiteren Verlauf thematisieren2. Die nachfolgende Berichtigung »also ich war immer« erweitert demnach den Zeitraum der Zuschreibung. Dass Olli hier generalisiert und weitere Kontexte wie soziale Situationen, Kontextbedingungen, Hintergründe etc. ausblendet, verweist darauf, dass er kognitiv die Situation nicht erfassen kann oder die Fremdzuschreibungen übernimmt. Olli wechselt von einem narrativen in einen beschreibenden und schließlich argumentativen Darstellungsmodus3. Der generalisierte Außenseiterstatus bedarf in Ollis Perspektive einer Begründung. In dieser Begründung kommen zahlreiche einschränkende und fremdgedeutete Momente zum Ausdruck. Die Coda »es=is schwierich festzumachen« betont die Herausforderung einer Deutung. Mit der Aussage »ich weiß bis heute nich« beschreibt Olli, dass er die Situation nur eingeschränkt reflektieren kann. Er greift daher auf externe Deutungsangebote zurück. Darin besteht jedoch eine Differenz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Selbst den Bezug auf seine »Art« kann er nicht fassen. Insgesamt ist dieser Abschnitt geprägt durch die räumliche Eingrenzung auf den schulischen Kontext, die Möglichkeit zur Veränderung der Situation und/oder Bearbeitung der Erfahrung, verweist zugleich auf den fehlenden deutenden bzw. verarbeitenden Zugriff auf die Mobbingerfahrung sowie auf fremdpositionierende Momente sowie fehlender Handlungsfähigkeit.

»und später dann in der Sekundarstufe also in der Sek 1 dann war=s dann schwieriger also da wurdn die Attacken auch größer äh da ging das dann auch so weit dass ich zusammengetreten wurde im Schulflur und äh regelmäßig mit blauen Flecken nach Hause kam und ähm die Lehrer die hat das nich intressiert also das es gibt da eine Situation, wo äh ich heute sagen könnte [atmet ein] öh das damals keine Strafanzeige gestellt wurde wegen unterlassener Hilfeleistung s eigentlich ne Frechheit [räuspert sich] wo meine Mutter dann auch im: äh bei meim- Direkter dann erschien [atmet] und zwar wurd ich da im Schulflur richtig zusammengetreten und äh unsere Lehrerin kam gerade also das war ein langer Gang am Ende des Gangs war war der Lehrerzimmer war das Lehrerzimmer äh und ah ja unserer Lehrerin kam dann hat das gesehn dass ich ☺da☺ am Boden lag und zusammengetreten wurde [atmet] äh und unsere Räume warn von außen nicht offen also nich nich zum Öffnen und die is dann in den Raum gegangen hat von innen die Tür geschlossen und äh hat dann quasi mit dem Unterricht begonn während ich draußen lag zusammen☺geschlagen wurde und ähm hat sich dafür nich interessiert so nach dem Motto hm dafür bin ich nich zuständig«

In einer zweiten dargestellten Zeitphase in der Sekundarstufe I beschreibt Olli in einem komparativen Modus (»schwieriger«, »größer«) eine Steigerung der Mobbingintensität bis hin zu Gewalt. Damit überspringt er (mindestens) zwei Jahre und rafft so den Verlauf. Täter*innen bleiben auch hier dethematisiert. Im Vordergrund stehen sein Erleiden und die Folgen. Erstmals nennt Olli jedoch einen sozialen Aspekt: Er führt Lehrpersonen in ihrer Rollenförmigkeit, die sie nicht erfüllt haben (»die hat das nich intressiert«), ein. Die retrospektive Darstellung einer konkreten »Situation« unterbricht Olli durch einen evaluativen Einschub aus gegenwärtiger Perspektive (»wo äh ich heute sagen könnte«). Der Perspektivwechsel dokumentiert sich in der grammatikalischen Zeitform und durch die Markierung »heute«. Auch die Atempause verweist auf einen Bruch. Olli formuliert hier heterolog zum Zeitabschnitt der zweiten Klasse eine Option der Bearbeitung, bleibt dabei jedoch im Konjunktiv. Zwar beschreibt er sich rückblickend weiterhin als nicht handlungsfähig, die Darstellung verweist aber auf heutiges Wissen über mögliche externe Hilfen wie Justiz oder Familie, die ihm damals nicht zur Verfügung standen. Die folgende konkrete Erzählung dokumentiert in metaphorischer Form die bisherigen Modi: Die Bilder eines ›langen Ganges‹, einer zur Hilfe verpflichteten, aber nicht handelnden Person am Ende des Ganges, die Position »zusammengetreten« am Boden und geschlossene Türen, die eine Flucht verhindern, zeigen drastisch seine Hilfslosigkeit und Handlungsunfähigkeit. Wieder liegt der Fokus nicht auf den Täter*innen, sondern auf der passiven Lehrkraft, die ihrer zugeschriebenen Verantwortung nicht nachkam.

