Partizipative Forschung in der Psychologie – Das Projekt Selbstverständigung über Drogengebrauch

Christoph Vandreier

Zusammenfassung

Der Artikel gibt einen Einblick in die Arbeit der Selbsthilfe- und Forschungsgruppe des Berliner »Projekts Selbstverständigung über Drogengebrauch« (ProSD.org) als einem Beispiel partizipativer Praxisforschung im psychologischen Bereich. Es werden zunächst die Grundlagen des ProSD in der Subjektwissenschaft sowie der akzeptanzorientierten Drogenhilfe diskutiert, indem das Projekt von anderen Ansätzen in der Drogenforschung abgegrenzt, innerhalb der partizipativen Praxisforschung verortet und hinsichtlich seiner theoretischen Grundlagen untersucht wird. Anschließend wird die praktische Arbeit beschrieben, um schließlich aufgekommene Probleme, etwa im Verhältnis von Forschenden und Mitforschenden, und erste Lösungsversuche darzustellen und für die partizipative Forschung fruchtbar zu machen.

Schüsselwörter: Kritische Psychologie, Partizipative Forschung, Handlungsforschung, Drogen, Sucht, Selbsthilfe

Summary

This article gives insights into the work of the self-help- and research-group of the »Projekt Selbstverständigung über Drogengebrauch« as an example of participatory research in psychology. In a first step the basics of the project will be discussed by distinguishing it from other approaches in drug research, positioning it within the field of participatory research and analyzing it in regard to its theoretical basics. In a second step the practical work of the project will be described to illustrate problems that emerged as well as first solutions that could be helpful for further development of participatory research. Key words: Critical Psychology, participatory research, action research, narcotics, addiction, self-help organization

Keywords: Critical Psychology, participatory research, action research, narcotics, addiction, self-help organization

Dieser Artikel soll einen Einblick in die Arbeit der Selbsthilfe- und Forschungsgruppe des Berliner Projekts »Selbstverständigung über Drogengebrauch« (ProSD) als einem Beispiel partizipativer Praxisforschung im psychologischen Bereich geben.[1] In dem Projekt arbeiten seit zwei Jahren Menschen, die Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen haben, zusammen mit PsychologInnen und Psychologiestudierenden daran, ihre eigenen Probleme hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Vermitteltheit aufzuschlüsseln, ihre Lebenssituation zu verbessern und die Ergebnisse zugleich anderen Betroffenen oder professionell Helfenden strukturell verallgemeinert zur Verfügung zu stellen.

Das Projekt arbeitet unter dem Dach des »Subjektorientierte Drogenhilfe e.V.«[2]. Es orientiert sich nicht an normativen Zielen etwa der Abstinenz der Teilnehmenden oder der Durchsetzung eines bestimmten Konsumverhaltens, sondern an den Problemen, wie sie von den Betroffenen erfahren werden. Das können also durchaus auch Probleme mit Recht und Gesetz, mit FreundInnen oder dem Arbeitsplatz sein, ohne dass der Konsum selbst in Frage gestellt wird.

In dem Artikel sollen zunächst die Grundlagen des ProSD diskutiert werden, indem das Projekt von anderen Ansätzen in der Drogenforschung abgegrenzt, innerhalb der partizipativen Praxisforschung verortet und hinsichtlich seiner theoretischen Grundlagen untersucht wird. Anschließend soll die praktische Arbeit beschrieben werden, um schließlich aufgekommene Probleme und erste Lösungsversuche darzustellen, die möglicherweise auch für andere Projekte und Forschungsarbeiten fruchtbar sein können. Da es in dem Beitrag darum geht, ein partizipativ organisiertes Forschungsprojekt vorzustellen und nicht Fragen der Drogenforschung zu erörtern, wird auf eine Darstellung erster Forschungsergebnisse verzichtet. Der/die geneigte LeserIn möge sich unter www.prosd.org über weitere Veröffentlichungen informieren, die sich diesen Fragen widmen werden.

Anlässe für eine partizipative Drogenforschung

Das Projekt Selbstverständigung über Drogengebrauch bedient sich eines partizipativen Forschungsansatzes, um den Standpunkt der betroffenen Subjekte abbilden zu können. Dieses Ziel leitet sich nicht nur aus dem spezifischen Forschungsgegenstand, sondern aus grundsätzlichen Überlegungen zur menschlichen Psyche ab.

Im Bereich des Konsums psychoaktiver Substanzen waren die psychologische Forschung und damit die Theoriebildung stark von einer Betrachtungsweise der Entsubjektivierung der Konsumenten geprägt, was nur einen beschränkten Fokus auf den Umgang mit Drogen zugelassen hat. Die Entwicklung der Drogenhilfe und -forschung war von Beginn an wie kaum ein anderer Bereich psychosozialer Hilfe von politischen Vorgaben flankiert. Die wissenschaftlich nicht begründete, wohl aber durch ökonomische und politische Interessen motivierte Trennung zwischen der strengen Prohibition einiger psychotroper Substanzen und der aggressiven Vermarktung anderer (vgl. etwa Amendt 1992, 2003, Holzer 2002, Ullmann 2004), bildete die häufig unreflektierte Grundlage für die Drogenhilfe, wie sie sich in Deutschland in den 1970er Jahren entwickelte.

Diese Entwicklung fand außerdem im Banne des psychologischen Bedingtheits-Diskurses statt, der die menschliche Möglichkeit, sich zu Bedingungen zu verhalten, kategorial ausklammert und aufgrund der Anwendung quantitativer Methoden vom Handeln konkreter Individuen abstrahiert (vgl. Holzkamp 1983, 522ff.). In der Verschränkung beider Einflüsse entstand ein Blick auf Drogenkonsumenten, der von Pathologisierung und Entsubjektivierung geprägt ist (vgl. etwa Ferstl 2005, 770ff.; Thomasius, Jung & Schulte-Markwort 2007, 897ff.). Wenn mittlerweile auch dem Umstand Rechnung getragen wird, dass viele Menschen psychoaktive Substanzen unregelmäßig oder in einer kontrollierten Art und Weise konsumieren, bleibt das Verständnis von »Drogenabhängigkeit« als irreversibler Krankheit weit verbreitet (vgl. etwa Bottlender, Spanagel & Soyka 2007). Ziel jeder Intervention ist – diesem Verständnis nach – die dauerhafte Abstinenz des Betroffenen. Diese Abstinenzorientierung war für die gesamte Drogenhilfe und -forschung prägend, weil sie nicht ein subjektiv (oder durch andere) wahrgenommenes Problem, sondern eine normative Vorgabe zum Ausgangspunkt nahm.