»und das zog sich dann [atmet aus] ja n paar Jährchen bis zur neunten zehnten Klasse [atmet und räuspert sich] wo dann die Leute die dafür verantwortlich warn dass ich gemobbt wurde äh auch dann sitzen geblieben oder die Schule v- oder von der Schule dann doch irgendwann geflogen sind weil meine Mutter dann ☺regelmäßig☺ beim Direktor auf der Matte stand ähm un jetzt in der Sek 2 geht=s eigentlich also es is jetz nicht mehr so schlimm und ähm was ich persönlich auch immer wieder erlebt habe das nahm dann in den höheren Klassen also in der achten neunten Klasse stärker zu du bist schwul oder ja also so da- dann eher auf die Sexualität bezogen wo ich selber noch nich äh wusste ☺dass ich☺ so bin oder mir auch da noch nie drüber Gedanken ☺gemacht☺ habe, dass es so was gibt oder was das genau is und ja. das is so die die Mobbingleidensgeschichte«

Nach einer expliziten Raffung der Darstellung (»n paar Jährchen«) – wobei unklar bleibt, worauf sich die vorherige Phase bezieht, da neunte und zehnte Klasse auch zur Sekundarstufe I gehören – beschreibt Olli, wie die erstmals genannten ›verantwortlichen‹ Personen mit deren Schulabschluss an Bedeutung verloren. Wieder stehen nicht seine eigenen Handlungen, Bearbeitungen, Reaktionen etc. im Fokus, sondern externe Strukturen wie Schulorganisation oder familiäre Unterstützung. In der vermeintlichen Auflösung in der Gegenwart (»jetzt«) konstatiert er, das Mobbing sei »nicht mehr so schlimm«. Hier versucht Olli erneut eine erklärende Haltung der »persönlichen« Bearbeitung einzunehmen, fällt jedoch zurück in eine fremdgedeutete Perspektive (»wo ich selber noch nich äh wusste«). Deutlich wird hier erneut eine Differenz zwischen Selbst- und Fremddeutungen. Die Bezugnahme auf Sexualität fungiert als weiteres Beispiel für externalisierte Erklärungsversuche – hier über zeitliche Komparation und theoretische Aspekte geschlechtlicher Sozialisation.

Diese Retrospektiven, meist auf Nachfrage formuliert, dokumentieren Ollis Handlungsunfähigkeit; bei der Bearbeitung von Konflikten ist er auf externe Momente (Familie und Struktur) verwiesen. Der zugrundeliegende Verzeitlichungsmodus ist durch Schulklassen strukturiert, was die dargestellten Erfahrungen zeitlich und räumlich verortet. Gegenwartsdeutungen werden durch explizite Zeit-Formulierungen und grammatikalische Zeitformen eingeschoben. Darin dokumentiert sich, wie Olli nach Bearbeitungsformen, ersten Strategien und Erklärungsversuchen sucht – allerdings ohne sie umzusetzen. Im Kontrast dazu dokumentieren sich sowohl in anderen Themen als auch in anderen fokussierten Zeiten andere Darstellungsmodi im Interview mit Olli.

»und bin dann auch so zu Verein 2 gekommn also das is die Organisation wo ich jetzt arbeite [atmet] und äh hab da da leite seitdem auch queere Jugendgruppen und das mach ich jetzt seit letztem Jahr«

Olli stellt seine Engagementbiographie wie eine Art Lebenslauf dar, indem er – auch bei anderen Engagements – den Beginn exakt mit Monat und Jahr angibt. Er verwendet dabei Begriffe wie ›arbeiten‹, ›leiten‹ und ›bewerben‹, die mit beruflichen, erwachsenen Rollen assoziiert sind. Auch die ausführliche Darstellung der Vorbereitung seiner Jugendgruppentreffen verweist auf Praktiken, in denen er (Rollen-)Vorstellungen einer Lehrkraft erfüllt. Damit wird ein thematischer Zusammenhang zur zuvor beschriebenen Enttäuschung über das Verhalten schulischer Lehrkräfte erkennbar.

»heute ich hab jetzt hierfür für was ich heute mache hab ich […] Vorbereitung gebraucht (.) hab mich glaube 20 Filme LGBTIQ mäßig angeschaut (.) äh und […] dann hab ich noch ein Interview gefundn […] s geht eine Minuten und drei glaub ich da geht=s um Diskriminierung das wird ich zeign und ebn s- also Carolin Kebekus Ding und dann würde ich vorher auch noch die Methode Dennis, machen […] das is so=n Sensibilisierungsübung wo man ebn anhand eines eigentlich eines eigentlich eines Torsos ich hab=s jetzt leider nur auf Papier weil ich kann nich so=n fetten Torso mit mir rumschleppen ähm quasi so in Anführungszeichen Vorurteile äh (.) vorbringt und man daran die Diskriminierung festmacht […] Was (2) ähm Wie also wie wird diskriminiert dann Wer (.) Warum, und äh wie sich das nennt […] ich bin mir mal gespannt auf wie viel sie selbst kommn […] °ja manchmal° so unbewusst macht man das aso wo man sich dann s- ich hab mich dann selber ertappt, wo ich dann so überlegt habe oh °verdammt da haste das° mal unbewusst gemacht °aber man hat=s gemacht° und da hab (.) bin ich dann selbst in=s Grübeln gekommn dass ich ja das mal machen könnte«

Das Jugendgruppentreffen beschreibt Olli wie eine Unterrichtseinheit, die er inhaltlich und methodisch-didaktisch vorbereitet. Auch reflektiert er die Umsetzung, seinen eigenen Standpunkt und seine Erfahrungen und wie Teilnehmende die Veranstaltung aufnehmen könnten. Anders als in vorherigen Abschnitten dokumentiert sich hier keine Fremdbestimmung oder Handlungsunfähigkeit. Der Darstellungsmodus in Themenfeldern rund um Engagement und zukünftige Berufsvorstellungen verweist eher auf selbst zugeschriebene Enaktierungspotenziale, (geschaffene) Möglichkeiten, intendierte Handlungen sowie darauf, einen reflexiven Zugriff auf Situationen und Handlungen auch umsetzen zu können. Ohne Einschränkungen formuliert er auch seine Zukunft: »ich werd Lehrer«, obwohl ihm zu diesem Zeitpunkt weder ein Schulabschluss noch ein Studienplatz vorliegt. Insgesamt lassen sich heterologe Darstellungsmodi erkennen, die mit unterschiedlichen Erfahrungsräumen und Zeitbezügen korrelieren.

Olli distanziert sich durch diese Form der Verzeitlichung von einer Vergangenheit, die er durch Erfahrungen von Ausgrenzung geprägt erlebt hat. Im Kontrast dazu formuliert er eine Zukunft, in der er handlungsfähig ist. Olli grenzt sich also von Vergangenem ab und strebt in die Zukunft. Die Gegenwart ist für ihn eine Phase, in der Kompetenzen für den Zukunftsentwurf angeeignet bzw. entsprechende Rollen erfüllt werden können, also ein Weg weg von der Vergangenheit in die Zukunft.

3.2 »das würd ich jetzt sagen ne jetzt würd ich das so sehn« (Finn) – theoretisierende Retrospektive als Reflexion und ›Verdrängung‹ des Vergangenen

Ein weiterer Fall sind die Darstellungen von Finn, Mitte 20 und Student eines sozialwissenschaftlichen Studiengangs. Im Rahmen seines Interviews standen neben seinem Engagement insbesondere biographische Erfahrungen mit Gewalt, soziale Kontexte ländlicher Herkunft, Outing-Prozesse sowie empowernde Momente im Fokus. Finn engagiert sich in schulischen Aufklärungsprojekten mit dem Ziel, sowohl sich selbst als auch andere zu stärken, diskriminierende Strukturen zu dekonstruieren und gesellschaftliche Ungleichverhältnisse kritisch zu reflektieren. Innerhalb dieses Engagements entwickelte er einen Modus selbstbestimmten Handelns, der in den biographischen Phasen vor seinem aktivistischen Wirken nicht ausgeprägt war. Die folgende Darstellung ist Teil von Finns erweiterter Eingangserzählung, die durch mehrmalige offene Stimuli nach bestimmten Situationen und Beispielen für kurz angesprochene Themen angeregt werden musste.

»also ich kann mich natürlich besonders gut an so Dinge erinnern die nich so gut gelaufn sin auch so Gewalterfahrungn mit Eltern oder so=ne wo=s so=n Subtext zu ner Gewalterfahrung gab mit Eltern oder auch äh mit andern Jugendlichen so Peers oder wie auch immer Peers vielleicht nich weil warn jetzt nich so Leute mit den ich Kontakt hatte genau das sind so auch so sehr prägende Erinnerungen ich hab ziemlich schnell dann angefangn mich so n bisschen zu empowern, durch so äh Theater,stuff den wir gemacht ham genau hab da auf jeden Fall auch so=ne sehr tragende Rolle gespielt das war auch n ziemlich großes Projekt ähm mit ziemlich viel Publikum ähm (.) genau das hat mich auf jeden Fall sehr empowert so mir den Raum zu nehm ähm mich zu präsentiern auf ne Art und Weise die ich gut finde genau und wo=s dann auch so völlich oke war aufgrund von von nem bestimmten Talent auch dass man sich irgendwie als äh au- dass man irgendwie ne andere Männlichkeit zeigen kann das würd ich jetzt sagen ne jetzt würd ich das so sehn ja […] (4) hm also das war schon ziemlich verkitscht was wir gemacht und jetzt auch inhaltlich nich besonders gut aber s kam halt schon also pf- wir ham alle zwei Jahre was gespielt und da kamen dann immer so ungefähr so zwischen zehn und 14.000 Person die sich das angeguckt haben immer 600 Leute in nem auch recht schönen Theater äh das war ne äh gute Erfahrung das warn halt immer also mir wollten immer so Rollen gegeben die irgendwie so=n so=n sehr feinen Habitus oder Gestus ha-ttn und so mir hat das so sehr gefalln, das einfach ma so durchzuspieln für mich und dieses Kostüm anzuprobiern wie das so m- wie das so steht //hm// genau das hat sehr viel Spaß gemacht da gab=s zum Beispiel auch so Momente wo wir auch so kann ich mich noch dran erinnern wo ich so 15 war und ähm ganz vorn in der ersten Reihe saßen so zwei äh männliche Person oder ich hab sie als männlich gelesen auf jeden Fall die immer so reingerufen ham während ich gespielt hab äh Schwuchtel Schwuchtel, also so leise genau und ich bereue auf jeden Fall immer noch so diesen Moment da nich nicht das Spiel abgebrochen zu haben das hätt ich glaub ich heute gemacht also so kurz auf die Störung hinzuweisen also hier gibt grad zwei Person die haben das gesagt ähm ich möchte dass die gehen und dann spiel ich weiter genau ich hab genauso so Momente wo ich dann auch so im Nachhinein denke oke da hätte man anders reagiern müssen aba damals hatte man ja gar nich so das Handlungsrepertoire um so was zu tun«