Die geradezu apriorisch wirkende Vorstellung eines der Droge ausgelieferten Abhängigen, führte zu einem stark eingeschränkten Forschungshorizont, der kontrollierten, alltagsverträglichen Konsum zumindest illegalisierter Drogen als Randphänomen abtat und den Fokus nicht auf die komplexe Vermitteltheit zwischen gesellschaftlichen Bedingungen, ihren konkreten Bedeutungen, Subjekt und psychoaktiver Substanz, sondern auf das vermeintliche »Suchtpotential« einer Droge oder den »Suchtcharakter« der Konsumierenden richtete (ausführlicher bei Kemmesies 2004, 17ff.; Scheerer 2001; Schneider 1999). Die Droge wurde quasi statt des Konsumierenden in den Subjektstatus gehoben, indem sie »abhängig macht«, »das Leben ruiniert« oder »einen Menschen verändert«. Die Subjekte tauchten dann nur noch als Reaktionen auf chemische Substanzen auf (vgl. Braun & Gekeler 1988, 149ff.).

Es gab aber auch immer einige Studien, die etwa die Phänomene des Selbstaufhörens oder des kontrollierten Konsums untersuchten. Mit der Verbreitung niedrigschwelliger Ansätze in der Drogenhilfe in den 1980er Jahren (vgl. Stöver 1990) entwickelte sich auch diese Forschung weiter. Im Rahmen der traditionellen Drogenforschung wird nun teilweise (wenn auch heftig umstritten) die Möglichkeit des »kontrollierten Konsums« eingeräumt (vgl. etwa Bianchi, Maremmani, Meloni & Tagliamonte 1992; Körkel 2002) oder die Notwendigkeit von harm reduction betont (vgl. etwa Rhodes et al. 2007). Auf der anderen Seite entwickelten sich aber auch zahlreiche Ansätze, die sich durch eine akzeptierende Haltung gegenüber Drogenkonsum auszeichnen, der Pathologisierung entgegentreten und Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit Drogen artikulieren (vgl. etwa Bossong 1991; Quensel 1991; Schneider & Gerlach 1999; Schneider 2006).

Es existiert eine ganze Reihe an Studien, die die Vorstellung eines den Drogen ausgelieferten Subjekts nachhaltig erschütterten. Zum einen wurden seit den 1960er Jahren Studien zum »kontrollierten Konsum« auch »harter Drogen«, wie Heroin und Kokain, durchgeführt (vgl. Zinberg 1984; Harding 1982). Diese Ergebnisse wurden dann in weiteren Studien bestätigt und durch lebensweltnahe Untersuchungen zu subjektiven Motiven für »kontrollierten Konsum« ergänzt (Herold 2001; Hermann, Nydegger & Estermann 1997; Kemmesies 2004; Strieder 2001; zum Überblick: Schippers & Cramer 2002).

Zum anderen wurde das Phänomen des selbstorganisierten Ausstiegs aus der »Abhängigkeit« untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass ein erheblicher Teil der »Abhängigen« den Heroinkonsum ohne therapeutische Unterstützung selbstständig beendet hat (etwa Braun & Gekeler 1983; Happel 1991; Klingemann 1991; Schmidt 1996; zur Übersicht: Blomqvist 2006; Smart 2006). Auf der anderen Seite wiesen Arbeiten nach, dass eine strikte Trennung zwischen »kontrolliert Konsumierenden«, »Abhängigen« und »Aussteigern« höchstens analytisch Sinn macht. Es hat sich gezeigt, dass nicht nur vormals »Abhängige« zu einem »kontrollierten Konsum« übergehen können (vgl. Schippers & Cramer 2002 , 75ff.), sondern dass verschiedene Phasen des Konsums nicht selten aufeinanderfolgen, das Verhältnis eines Menschen zu psychoaktiven Substanzen einen mannigfaltigen und wechselhaften Prozess darstellt (vgl. Weber & Schneider 1997). Einige Arbeiten haben sich bereits darauf konzentriert, die Begründetheit auch regelmäßigen Drogenkonsums herauszuarbeiten (Kemmesies 2004; Brachet 2003; Berger 1982; Marlowe 1999).

Alle diese Arbeiten haben einen nicht zu unterschätzenden Wert, weil sie der Abstraktion von konkreten Lebenszusammenhängen in der traditionellen Forschung die Analyse des subjektiven Verständnisses der eigenen Lebenslage entgegensetzen. Doch ergeben sich daraus auch Schwierigkeiten, die das ProSD durch das partizipative Setting überwinden will.

Zum einen muss man in Rechnung stellen, dass das Abstinenzparadigma, das durch Politik, Medien und Wissenschaft über Jahrzehnte propagiert wurde, einen wesentlichen Einfluss auf die subjektiven Theorien der Betroffenen selbst hat (vgl. etwa Rødner 2005) und dementsprechend Entwicklungsverläufe beeinflussen und behindern kann (vgl. Vandreier 2006, 85ff.). Durch eine ausschließliche Beschränkung auf die subjektive Wahrnehmung wird die Vermitteltheit der eigenen Subjektivität mit der gesellschaftlichen Realität ausgeklammert und damit jede kritische Analyse der subjektiven Theorien, somit auch der gesellschaftlichen Bedingungen und Denkformen, die ihnen zugrunde liegen, ausgeschlossen.

Um nicht nur die Vorstellungen innerhalb des Abstinenzparadigmas und des quantitativen Forschungsdiskurses zu kritisieren, sondern ein Verständnis von Drogengebrauch als begründeter Handlung selbst voranzubringen, das über die subjektiven Theorien der Betroffenen hinausgeht, sind theoretische Vorannahmen notwendig, die es ermöglichen, die Auffassungen der Betroffenen selbst problematisierbar zu machen. Ferner ist ein Bezug zur objektiven Welt in Form der konkreten Weltbezüge der Individuen erforderlich, um Handlungen verstehbar und strukturell verallgemeinerbar machen zu können.

Der Ansatz des ProSD

Um diese Bedingungen erfüllen zu können, organisiert das ProSD die Forschung zusammen mit den Betroffenen im Sinne einer »Einheit von Erkennen und Verändern« (Markard 1991, 82), sodass sie einerseits partizipativ gestaltet und andererseits auf eine Veränderung der Situation durch Einsicht in die konstituierenden Bedingungen gerichtet ist. Die theoretischen Grundlagen des Projekts sind in dessen Konzept ausführlich expliziert (ProSD 2008, 20ff.) und stützen sich auf die Kategorien der Subjektwissenschaft (Holzkamp 1983; Markard 2009).

Das ProSD greift damit auch die Kritik der Untertheoretisierung auf, die auf viele bisherige Handlungsforschungsprojekte zielt (vgl. etwa Unger, Block & Wright 2007, 17ff.; Kemmis & McTaggart 2005 570f.; Markard 1991, 97ff.). Ohne eine theoretische Fundierung, bzw. Explikation der Begrifflichkeit kann Handlungsforschung nicht viel mehr als Alltagswissen reproduzieren, da eine kritisch-theoretische Durchdringung der unmittelbar gegebenen Erfahrung ausgeschlossen wird.