In Finns Darstellung fällt auf, dass er im Unterschied zu Olli durchgängig in einem evaluativen Modus in der Gegenwartsperspektive formuliert. Eine angedeutete Retrospektive wird mit einer im Präsens formulierten Coda eingeführt, dass er sich »natürlich besonders gut an so Dinge erinnern« könne, die er negativ bewertet. Die thematisierten Momente werden dabei mit Begriffen aufgerufen, die auf ex post Deutungen verweisen (»Gewalterfahrungen«); die Darstellung beinhaltet eher akademisch gerahmte Formulierungen (»Subtext« oder »Peers«) und evaluative Markierungen (»prägend«). Diesen bloß genannten, negativ konnotierten Themen wird eine relativ exzessiver dargestellte Handlungsstrategie des Selbstempowerments entgegengestellt. Nicht nur in der expliziten Formulierung »das würd ich jetzt sagen ne jetzt würd ich das so sehn«, sondern auch in den theoretisch aufgeladenen Begriffen dokumentiert sich, dass Finn hier aus einer Gegenwartsperspektive reflektiert und theoretisierend zurückblickt. Um seine Erfahrungen dazustellen, ruft er Konzepte wie Peers, Empowerment oder Habitus und Theorien von Männlichkeiten oder Sichtbarkeit auf.

In der Darstellung einer konkreten Situation, in die narrativ eingeführt wird, verbleibt Finn zunächst in einer grammatikalischen Vergangenheitsform. Die Darstellung wird dann durch einen evaluativen Einlass, der im Präsens formuliert ist, unterbrochen (»ich bereue«). Auch die expliziten Verweise auf ein »Nachhinein« und ein »heute« markieren eine Gegenwartsperspektive, die geprägt ist von einem Wissen, mit diskriminierenden (Differenz-)Erfahrungen umgehen zu können (»Handlungsrepertoire«). Hier dokumentiert sich ein homologer Modus: Finn ruft relativ kurz eine negative Erfahrung auf und formuliert in einer Zeitform, die die Erfahrung auf die Vergangenheit begrenzt und Kontinuitäten bis in die Gegenwart weitgehend ausschließt. Die Abgrenzung von Vergangenem wird unterstützt durch die Betonung und im Vergleich extensivere Darstellung alternativer Umgangsweisen.

Biographische Darstellungen von Finn zeichnen sich also durch einen abstrakt-reflektierenden und »versozialwissenschaftlichten«4 Modus aus. Der Bezug auf theoretische Konzepte sowie die umfassendere Auseinandersetzung mit den Strategien im Umgang mit Differenzerfahrungen im Vergleich zur Darstellung negativer Erlebnisse dokumentieren eine Abkehr von der Vergangenheit. Rückblickend stellt er die eigene Biographie aus einer theoretischen Außenperspektive dar, wodurch negative Aspekte relativiert oder als verarbeitet gekennzeichnet werden können. Diese theoretische Betrachtung von Erfahrungen verweist auf eine Verdrängung von vergangenen Fremdbestimmungen, Gewalt und Ausgrenzungen sowie auf eine retrospektive Rationalisierung als spezifische Art der biographischen Verarbeitung.

4. Potenziale einer praxeologisch-wissenssoziologischen Perspektivierung von Verzeitlichung in biographischen Darstellungen

Schon auf Basis eines begrenzten Fallvergleichs wird deutlich, dass die jungen Erwachsenen in beiden Interviews versuchen, Handlungsfähigkeit zu konstruieren sowie die Kontrolle über die eigene Praxis herzustellen. Dabei wird angestrebt, sich das eigene Leben erklären, also (Hinter-)Gründe für erlebte Erfahrungen kennen und reflektieren zu können. Beide Fälle grenzen sich von Fremdbestimmung ab. Über eine kontrastive Perspektive – auch im Horizont weiterer Forschung – lassen sich gesellschaftliche Anforderungen an biographische Darstellungen auf der Ebene von Orientierungsschemata identifizieren. Als biographische Verzeitlichungsnormen der Moderne haben sich die Darstellungen konsistenter Identitätskonstruktionen (Leccardi 2013, 263) mit einer Geschichtlichkeit (Dausien 2020, 75) institutionalisiert. Menschen sollen sich auf ihre Vergangenheit beziehen (können), flexibel in der Gegenwart agieren (können) und auf die Zukunft hin orientieren (können). Trotz ungewisser und instabiler bzw. stets herzustellender Zukünfte soll das Selbst optimiert werden (Baumann 2008, 151), also stets handlungsfähig, flexibel, selbstbestimmt und verantwortlich sein. Die Vielschichtigkeit gesellschaftlicher Anforderungen, diskursiver Strukturen, Deutungsrahmen und Handlungsmöglichkeiten kann jedoch die Ausbildung und Stabilisierung von Selbstverhältnissen irritieren. Individuen sind dabei zunehmend auf eine situativ gebundene Selbstvergewisserung angewiesen, die kontinuierlich aktualisiert werden muss (Habermas 1988, 16). In diesem Kontext ist es also nicht nur anthropologisch, sondern auch und vor allem biographisch – einschließlich der narrativen Konstruktion von Identität (Singer 2004) – notwendig, das eigene Leben zeitlich zu strukturieren.

Der Modus der Verzeitlichung ist dabei weder vorgegeben noch dauerhaft stabil, sondern ist vielmehr eine kontingente Strategie zur Bewältigung raumzeitlicher (Un-)Möglichkeiten und Anforderungen (Weidenhaus 2015, 197). Verzeitlichung wird damit zu einer – in praxeologisch-wissenssoziologischer Perspektive stets konjunktiven – Antwort auf strukturelle Ambivalenzen, die es zudem ermöglicht, synchron auftauchende situative und soziale Anforderungen biographisch zu integrieren (Habermas und Reese 2015). Die Darstellungen von Olli und Finn dokumentieren trotz der Bearbeitung ähnlicher gesellschaftlicher Anforderungen dabei schwerpunktmäßig unterschiedliche Modi. Auf der Ebene von Orientierungsrahmen (im engeren Sinne) grenzt sich Olli von der fremdbestimmten Vergangenheit und dem fehlenden kognitiven Zugriff auf seine negativen Erfahrungen durch ein Streben in die Zukunft ab. Die Gegenwart wird zum Moment, sein Bestreben nach Handlungsfähigkeit zu enaktieren und seine Zukunftsentwürfe sind ohne jegliche (externe) Einschränkungen in aller Klarheit formuliert. Finn hingegen grenzt sich von negativen Erfahrungen der Vergangenheit durch eine reflexive Theoretisierung ab. Über theoretische Konzepte kann er die Vergangenheit kognitiv erfassen und so in einer bearbeitenden Strategie sich davon (emotional) distanzieren. Diese Beispiele zeigen, wie sich in der Wechselwirkung zwischen gesellschaftlich-institutionellen Rahmenbedingungen und handlungspraktischen Sinnzuschreibungen Möglichkeiten eröffnen, Unsicherheiten durch Strategien wie Abgrenzung, Verdrängung, Planung und/oder Überschreibung zu bearbeiten. In verzeitlichenden Praktiken kann sich so positioniert werden, dass trotz diffuser oder sogar als bedrohlich empfundener gesellschaftlicher Verhältnisse Handlungsfähigkeit entsteht (Fuchs-Heinritz 2000, 36; Habermans und Köber 2015a, b). Verzeitlichung kann daher auch dazu beitragen, Zukunftsängste und Unsicherheiten produktiv zu bearbeiten. Die (verzeitlichte) biographische Konstruktion kann in Zeiten von (gesellschaftlichen) Unsicherheiten stabilisieren. Sie ermöglicht es, mit sozialen Transformationsprozessen, der Einschränkung oder Ausweitung von Handlungsspielräumen sowie mit den zunehmenden Differenzierungen und Dynamiken spätmoderner Gesellschaften umzugehen (McAdams 2001, 115; Leccardi 2013, 252ff.; Fischer 2018a, b, 462; Leinhos et al. 2025).

Auf forschungspraktischer Ebene bietet eine solche verzeitlichte Perspektive außerdem das Potenzial, essenzialisierende und ontologisierende Zuschreibungen zu vermeiden. Biographien sind dynamische Prozessgestalten, die sowohl Diskontinuitäten als auch Kontinuitäten integrieren. Brüche und Widersprüche können bspw., sofern sie als solche wahrgenommen und problematisch werden, in einer biographischen Darstellung durch ihre Verortung in der Vergangenheit verzeitlicht und damit in eine stimmige Lebensdarstellung integriert werden, sodass die Einheit des Selbst gewahrt bleibt (Fischer 2018b, 468). Durch eine praxeologisch-wissenssoziologische Perspektive auf die Herstellungsweise von Verzeitlichung werden zwar (Dis-)Kontinuitäten nicht im zeitlichen Verlauf deutlich, jedoch die performativen Zuschreibungsprozesse und die Konstruktion zeitlicher Struktur sichtbar gemacht. Damit kommen auch konjunktive Verarbeitungs- und Aneignungsweisen im Umgang mit gesellschaftlichen (Zeit-)Anforderungen in den Blick.

Anmerkungen

[1]
Es gibt zwar Ansätze, in denen biographisches Material dokumentarisch analysiert und ›prozessanalytisch‹ Phasentypiken, Verläufe und Bildungsprozesse rekonstruiert werden (Rosenberg 2011; 2012; Nohl et al. 2015; Thomsen 2020), jedoch sind diese zeittheoretisch wenig methodologisiert. Dabei werden Prozessphasen typisiert und somit zeitliche Verläufe vorausgesetzt bzw. reifiziert und so einer angenommenen Chronologie unterworfen. Dabei rückt die Analyse der Modi Operandi der Handlungspraxis (Bohnsack 2017; 2021) und deren zugrundeliegende Wissensbestände in den Hintergrund. Das Wissen um Verzeitlichung (Leinhos et al. 2025) bleibt in diesen Ansätzen weitgehend unbeachtet. Einen methodologisch fundierteren und zeitsensibleren Ansatz schlägt Hoffmann (2021) vor. Über eine Triangulation biographischer Interviews mit Bildserien, die zum Zeitpunkt der jeweilig rekapitulierten Ereignisse entstanden sind, werden vergangene Handlungspraktiken und deren zugrundeliegende Wissensbestände fokussiert. Zwar ist auch die Auswahl dieser Bilder durch gegenwärtige Perspektiven »eingefärbt oder überlagert«, dennoch tragen sie »immer ›Spuren‹ der Vergangenheit« in sich (ebd., 47).
[2]
Zum Gestaltschließungszwang siehe Kallmeyer und Schütze (1977).
[3]
Für die Differenzierung von Textsorten der Erzählung, Beschreibung und Argumentation siehe Schütze (1987) und ähnlich auch Habermas und Reese (2015, 175).
[4]
In Anlehnung an Oevermann (1988).