Aus der theoretischen Basis des ProSD in der Subjektwissenschaft leiten sich bestimmte Konsequenzen für die Forschungsstrategie ab. In der Subjektwissenschaft wird die individuelle Existenzerhaltung des Menschen als gesamtgesellschaftlich vermittelt verstanden (Holzkamp 1983, 192ff.). Das einzelne Individuum steht demnach in einer Möglichkeitsbeziehung zur Welt und kann sich zu den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen bewusst verhalten. Diesem Umstand ist methodisch Rechnung zu tragen, indem die Beziehung des jeweiligen Subjekts zur Welt von dessen Standpunkt aus aufgeschlüsselt wird (Holzkamp 1983, 534). Da die Handlungsprämissen eines Menschen »nicht eindeutig von außen determiniert [sind], sondern vom Subjekt im Kontext seiner Handlungen aktiv selegiert bzw. hergestellt« (Holzkamp 1993, 24, Hervorhebung i.O.) werden und der Standpunkt des Subjekts als »je mein« Standpunkt zu fassen ist (vgl. Holzkamp 1983, 534), kann dies nur im Rahmen einer intersubjektiven Verständigung stattfinden. Dabei ist «'Intersubjektivität' als reziprok-reflexive Beziehung’von Subjekt zu Subjekt'« zu verstehen (ebd.).

Zugleich wird aber festgestellt, dass der subjektive Standpunkt »zwar Ausgangspunkt meiner Welt- und Selbsterfahrung, aber damit keine unhintergehbare bzw. 'in sich’ selbstgenügsame Letztheit ist« (ebd., 538). Kennzeichnend sei vielmehr, »daß ich meine Subjektivität selbst als einen Aspekt des materiellen Lebensgewinnungsprozesses auf 'gesamtgesellschaftlichem’ Niveau 'einzuholen’ und begreifend zu durchdringen vermag« (ebd., 539). Hieraus ergibt sich die Möglichkeit innerhalb des Forschungsprozesses »die Besonderheiten der je individuellen Befindlichkeit/Handlungsfähigkeit der Beteiligten aus den unterschiedlichen Realisierungsbedingungen und darauf bezogenen subjektiven Prämissen als subjektive Variante allgemeiner gesellschaftlicher Handlungsmöglichkeiten verstehbar« zu machen (Projekt SUFKI 1985, 98). Eine solche strukturelle Verallgemeinerung besteht nicht darin, vom Besonderen zu abstrahieren, sondern dessen Verhältnis zum Allgemeinen zu begreifen (vgl. ebd.).

Ziel des ProSD ist es also, die subjektiv wahrgenommenen Probleme der Teilnehmenden im Umgang mit psychoaktiven Substanzen entlang der subjektwissenschaftlichen Kategorien (zur ausführlichen Darstellung dieser: Holzkamp 1983) hinsichtlich ihrer Verwobenheit mit gesellschaftlichen Bedingungen verstehbar zu machen, auf der Grundlage dieses Verständnisses etwaige subjektive Theorien der Teilnehmenden darauf zu beziehen sowie zu problematisieren und schließlich Unterstützung dafür zu gewährleisten, die veränderte Sicht in die Praxis umzusetzen. Diese Entwicklungsprozesse sollen dann im erläuterten Sinn strukturell verallgemeinert werden, um sie anderen Betroffenen oder Professionellen zur Aufschlüsselung ihrer eigenen Lage zur Verfügung stellen und ein Verständnis von Problemen mit Drogen voranbringen zu können.

Mit dieser Ausrichtung grenzt sich das Projekt von solchen Ansätzen der Participatory Action Research (PAR) ab, die vor allem den unmittelbaren sozialen Raum ins Zentrum stellen. So verstehen Kemmis und McTaggart PAR in erster Linie als die Eröffnung von »public spheres« (2005, 581), in denen es darum gehe, Interessen und Ziele auszuhandeln. Demgegenüber sieht das ProSD »the role of the collective« (ebd, 571) zwar auch darin, den Forschungsprozess zu demokratisieren und eine Möglichkeit des Austausches zu bieten, zugleich aber auch explizit darin, schon in den Kategorien zur Aufschlüsselung psychosozialer Probleme Möglichkeiten der Solidarisierung gegen objektive Herrschaftsstrukturen, die als gemeinsames Problem erkannt wurden, zu eröffnen.

Forschungssetting

Das ProSD bewirbt die einmal wöchentlich stattfindende Selbsthilfe- und Forschungsgruppe mit Flyern (2009), die in Drogenberatungen, Druckräumen und Kontaktläden ausliegen sowie auf Treffen oder Fachtagungen verteilt werden. In dem Flyer werden die AdressatInnen eingeladen in der Gruppe ihren Konsum von psychoaktiven Substanzen besser zu verstehen und neue Lösungsansätze für die damit verbundenen Probleme zu entwickeln. Es wird explizit darauf hingewiesen, dass sowohl Probleme als auch Ziele nicht von außen bestimmt werden, also auch keine Abstinenzverpflichtung bzw. -orientierung besteht.

Die Gruppe startete im Februar 2009 und hatte in den ersten zwei Jahren insgesamt etwa 30 Teilnehmende. Es kommen etwa vier zu jeder Sitzung. Die Verweildauer der Teilnehmenden reichte von fast den gesamten zwei Jahren bis hin zu einmaliger oder gelegentlicher Teilnahme, so dass sich ein Kern an Regelmäßigen herausgebildet hat, der durch sporadisch Teilnehmende ergänzt wurde. Eine irgendwie geartete Teilnahmeverpflichtung besteht nicht.

Die Teilnehmenden unterschieden sich hinsichtlich des Alters, der Lebenssituation und des Berufs deutlich. Der jüngste Teilnehmende war 17, der älteste Mitte 40. Es nahmen sowohl Frauen als auch Männer teil. Es gab allerdings eine Tendenz zu einem höheren Bildungsabschluss, prekärer Beschäftigung oder Arbeitslosigkeit und einem Alter ab 30 Jahren. Die konsumierten Drogen variierten stark. Es kamen sowohl Konsumenten von Cannabis, Alkohol und MDMA, als auch von Heroin, Kokain und Speed. Der Konsum war dabei unterschiedlich stark ausgeprägt und reichte von kontrolliertem oder gelegentlichem bis hin zu einem regelmäßigen und raumeinnehmenden Konsum.

Die Gruppe trifft sich einmal in der Woche für 90 Minuten. Neben den Teilnehmenden nehmen meist mehrere Mitarbeitende des ProSD teil, die sich von den Teilnehmenden vor allem in ihrer professionellen Ausbildung vornehmlich im Bereich der Psychologie unterscheiden. Einige Mitarbeitende bringen auch ihre eigenen Probleme im Umgang mit psychoaktiven Substanzen ein. Der Gruppenprozess wird als eine gegenseitige Annäherung von »ExpertInnen« organisiert. Während die Mitarbeitenden zunehmend genauere Kenntnis über die Lebenssituation der Teilnehmenden erlangen (die in gewissem, gegen ihre Entmündigung gerichteten, Sinne »ExpertInnen ihrer selbst« sind), eignen sich diese die psychologischen Kenntnisse der Mitarbeitenden an (vgl. Holzkamp-Osterkamp 1976, 460f.). Zentral hierfür ist die Qualifizierung der Teilnehmenden zu Mitforschenden, also die Vermittlung der subjektwissenschaftlichen Kategorien, die der Aufschlüsselung der Probleme dienen. Das ermöglicht den Teilnehmenden sich zu den Gruppenprozessen und Interpretationen bewusst zu verhalten.

Teilnehmende wie Mitarbeitende gehen mit ganz unterschiedlichen Interessen in die Gruppe hinein. So gibt es Teilnehmende, die vor allem soziale Kontakte suchen, und andere, die konzentriert an ihren Problemen arbeiten wollen. Einige Mitarbeitende sind auf der Suche nach einer emanzipatorischen Praxis in ihrem Berufsfeld, für andere steht die Forschung und teilweise eine damit verbundene Qualifikation im Zentrum. Im günstigsten Fall überschneiden sich die Interessenslagen. Für die Forschung würde das etwa bedeuten, dass die Analyse und Lösung eines Problems mit dessen wissenschaftlicher Auswertung Hand in Hand geht. Es gibt aber auch Teilnehmende, die das Gruppenangebot zwar nutzen, sich an der Forschungsarbeit jedoch nicht beteiligen möchten. In diesem Fall findet mit den Betreffenden keinerlei Forschung statt. Trotz dieser Freiwilligkeit, kann es im Forschungsprozess natürlich zu Interessenskonflikten kommen, die dann jeweils konkret reflektiert und in die Arbeit einbezogen werden müssen.

Einer der Mitarbeitenden oder der Teilnehmenden übernimmt die Moderation der Gruppe. Der/die Moderierende soll Sorge dafür tragen, dass alle Teilnehmenden, die etwas beitragen möchten, auch zu Wort kommen und dass eine angenehme, diskriminierungsfreie Atmosphäre gewährleistet ist. Hierbei handelt es sich zwar prinzipiell um Aufgaben der gesamten Gruppe, doch können etwa Krisensituationen von Teilnehmenden eine Person erforderlich machen, die im Zweifelsfall bestimmte Entscheidungen trifft.

Jede Sitzung beginnt mit einem »Blitzlicht«, in dem jedeR Anwesende kurz etwas zur letzten Sitzung, aktuellen Befindlichkeiten und den Erfahrungen der letzten Woche berichten kann. Anschließend einigt sich die Gruppe auf die Themen, die besprochen werden sollen. Oft sind das konkrete Probleme einzelner Teilnehmender, manchmal aber auch allgemeine Fragen, wie »Arbeit und Drogen«, »Was bringt mir der Sucht-Begriff?«, »Rechtliches zu Drogen« und Ähnliches.

Im Zentrum steht allerdings die Besprechung konkreter Probleme. Dabei kann es sich um eine akute Frage handeln, etwa ob einE TeilnehmendeR eine Therapie beginnen soll, aber auch um allgemeinere Probleme, wie die Frage, welche Funktionen einer Droge gewünscht und welche unerwünscht sind. Es hat sich gezeigt, dass sich die Themen nicht einfach auf den Konsum von Drogen i. e. S. begrenzen lassen. Zu sehr ist der Gebrauch von psychoaktiven Substanzen mit der gesamten Lebenssituation, den persönlichen Zielen, Beschränkungen usw. verbunden. Beendet wird jede Sitzung mit einer Abschlussrunde, in der alle Anwesenden die Möglichkeit haben, Ablauf und Inhalt der Sitzung zu kommentieren.

Nach jeder Sitzung treffen sich alle Interessierten gesondert zu einer Auswertung der Sitzung und der Vorbereitung des nächsten Treffens. Hier sind regelmäßig die Mitarbeitenden des ProSD anwesend, aber auch Teilnehmende nehmen das Angebot wahr. Bei den Nachbesprechungen geht es neben Fragen des formalen Ablaufs der Sitzung, Problemen in der Moderation oder Entwicklungen des Gruppenprozesses auch um die inhaltliche Nachbereitung der behandelten Themen und geschilderten Probleme. So wird etwa überlegt, welche Fragen bezüglich eines Problems in den nächsten Sitzungen besprochen werden könnten.

In der Diskussion der Probleme der Teilnehmenden und in der Auswertung der Daten lehnt sich das ProSD an das vom Projekt Subjektentwicklung in der frühen Kindheit (SUFKI) in den 1980er Jahren erarbeitete Konzept der Entwicklungsfigur an (Projekt SUFKI 1984, 1985), das später weiterentwickelt wurde (etwa Markard 1993). Mit dieser sollen Veränderungsprozesse so operationalisiert werden, dass sie auf im Alltag vorfindlichen Bedeutungen und die dahinter liegenden gesellschaftlichen Bedingungen sowie auf die sich im Gruppenprozess verändernden subjektiven Theorien und damit zusammenhängenden Begründungsmuster beziehbar werden. Die klassische Entwicklungsfigur gliedert sich dabei in vier Phasen.

In der ersten Phase werden ein aufgeworfenes Problem und die subjektive Theorie der betreffenden Person auf der Grundlage eines Berichts an die Gruppe gedeutet. Hier geht es darum, die Problemkonstellation möglichst wertfrei zu erfassen und die subjektiven Theorien hinsichtlich ihrer kategorialen Grundlage im Sinne der Subjektwissenschaft aufzuschlüsseln. Es werden in der Gruppe also zunächst alle Handlungsprämissen der Betroffenen so weit erschlossen, dass die übrigen Gruppenmitglieder die problematische Handlung aus diesen Prämissen-Gründe-Zusammenhängen heraus nachvollziehen können. Zugleich werden die Verknüpfungen dieser Zusammenhänge mit den realen Lebensbedingungen der Betroffenen diskutiert und etwa gefragt, inwiefern der Umgang mit diesen Bedingungen zu ihrer Aufrechterhaltung beiträgt.

In der Herausarbeitung dieses ersten oder initialen Begründungsmusters (BGM) soll die »Unverfügbarkeit der Situation für die Betroffenen auf den Begriff« (Projekt SUFKI 1985, 108) gebracht werden. Ganz grundsätzlich soll mit BGMs »die praktische Vermittlung zwischen gesellschaftlicher und individueller Reproduktion je konkret, fallbezogen, theoretisch gefaßt werden.« (Markard 1993, 44), sodass problematische Situationen gesellschaftlich kontextualisiert werden können.