Literatur

Alheit, Peter. 1988. »Alltagszeit und Lebenszeit: Über die Anstrengungen, widersprüchliche Zeiterfahrungen ›in Ordnung zu bringen‹«. In Zerstörung und Wiederaneignung von Zeit, hrsg. v. Rainer Zoll, 371–86. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Alheit, Peter, und Bettina Dausien. 2000. »Die biographische Konstruktion der Wirklichkeit: Überlegungen zur Biographizität des Sozialen«. In Biographische Sozialisation, hrsg. v. Erika M. Hoerning, 257–83. Stuttgart: Lucius & Lucius.

Alheit, Peter, und Erika M. Hoerning. 1989. »Biographie und Erfahrung: Eine Einleitung«. In Biographisches Wissen: Beiträge zu einer Theorie lebensgeschichtlicher Erfahrung, hrsg. v. Peter Alheit und Erika M. Hoerning, 8–23. Frankfurt a.M.: Campus.

Bauman, Zygmunt. 2008. Flüchtige Zeiten: Leben in der Ungewissheit. Hamburg: Hamburger Edition.

Bieri, Peter. 1972. Zeit und Zeiterfahrung: Exposition eines Problembereichs. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Blue, Stanley. 2017. »Institutional rhythms: Combining practice theory and rhythmanalysis to conceptualise processes of institutionalisation«. Time & Society 28 (3): 922–50.

Bohnsack, Ralf. 2012. »Orientierungsschemata, Orientierungsrahmen und Habitus: Elementare Kategorien der Dokumentarischen Methode mit Beispielen aus der Bildungsmilieuforschung«. In Qualitative Bildungs- und Arbeitsmarktforschung: Grundlagen, Perspektiven, Methoden, hrsg. v. Karin Schittenhelm, 119–53. Wiesbaden: Springer VS.

Bohnsack, Ralf. 2014. »Habitus, Norm und Identität«. In Schülerhabitus: Theoretische und empirische Analysen zum Bourdieuschen Theorem der kulturellen Passung, hrsg. v. Werner Helsper, Rolf-Torsten Kramer und Sven Thiersch, 33–55. Wiesbaden: Springer VS.

Bohnsack, Ralf. 2017. Praxeologische Wissenssoziologie. Opladen/Toronto: Budrich.

Bohnsack, Ralf. 2021. Rekonstruktive Sozialforschung: Einführung in qualitative Methoden. Leverkusen: UTB.

Dausien, Bettina. 2020. »Biografie«. In Zeit im Lebensverlauf: Ein Glossar, hrsg. v. Sebastian Schinkel, Fanny Hösel, Sina-Mareen Köhler, Alexandra König, Elisabeth Schilling, Julia Schreiber, Regina Soremski und Maren Zschach, 73–79. Bielefeld: transcript.

Elias, Norbert. 1988. Über die Zeit. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Felden, Heide v. 2020. »Grundannahmen der Biographieforschung, das Erzählen von Lebensgeschichten und die Konstruktion von narrativer Identität«. In Die Arbeit am Selbst: Theorie und Empirie zu Bildungsaufstiegen und exklusiven Karrieren, hrsg. v. Ulrike Deppe, 23–40. Wiesbaden: Springer VS.

Fischer, Wolfram. 2010. »Biographische Strukturierung in der Lebenswelt gesellschaftlicher Moderne«. In Biografiearbeit und Biografieforschung in der Sozialen Arbeit: Beiträge zu einer rekonstruktiven Perspektive sozialer Professionen, hrsg. v. Susanne Maurer, Bernhard Haupert und Sigrid Schilling, 13–34. Bern: Peter Lang.

Fischer, Wolfram. 2017. »Drunter, drüber oder voll daneben? Zur Lage des Selbst im Handeln, Erleben und in biographischer Kommunikation«. In Biographie und Diskurs: Methodisches Vorgehen und methodologische Verbindungen, hrsg. v. Tina Spies und Elisabeth Tuider, 129–50. Wiesbaden: Springer VS.

Fischer, Wolfram. 2018a. »Theorien der Moderne und Biographieforschung«. In Handbuch Biographieforschung, hrsg. v. Helma Lutz, Martina Schiebel und Elisabeth Tuider, 63–74. Wiesbaden: Springer VS.

Fischer, Wolfram. 2018b. »Zeit und Biographie«. In Handbuch Biographieforschung, hrsg. v. Helma Lutz, Martina Schiebel und Elisabeth Tuider, 461–72. Wiesbaden: Springer.