In der zweiten Phase, die eng mit der ersten verwoben ist, wird die Problemkonstellation auf der Grundlage der subjektwissenschaftlichen Kategorien restrukturiert, also ein neues, alternatives BGM entwickelt, das darauf gerichtet ist, den Leidensdruck zu vermindern und neue Handlungsalternativen zu realisieren.

Nehmen wir als Beispiel[3] eine alleinstehende 40 jährige Arbeitslose, die täglich Alkohol trinkt. Sie kommt in die Gruppe und berichtet zunächst über ihren Konsum. Sie habe vor sieben Jahren angefangen regelmäßig zu trinken, weil sie in einer Fortbildung vom Jobcenter eine andere Frau kennengelernt habe, die davon berichtet habe, wie sie mit Alkohol entspannen und Abstand vom Alltag gewinnen könne. Mittlerweile sei ihr Konsum aber außer Kontrolle geraten. Sie bekomme aufgrund des Konsums die grundlegende Organisation ihres Lebens nicht mehr hin, geschweige denn die Suche nach einem Job. Sie habe schon mehrfach versucht aufzuhören zu trinken und habe schon dreimal stationär entgiftet. Jedes Mal habe sich aber schon nach kurzer Zeit wieder ein regelmäßiger Konsum eingestellt. Das habe auch damit zu tun, dass sie sich eingebildet habe, nach der Entgiftung kontrolliert konsumieren zu können. Nach den Gründen für den erneuten Konsum befragt, bezeichnet sie sich als zu schwach und den Sog der Droge für zu stark. Sie habe schon als Kind Süßigkeiten nicht aufbewahren können, sondern sie stets unverzüglich verputzt. Sie wisse nun, dass sie in jedem Fall völlig abstinent leben müsse und dafür aufgrund ihrer charakterlichen Schwäche Hilfe brauche.

Mit dem initialen BGM sollen die geschilderten Zusammenhänge mit dem Fokus auf dem von ihr wahrgenommenen Problem abgebildet werden. Der Aufschlüsselungsprozess bleibt aber nicht bei der Problemdefinition der Teilnehmenden stehen, die offensichtlich nicht zu einer Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten geführt hat. Es wird also nun darum gehen, die subjektiven Theorien, die diesem BGM zugrunde liegen herauszuarbeiten und zu kritisieren. In unserem Fall könnten das die Persönlichkeits- und Charakterzuschreibungen sein, die von den konkreten Lebensumständen abstrahieren, oder auch die Erhebung einer Substanz in den Subjektstatus, der eine Machtausübung gegenüber der eigenen Person zugeschrieben wird. Demgegenüber würde dann versucht, die Situation mithilfe der subjektwissenschaftlichen Kategorien aufzuschlüsseln, also in Bezug auf die konkrete Lebenssituation und die gesellschaftlichen Bedingungen zu analysieren. Das geschieht zunächst durch Fragen aus der Gruppe, die bestimmte Zusammenhänge genauer beleuchten. So könnte sich bei unserem Beispiel herausstellen, dass der Konsum von Alkohol durchaus variiert und immer dann besonders hoch ist, wenn sie mit der von ihr empfundenen Misere ihres Lebens konfrontiert ist. Da sich an dieser Lebenssituation nach den Entgiftungen nichts verändert hat, blieb auch die Funktion des Alkohols erhalten.

Auf der Grundlage dieser Gruppenprozesse könnte dann das zweite BGM formuliert werden: »Ich trinke, um Situationen etwa auf dem Jobcenter auszuhalten, in denen ich damit konfrontiert werde, dass mein Leben nach meinen Maßstäben gescheitert ist und ich zugleich keinerlei ernsthafte Möglichkeiten sehe, das zu verändern. Außerdem bietet mir der regelmäßige Alkoholkonsum eine berechenbare und leicht herstellbare Befriedigung unter ansonsten verwehrenden Lebensbedingungen.« Die Handlungen, die sich aus diesem zweiten BGM ergeben, unterscheiden sich ganz deutlich von denen des ersten. Statt an der eigenen »Stärke« gegenüber dem Alkohol zu arbeiten, macht es nun z.B. Sinn, sich mit anderen Teilnehmenden der Gruppe darüber zu verständigen, Termine beim Jobcenter gemeinsam wahrzunehmen und damit die Situation zumindest teilweise zu entschärfen, oder danach zu schauen, wie man den kargen Alltagsbedingungen noch Befriedigungserfahrungen abtrotzen kann.

Kann sich die Teilnehmende dieses zweite BGM zueigen machen, wird in der dritten Phase der klassischen Entwicklungsfigur die Praxis entsprechend umstrukturiert. Ideen hierzu werden ebenfalls im Gruppenprozess entwickelt. Eine solche Idee könnte die Begleitung der Betreffenden durch einen anderen Teilnehmenden zum Jobcenter sein. In der vierten Phase wird auf der Grundlage eines Berichts der Erfolg der Umstrukturierung diskutiert. Konnte durch die neue Umgangsweise das Problem gelöst oder zumindest ermäßigt werden? Je nach Ergebnis des Berichts ist der Entwicklungsfigur die Stagnationsfigur gegenübergestellt, mit der ein Scheitern der Veränderung operationalisiert wird. Hier ist herauszuarbeiten, an welcher Stelle des Prozesses Fehler auftraten. Vielleicht waren die Ideen zur Umstrukturierung der Praxis abgehoben, vielleicht wurden wichtige Bedingungen nicht einbezogen etc. Im Falle der Stagnationsfigur setzt der Prozess auf der Grundlage der neuen Erfahrungen wieder in der ersten Phase an.

Mit BGMs sind historisch-strukturelle Aussagen getroffen, die einen implikativen Zusammenhang zwischen den subjektiven Prämissen und Gründen beschreiben. Die so gewonnenen Daten sind nicht in Hinblick auf ihre Verbreitung quantitativ verallgemeinerbar, sondern haben eine veranschaulichende, konkretisierende Funktion. Als typische Begründungsmuster können sie anderen Betroffenen helfen, ihre eigene Situation aufzuschlüsseln, indem sie sich ggf. unter dem BGM subsumieren können oder es durch entsprechende Prämissenspezifizierung konkretisieren. So könnte ein anderer Teilnehmender in der Analyse unserer Beispielteilnehmenden bemerken, dass er Amphetamine konsumiert, um in gleicher Weise wie sie Situationen auszuhalten, die ihn daran erinnern, wie misslich seine Lebenssituation ist. Zugleich stellt er aber fest, dass ihm die Drogen in manchen Fällen durchaus helfen, an dieser Situation auch nachhaltig etwas zu verändern, weil er auf Techno-Partys Verbindungen knüpfen kann, die er für den Wiedereinstieg in seinen Job benötigt. Er müsste die Prämissen des BGMs für seine Situation spezifizieren.