Fischer-Rosenthal, Wolfram. 1995. »Schweigen – Rechtfertigen – Umschreiben: Biographische Arbeit im Umgang mit deutschen Vergangenheiten«. In Biographien in Deutschland: Soziologische Rekonstruktionen gelebter Gesellschaftsgeschichte, hrsg. v. Wolfram Fischer-Rosenthal und Peter Alheit, 43–86. Wiesbaden: VS Verlag.

Flaherty, Michael G. 2003. »Time Work: Customizing Temporal Experience«. Social Psychology Quarterly 66 (1): 17–33.

Flaherty, Michael G. 2022. »Whose time is it? Negotiating temporality in everyday life«. Time & Society 31 (1): 22–24.

Freeman, Elizabeth. 2010. Time Binds: Queer Temporalities, Queer Histories. Durham, London: Duke University Press.

Fuchs-Heinritz, Werner. 2000. »Zukunftsorientierungen und Verhältnis zu den Eltern«. In Jugend 2000: 13. Shell Jugendstudie, hrsg. v. Arthur Fischer; Yvonne Fritzsche; Werner Fuchs-Heinritz und Richard Münchmeier, 23–92. Opladen: Leske+Budrich.

Gregor, Anja. 2015. Constructing Intersex: Intergeschlechtlichkeit als soziale Kategorie. Bielefeld: transcript.

Habermas, Jürgen. 1988. Der philosophische Diskurs der Moderne: Zwölf Vorlesungen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Habermas, Tilmann, und Christin Köber. 2015a. »Autobiographical Reasoning in Life Narratives Buffers the Effect of Biographical Disruptions on the Sense of Self-Continuity«. Memory 23 (5): 664–74.

Habermas, Tilmann, und Christin Köber. 2015b. »Autobiographical reasoning is constitutive for narrative identity: The role of the life story for personal continuity«. In The Oxford handbook of Identity Development, hrsg. v. Kate C. McLean und Moin Syed, 149–65. Oxford: Oxford University Press.

Habermas, Tilmann, und Elaine Reese. 2015. »Getting a Life Takes Time: The Development of the Life Story in Adolescence, Its Precursors and Consequences«. Human Development 58 (3): 172–201.

Halbwachs, Maurice. 1985. Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Hoffmann, Nora F. 2021. »›Ankommen‹ in der postmigrantischen Gesellschaft. Die Analyse von Prozessen der Raumkonstitution an neuen Lebensorten«. Zeitschrift für Qualitative Forschung 22 (1): 39–55.

Kade, Jochen, und Christiane Hof. 2010. »Die Zeit der (erziehungswissenschaftlichen) Biographieforschung: Theoretische, methodologische und empirische Aspekte ihrer Fortschreibung«. In Typenbildung und Theoriegenerierung: Methoden und Methodologien qualitativer Bildungs- und Biographieforschung, hrsg. v. Jutta Ecarius und Burkhard Schäffer, 145–68. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.

Kallmeyer, Werner, und Fritz Schütze. 1977. »Zur Konstitution Von Kommunikationsschemata Der Sachverhaltsdarstellung: Dargestellt am Beispiel von Erzählungen und Beschreibungen«. In Gesprächsanalysen, hrsg. v. Dirk Wegner, 159–274. Hamburg: Buske.

Kohli, Martin. 1985. »Die Institutionalisierung des Lebenslaufs: Historische Befunde und theoretische Argumente«. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 37 (1): 1–29.

Kohli, Martin. 2007. »The Institutionalization of the Life Course: Looking Back to Look Ahead«. Research in human development 4 (3–4): 253–71.

Kohr, Heinz-Ulrich. 1992. »Zeit-, Lebens- und Zukunftsorientierungen«. In Jugend ’92: Lebenslagen, Orientierungen und Entwicklungsperspektiven im vereinigten Deutschland, 145–68. Opladen: Leske+Budrich.

Leccardi, Carmen. 2013. »Temporal perspectives in de-standardised youth life courses«. In Handbuch Übergänge, hrsg. v. Wolfgang Schröer, Barbara Stauber, Andreas Walther, Lothar Böhnisch und Karl Lenz, 251–69. Weinheim: Beltz Juventa.

Leccardi, Carmen. 2021. »Redefining the Link Between Structure and Agency: The Place of Time.« In Structure and agency in young people’s lives: Theory, methods and agendas, hrsg. v. Magda Nico und Ana Caetano, 82–97. London/New York: Routledge.

Leinhos, Patrick. 2024. »Biographischer Stellenwert queeren Engagements«. Voluntaris 12 (2): 11–27.

Leinhos, Patrick, Yağmur Mengilli und Susanne Siebholz. 2025. »Time work von Kindern und Jugendlichen: Empirische Analysen der Herstellung und Bearbeitung zeitbezogener Anforderungen«. In Sozialpädagogische*s Zeit*en, hrsg. v. Anselm Böhmer, Zoë Clark, Mischa Engelbracht, Davina Höblich und Vicki Täubig, 149–64. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.

Leitner, Hartman. 1982. Lebenslauf und Identität: Die kulturelle Konstruktion von Zeit in der Biographie. Frankfurt a.M.: Campus.

McAdams, Dan P. 2001. »The Psychology of Life Stories«. Review of General Psychology 5 (2): 100–22.