Das ProSD hat sich für eine an die Entwicklungsfigur angelehnte Forschung entschieden, weil sie es gegenüber bloß erhebenden Verfahren erlaubt, Vermutungen über BGMs an der Praxis zu erproben. Es wird nicht nur ein Problem, sondern auch die Relevanz der wissenschaftlichen Analyse für die Lösung des Problems erhoben. Dadurch lassen sich die BGMs viel konkreter erfassen und spezifizieren. In der Forschung kann sich zudem zeigen, ob die Problemerfassung überhaupt eine angemessene Theoretisierung des empirischen Sachverhalts ist. Denn diese Art der Forschung lässt einen Widerspruch zwischen den entwickelten Theorien und der Praxis zu. Einmal kann die theoretische Fassung eines Problems empirisch scheitern und zweitens kann der Betroffene eine Theorie verwerfen, weil sie nicht auf seine Problemdefinition beziehbar ist. So werden alle Überlegungen bezüglich der Problemkonstellationen mit den Betroffenen im Sinne partizipativer Forschung gemeinsam entwickelt. Sie können jeder Interpretation oder Einschätzung zu jeder Zeit widersprechen – und tun das oftmals auch. Und selbst wenn sich einE TeilnehmendeR bestimmte Überlegungen zueigen macht, besteht die Möglichkeit, dass sich diese als untauglich erweisen, das bestehende Problem zu lösen. Hier gilt es dann gemeinsam weiter zu forschen, bis eine angemessene theoretische Fassung des Problems entwickelt worden ist.

Hierin besteht auch die Wichtigkeit der Partizipation der Betroffenen an der Forschung. Ihren Empiriegehalt erhalten die BGMs erst dadurch, dass der/die Betreffende seine/ihre eigene Lage dadurch auf den Punkt gebracht findet und seine/ihre Praxis entsprechend verändert. Würde diese Erprobung in der Praxis wegfallen, etwa weil nur einmalig geführte Interviews als Datenbasis zur Verfügung stünden, die ohne Einbezug der Teilnehmenden ausgewertet werden müssten, wären herausgearbeitete BGMs lediglich durch Empirie veranlasste Theorie. Dabei bliebe offen, inwiefern diese Theorie überhaupt eine angemessene Fassung empirischer Sachverhalte darstellt.

Das partizipative Setting des ProSD leitet sich also nicht nur aus dem emanzipatorischen Anspruch ab, dass »subjektwissenschaftliche Kategorien, Theorien, Methoden […] nicht Theorien und Methoden etc. über die Betroffenen, sondern für die Betroffenen« (Holzkamp 1983, 544) sind, sondern auch aus der methodischen Notwendigkeit, den Standpunkt des Subjekts in der Forschung abzubilden.

Probleme und erste Lösungen

Diese Maßgaben erfordern nicht nur in der Diskussion der Probleme der Teilnehmenden, sondern auch in der Auswertung der Daten eine enge Zusammenarbeit der Forschenden und Mitforschenden. In dem Konzept, das vor dem Start der Gruppe im Jahr 2008 geschrieben wurde, gingen die Mitarbeitenden des ProSD noch davon aus, dass die Teilnehmenden als Instrument der Reflexion ein Problemtagebuch führen würden, in dem sie problematische Situationen, wichtige Veränderungen etc. dokumentieren würden. Diese sollten dann zur Vorbereitung der Sitzungen dienen. Ferner war vorgesehen, dass die Teilnehmenden die Transkripte, die von den Audioaufnahmen der Sitzungen angefertigt werden, lesen und korrigieren sollten.

Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass schon zum Zeitpunkt der Datenerhebung die Mitforschenden die vollständige Kontrolle über ihre Daten haben. Sie sollten die Gelegenheit haben, Aussagen in den Transkripten zu korrigieren, zu streichen oder zu kommentieren. Außerdem sollte ihnen jeder weitere Schritt der Datenauswertung zur Korrektur vorgelegt werden. Nach Interesse sollten die Mitforschenden auch die Möglichkeit haben, selbst an der Auswertung der Daten teilzunehmen (etwa in der Nachbesprechung).

Bei der praktischen Umsetzung dieser Vorsätze traten allerdings einige Schwierigkeiten auf. Zum einen lasen die Teilnehmenden die etwa je 20 Seiten starken Transkripte nur selten. Korrekturen wurden noch seltener eingebracht. Zum anderen wurden auch die Sitzungen nicht in dem erwarteten Maße vorbereitet. Auch Tagebücher wurden nicht geführt. Anscheinend waren die Mitarbeitenden – allesamt Studierende und Akademiker – zu stark von den Möglichkeiten und Gewohnheiten des eigenen Lebens ausgegangen und hatten die Situation der Teilnehmenden zu wenig berücksichtigt.

Außerdem zeigte sich, dass die Sitzungen bzw. die Entwicklungsprozesse nicht so klar strukturiert werden konnten, wie in der Entwicklungsfigur angelegt. Teilnehmende brachten häufig Probleme zur Sprache, die nicht direkt etwas mit dem Gebrauch psychoaktiver Substanzen zu tun hatten, sich in ihrer Verflechtung aber doch als relevant für die Aufschlüsselung des Konsums herausstellten. Aus diesen komplexen Zusammenhängen ließen sich nicht ohne weiteres klar abgegrenzte BGMs herausarbeiten. Damit hängt auch zusammen, dass es für viele Probleme, etwa die berufliche Perspektivlosigkeit eines 45jährigen Teilnehmers ohne Ausbildung oder Berufserfahrung, keine unmittelbaren Lösungen, die durch eine Umstrukturierung der Praxis erreicht werden könnten, gibt. Insofern waren auch der diachronen Anordnung des initialen und veränderten BGMs Grenzen gesetzt. Es musste daher eher darum gehen, die Entwicklung in ihren verschiedenen Verschränkungen und in ihrer Begründetheit darzustellen. Dabei blieb der Prozess der Verständigung zwischen Mitforschenden und Forschenden mit dem Ziel, die Situation der Betroffenen auf den Punkt zu bringen, zentral.

Das ProSD versucht diese Schwierigkeiten nun mit dem Konzept der Dossiers zu lösen. In einem Dossier werden alle wesentlichen Aussagen zu Entwicklung, Gestaltung und Lösung der Probleme eines/einer Teilnehmenden zusammengefasst. In einem ersten Schritt werden alle Aussagen eines/einer Teilnehmenden innerhalb der Transkripte der Sitzungen, in denen er/sie anwesend war, mit dem Opensource-Computerprogramm zur Auswertung qualitativer Daten, RQDA (Huang 2010), mit bestimmten Schlagworten, wie »Gründe Drogen zu konsumieren«, »Arbeit und Finanzen« oder »Biografisches« kodiert. Diese Schlagworte dienen vor allem der Strukturierung der Daten und sind nicht vollständig trennscharf. Sie sind aus der praktischen Arbeit mit den Transkripten und Dossiers entstanden. Außerdem wird die Datenmodalität kodiert, also ob es sich bei den Aussagen um »Fakten«, »Interpretationen« oder »Theorien« handelt. Die Schlagworte werden dann in einem Dokument als Zwischenüberschriften behandelt und jeweils darunter alle zugeordneten Textstellen eingefügt. Aus dieser Zusammenschau der Textstellen schreiben dann die Mitarbeitenden einen Fließtext zusammen. Dabei kann durchaus noch von der Struktur der Schlagworte abgewichen werden, etwa weil eine Teilnehmende nur wenig Biografisches geäußert hat. Es hat sich als sinnvoll erwiesen hierbei aus der Perspektive des Teilnehmenden in der ersten Person zu schreiben, erstens, um Ähnlichkeiten mit psychiatrischen Fallakten zu vermeiden, und zweitens, um den Aspekt der Zuarbeit für die Teilnehmenden zu betonen.

Das Schreiben der Dossiers dient der Verständigung über die Probleme und die Situation der Teilnehmenden und zugleich einer Ordnung der Daten. Deshalb sollen die Mitarbeitenden Redundanzen herausstreichen, zugleich aber nichts Wesentliches außen vor lassen. Sie können versuchen, die Probleme mit eigenen Worten auf den Punkt zu bringen, sollen bei Unsicherheiten aber vorzugsweise Fragen an den/die betreffende/n Teilnehmenden formulieren. Solche Fragen können auch die Form von Hypothesen über Zusammenhänge annehmen, die so aus den Transkripten noch nicht hervorgehen. Die Fragen werden in den Dossiers vom übrigen Text abgehoben. Mit den Zusammenfassungen und Fragen soll ein Text entstehen, der ausreichend Informationen enthält, damit der/die Mitarbeitende die Prämissen-Gründe-Zusammenhänge des/der Teilnehmenden nachvollziehen kann und der/die Teilnehmende sich zugleich richtig verstanden findet.

Um einseitige Sichtweisen und Interpretationen zu vermeiden und eine gewisse Reliabilität der Auswertung zu gewährleisten, arbeiten immer zwei Mitarbeitende unabhängig voneinander an einem Dossier. Erst nach vorläufigem Abschluss dieser Arbeit bringen sie ihre Ergebnisse zusammen und korrigieren sich gegenseitig.

Das so entstandene Dossier wird dann dem/der betreffenden Teilnehmenden übergeben. Nachdem diese/r es gelesen hat, treffen sich die involvierten Mitarbeitenden mit dem/der Teilnehmenden, um das Dossier zu besprechen. Die Besprechung dient einerseits dazu, die Daten kommunikativ zu validieren, andererseits aber auch dazu, weitere Sitzungen der Selbsthilfe- und Forschungsgruppe vorzubereiten, indem Vorschläge für neue Sichtweisen auf die Probleme oder Lösungsansätze diskutiert werden, die dann thematisiert werden können.

Tatsächlich wurde die Arbeit an den Dossiers von den Teilnehmenden deutlich besser angenommen als die Ideen des Führens von Tagebüchern oder des Durcharbeitens der Transkripte. Die Teilnehmenden bringen in den Dossier-Gesprächen meistens eine ganze Reihe Korrekturen ein und setzen sich mit den Fragen der Mitarbeitenden gern auseinander. Auch sind aus dieser Arbeit wichtige Impulse für die Sitzungen der Gruppe hervorgegangen. Des Weiteren scheint die Situation der Betroffenen deutlich besser auf den Begriff gebracht zu sein, als es durch klar abgegrenzte BGMs zu diesem Zeitpunkt der Arbeit möglich gewesen wäre. Trotzdem sind zentrale Ideen der Entwicklungsfigur, etwa die Herausarbeitung der subjektiven Theorien der Teilnehmenden und ihre kritische Reflexion, die Neuerfassung der Problematik mit den subjektwissenschaftlichen Kategorien oder der Einbezug von Veränderungen in der Alltagspraxis, in den Dossiers aufgehoben. Es wird lediglich in Rechnung gestellt, dass die komplexen Lebenszusammenhänge nicht ohne Weiteres klar abgegrenzt werden können und neue BGMs nicht unmittelbar veränderte Handlungen nach sich ziehen müssen.

Mit diesen vorläufigen Ergebnissen lässt sich m. E. auch dem Einwand begegnen, dass das Desinteresse der Teilnehmenden an Tagebüchern und Transkripten auf Desinteresse am gesamten Forschungsprozess verweist, was den partizipativen Anspruch des ProSD ernstlich in Frage stellen würde. Dieser Vorbehalt ließe sich nur aufrecht erhalten, wenn unter Forschung oder zumindest Mitforschung lediglich das Schreiben und Durcharbeiten von Tagebüchern oder Dossiers verstanden würde, nicht aber die konkreten Bemühungen zur Aufschlüsselung der eigenen Lebenspraxis. Ansonsten wäre partizipative Forschung nur im akademischen Bereich oder auf extrem niedrigem Niveau denkbar. Insofern scheint die Arbeit mit den Dossiers zumindest vorläufig eine gute Lösung der Problematik zu sein.

Dabei ist natürlich festzuhalten, dass das geschilderte Vorgehen nicht in Stein gehauen ist. Es stellt vielmehr eine Möglichkeit des Arbeitens mit Teilnehmenden dar, die im Schreiben und Lesen nicht so geübt sind. Eine recht neue Teilnehmerin, die lange Zeit als Journalistin gearbeitet hat, kann natürlich viel mehr Arbeitsschritte selbst oder gemeinsam mit den Forschenden übernehmen.

Mit den bisher geschilderten Problemen hängen auch Schwierigkeiten in der Qualifikation der Teilnehmenden zu Mitforschenden zusammen. In der praktischen Arbeit hat sich gezeigt, dass eher allgemeine theoretische Ausführungen etwa über das Konzept der »Sucht« oder über Sichtweisen der Kritischen Psychologie, auch wenn sie verständlich dargelegt wurden, nicht besonders gut geeignet sind, die Kategorien der Subjektwisenschaft so zu vermitteln, dass sie benutzbar und zugleich kritisierbar werden. Allzu schnell ergaben sich abstrakte Diskussionen, die kaum noch einen Bezug zu der Situation der Betroffenen hatten. Als wesentlich fruchtbarer hat sich die Explizierung der angewandten Kategorien anhand der konkreten Aufschlüsselung von Problemen erwiesen. Dennoch bleibt eines der zentralen Probleme in der Arbeit die Differenz zwischen Teilnehmenden und Mitarbeitenden in Bildung, Wissen und der Übung in Reflexion. Eine Diskussion auf Augenhöhe ist nicht etwas, das einfach postuliert werden kann, sondern muss immer wieder aktiv hergestellt werden.