McAdams, Dan P. und Kate C. McLean. 2013. »Narrative Identity«. Current Directions in Psychological Science 22 (3): 233–38.

Mengilli, Yağmur. 2024. »Youth cultural practices as modes of time work: Chilling as rescheduling everyday life«. Time & Society 34 (3): 355–75.

Nohl, Arnd-Michael, Florian v. Rosenberg und Sarah Thomsen. 2015. Bildung und Lernen im biographischen Kontext: Empirische Typisierungen und praxeologische Reflexionen. Wiesbaden: Springer VS.

Oevermann, Ulrich. 1988. »Eine exemplarische Fallrekonstruktion zum Typus versozialwissenschaftlichter Identitätsformation«. In Vom Ende des Individuums zur Individualität ohne Ende, hrsg. v. Hanns-Georg Brose und Bruno Hildenbrand, 243–86. Opladen: Leske+Budrich.

Peskoller, Helga. 2013. »Erfahrung/en«. In Erfahrung – Erfahrungen, hrsg. v. Johannes Bilstein und Helga Peskoller, 51–78. Wiesbaden: Springer VS.

Riach, Kathleen, Nicholas Rumens und Melissa Tyler. 2014. »Un/doing Chrononormativity: Negotiating Ageing, Gender and Sexuality in Organizational Life«. Organization Studies 35 (11): 1677–98.

Rosenberg, Florian v. 2011. Bildung und Habitustransformation: Empirische Rekonstruktionen und bildungstheoretische Reflexionen. Bielefeld: transcript.

Rosenberg, Florian v. 2012. »Rekonstruktion biographischer (Bildungs-)Prozesse: Überlegungen zu einer prozessanalytischen Typenbildung«. In Qualitative Bildungsforschung und Bildungstheorie, hrsg. v. Ingrid Miethe und Hans-Rüdiger Müller, 193–205. Opladen: Budrich.

Rosenthal, Gabriele. 2010. »Die erlebte und erzählte Lebensgeschichte: Zur Wechselwirkung zwischen Erleben, Erinnern und Erzählen«. In Subjekt – Identität – Person? Reflexionen zur Biographieforschung, hrsg. v. Birgit Griese, 197–218. Wiesbaden: VS Verlag.

Schmidt-Lauff, Sabine. 2014. »Zeitprogrammatiken und temporale Semantiken – für eine neue Zeitsensibilität pädagogischen Organisierens«. In Organisation und das Neue: Beiträge der Kommission Organisationspädagogik, hrsg. v. Susanne M. Weber, Michael Göhlich, Andreas Schröer und Jörg Schwarz, 115–25. Wiesbaden: Springer VS.

Schmidt-Lauff, Sabine und Hannah Hassinger. 2023. »Biographieforschung und Zeit«. In Handbuch Erziehungswissenschaftliche Biographieforschung und Biographiearbeit, hrsg. v. Dieter Nittel, Heide v. Felden und Meron Mendel, 123–36. Weinheim: Beltz Juventa.

Schütze, Fritz. 1987. Das narrative Interview in Interaktionsfeldstudien. Erzähltheoretische Grundlagen. 1. Merkmale von Alltagserzählungen und was wir mit ihrer Hilfe erkennen können. Hagen: Fernuniversität Hagen. Studien- und Lehrmaterial der Fernuniversität Hagen.

Siegert, Karolina, und Bettina Lindmeier. 2022. »Zum Erleben von und dem Umgang mit Zeit: Chrononormative Orientierungen und deren Bearbeitung in adoleszenten Biographien am Übergang Schule-Beruf«. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung 17 (3): 296–309.

Singer, Jefferson A. 2004. »Narrative Identity and Meaning Making Across the Adult Lifespan: An Introduction«. Journal of Personality 72 (3): 437–60.

Thomsen, Sarah. 2020. Bildung in Protestbewegungen: Empirische Phasentypiken und normativitäts- und bildungstheoretische Reflexionen. Wiesbaden: Springer VS.

Torres, Felipe. 2022. Temporal regimes: Materiality, politics, technology. Abington/New York: Routledge.

Wang, Qi. 2013. The Autobiographical Self in Time and Culture. Oxford: Oxford University Press.

Wanka, Anna. 2020. »Chrononormativität im Lebenslauf – Die sozialen Praktiken der Herstellung und De/Stabilisierung temporaler Normalität in der Lebensphase Alter«. In Frontiers in Time Research – Einführung in die interdisziplinäre Zeitforschung, hrsg. v. Elisabeth Schilling und Maggie O’Neill, 133–59. Wiesbaden: Springer.

Weidenhaus, Gunter. 2015. Soziale Raumzeit. Berlin: Suhrkamp.

Zerubavel, Eviatar. 1981. Hidden Rhythms: Schedules and Calendars in Social Life. Chicago: Chicago University Press.

Der Autor

Patrick Leinhos, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pädagogik. Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Arbeitsschwerpunkte: qualitative Forschungsmethod(ologi)en, Jugend- und Peerforschung, Engagementforschung, geschlechter- und queertheoretische Ansätze.

Kontakt:
Patrick Leinhos, M.A.,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Institut für Pädagogik, Franckeplatz 1, Haus 3, 06110 Halle
E-Mail: Patrick.Leinhos@paedagogik.uni-halle.de