Das verweist zugleich auf die Wichtigkeit der Transparenz bei allen Interventionen oder Interpretationen von Seiten der Mitarbeitenden. Das Vorgehen der Mitarbeitenden ist ja durchaus direktiv, in einem kritischen, etwa gegen die Mystifizierung von Drogengebrauch oder die Individualisierung von Problemen gerichteten Sinne. Insofern kann ein solidarisches Verhältnis auf Augenhöhe nur unter der Maßgabe bestand haben, die Richtung, in die es geht, nicht nur transparent, sondern auch kritisierbar zu gestalten.

Dass diese Aufgabe nicht einfach durch die Offenlegung aller Prozesse erreichbar ist, sondern auch aktiver Selektion und Vorbereitung durch die Mitarbeitenden bedarf, zeigt eine andere Erfahrung, die im ProSD gemacht werden konnte, und aufgrund derer ursprüngliche Konzepte revidiert werden mussten. Zunächst ging das Projekt davon aus, dass alle Treffen der Mitarbeitenden auch den Teilnehmenden zugänglich sein sollten, um die oben erwähnte Transparenz aller Prozesse zu gewährleisten. Dieses Vorhaben stieß in dem Moment an seine Grenzen, als ein Mitarbeitender starke negative Emotionen bis hin zu Aggressionen gegenüber einem neuen Teilnehmenden verspürte. Eingedenk der Tatsache, dass der Teilnehmende zum ersten Mal an einem Treffen der Gruppe teilgenommen hatte, war es auch nicht ohne Weiteres möglich, diese Frage direkt zwischen Teilnehmendem und Mitarbeitendem zu klären. Der Mitarbeitende empfand es überdies auch nicht als besonders fair, einen Teilnehmenden mit seiner so persönlichen Meinung zu konfrontieren. An dieser Stelle spielen Erwartungen, mit denen neue Teilnehmende in die Gruppe kommen eine nicht zu unterschätzende Rolle. In einer der ersten Sitzungen ist es deshalb durchaus ein Unterschied, ob ein/e andere/r TeilnehmendeR oder ein/eine MitarbeitendeR, der/die vielleicht sogar die Moderation übernommen hat, derlei Emotionen äußert.

Da es bis dahin keinen Raum gab, in dem Mitarbeitende ohne die Teilnehmenden solche Fragen erörtern konnten, fand dann ein erstes Gespräch darüber in einem privaten, informellen Rahmen statt. In diesem Gespräch äußerte der Mitarbeitende zunächst recht unverblümt seine Reaktion auf den Teilnehmenden. Es konnte dann aber herausgearbeitet werden, dass der Aggression eine Personalisierung zugrunde lag, die daraus resultierte, dass der Mitarbeitende die konkreten Handlungen, die ihn gestört haben, etwa dass der Teilnehmende sich häufig widersprochen und dennoch jede Aussage mit einer gewissen Absolutheit dargestellt hat, nicht direkt angesprochen hat. Aus der Summe der Unzufriedenheit mit den Handlungen des Teilnehmenden hat sich dann die Personalisierung des Unbehagens entwickelt. Aufgrund dieser Reflexion konnte der Mitarbeitende in weiteren Sitzungen ganz konkret auf die Dinge eingehen, die ihn gestört haben, ohne den Teilnehmenden durch eine so unberechtigte wie falsche Personalisierung zu kränken.

Selbstverständlich ist es das Ziel, dass die ganze Gruppe Verantwortung für die Befindlichkeit neuer Teilnehmender, Krisen von Anwesenden oder der Verhinderung von Ausgrenzung einzelner übernimmt. In den bisherigen Erfahrungen hat sich aber gezeigt, dass diese Aufgabe zunächst in größerem Maße den psychologischen ExpertInnen zukommt und die gegenseitige Annäherung der ExpertInnengruppen erst noch aktiv gestaltet werden muss. Aus dieser Sonderrolle der PsychologInnen, als diejenigen, die kontinuierlicher in der Gruppe arbeiten sowie Wissen über psychologische Mechanismen wie der Personalisierung und über Erfahrung mit Gesprächsführung haben, ergibt sich dann auch die – zumindest momentane – Notwendigkeit, einen Raum zu schaffen, in der diese Verantwortung diskutiert und vorbereitet werden kann. Deshalb gibt es jetzt alle ein bis zwei Monate eine Intervision der Mitarbeitenden.

Damit ist das grundlegende Problem nur begrenzt und auch nur für eine der beiden ExpertInnengruppen gelöst. Die zentrale Aufgabe besteht weiterhin darin, eine Annäherung zu erreichen. Um den Mitforschenden eine ähnliche Möglichkeit der Reflexion über Gruppenprozesse zu ermöglichen, wurde im ProSD die Idee einer »Evaluationsgruppe« geboren, die Wege finden soll, Teilnehmende zu befähigen, die Gruppenprozesse und die Position der Mitarbeitenden besser kritisieren zu können. Potentiell können die Ergebnisse dieser Arbeit sicher viele der beschriebenen Lösungsansätze noch einmal tüchtig in Frage stellen. Nichtsdestotrotz besteht die Hoffnung, dass die Darstellung der soweit erarbeiteten Strategien dabei helfen kann, Probleme auch in anderen Projekten zu lösen oder zumindest zu erörtern.

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Endnoten:

[1]

Der Autor stellt ein Projekt vor und diskutiert es, in dem er selbst mitarbeitet. Die allermeisten der hier dargestellten Gedanken sind im Projekt entstanden und wurden hier durch den Autor nur verschriftlicht. Ohne die Arbeit von Bianca Becker, Marika Becker, Nicole Bromann, Sarah Dittel, Tristan Hellwig, Johann Herfort, David Janhuba, Sandra Jankowski, Sophie Koistinen und Sybille Schwarz wäre dieser Text nicht möglich gewesen.

[2]

Mehr Informationen unter www.sd-verein.de

[3]

Es wird hier ein fiktives Beispiel bemüht, weil es an dieser Stelle nur darum gehen kann sehr holzschnittartig die Grundzüge des Konzepts der Entwicklungsfigur zu veranschaulichen. Die Schilderung eines konkreten Falls aus dem ProSD hätte entweder den Rahmen dieses Artikels gesprengt oder hätte so zurechtgestutzt werden müssen, dass er am Ende auch nicht mehr oder weniger empirischen Gehalt gehabt hätte, als dieses fiktive Beispiel, das nichtsdestotrotz auf realen Erfahrungen im ProSD basiert.

Autorenhinweis

Christoph Vandreier

Christoph Vandreier ist Diplompsychologe und promoviert gegenwärtig an der Freien Universität Berlin zum Thema "Drogenkonsum als begründete Handlung". Er hat in verschiedenen akzeptanz- wie abstinenzorientierten Einrichtungen der Drogenhilfe gearbeitet und ist am Projekt Selbstverständigung über Drogengebrauch (ProSD.org) beteiligt. Seit 2009 ist er Vorsitzender des Subjektorientierte Drogenhilfe e.V. (sd-verein.de). Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind qualitative und partizipative Forschungsmethoden.

E-Mail: Van3er@gmx.de