Neoliberalismus (nicht nur) in Griechenland und seine Konsequenzen für die Psychologie: neue Arbeitsregime, neue PsychologInnen

Neoliberalismus (nicht nur) in Griechenland und seine Konsequenzen für die Psychologie: neue Arbeitsregime, neue PsychologInnen

Athanasios Marvakis , Sofia Triliva & Christos D. Tourtouras

Zusammenfassung

»Neoliberalismus« zielt keinesfalls nur auf ökonomische Veränderungen in einem Land ab – auch wenn die neo-liberalen, drakonischen »Strukturanpassungen« Griechenlands eine keinesfalls zu leugnende Tatsache sind. Prekarität & Austerität – als »Superwaffen« des Neoliberalismus - sind dabei nicht nur »Folgen« solcher Strukturanpassungen, sondern auch eigenständige politische Mittel hin zu einer grundlegenden Rekonfiguration unserer Vorstellungen von Gesellschaftlichkeit, die alle Aspekte der gesellschaftlichen Organisation miteinbezieht: Institutionen, Staat, Arbeit, Individuen, Bedürfnisse, Beziehungen, Rechte etc. Wie Gesellschaft aussieht bzw. auszusehen hat, wird dabei, soll von neuem konfiguriert werden.

Die neo-liberale Transformation auch der griechischen Gesellschaft bezog sich nicht nur auf die Arbeitsbedingungen (was ja mit Austerität & Prekarität gemeint sein mag); die NGOisierung der (psychologischen) Arbeit hat auch neue Arbeitsräume geschaffen, neue Arbeitsinhalte und auch neue Arbeitssubjekte. NGOisierung meint dabei nicht die Ersetzung von Öffentlichem durch Privates, sondern die Schaffung eines neuen Regimes von Beziehungen zwischen öffentlich und privat. NGOisierung charakterisiert mehr eine »Methodologie«, eine Technologie, die die Funktionen aller teilnehmenden Akteure und Konstituenten transformiert, d. h. die NGOs selbst, den Staat und die individuellen Subjekte und ihre Beziehungen etc.

Die neuen umkämpften Praxen und neuen Arbeitsregime fordern und erschaffen ihrerseits neue Subjektivitäten und neue Praxisformen. Die Arbeit in einer NGO bedeutet für eine(n) jung(en) sozialwissenschaftliche(n) AbsolventIn nicht nur prekäre Arbeit; sie beinhaltet auch Veränderungen innerhalb des psychosozialen Rahmens der Arbeit, die bezüglich der Anforderungen und Möglichkeiten für die Subjekte Ähnlichkeiten mit high-tech Arbeitsplätzen aufweisen, z. B. Anwendung von ständig aktualisiertem Wissen, aber auch kontinuierliches Lernen für und während der Arbeit; Aspekte von Forschungstätigkeit und Wissensproduktion etc. Darüber hinaus werden zunehmend auch Tätigkeiten erwartet, die lediglich zur Reproduktion des Arbeitsplatzes beitragen, wie z. B. »manageriale« Aufgaben oder Akquirierung von funds.

In einem weiteren Schritt werden wir einen historischen Sprung nach vorn machen um unsere bisherigen Reflexionen zu aktualisieren. Hierzu werden wir kurz und exemplarisch aus einer explorativen Studie mit jungen SchulpsychologInnen während der »Krise« berichten, in der die jungen KollegInnen über ihre Erfahrungen mit vielfältigen Feldern von Prekarität berichten. Hierbei kann deutlicher werden, dass und wie sich die NGOisierung der Arbeit mit ihrer kolonialen Logik auf die Gesellschaft ausbreitet.

Schüsselwörter: Neoliberalismus, Psychologie in Griechenland, NGOisierung der Arbeit, Arbeitsregime, Regime von Handlungsfähigkeit, Prekarität, Austerität, Liminalität

Summary

Neoliberalism (not only) in Greece and its repercussions in psychology: new working regimes, new psychologists

»Neoliberalism« is doing much more than transforming the »economies« of nations around the world. In fact, in Greece precarity and austerity have ensued soon after the draconian neo-liberal adjustments. Such impacts are not only articulations or outgrowths of particular policies but also tools in the imposition of a fundamental reconfiguration of our »social imagination« impacting all aspects of society’s organization: institutions, organization of labor, individuals, needs, rights, etc. The entire scheme of what and how society ought to look like has been reconfigurated from anew.

The neo-liberal transformation of Greek society has not only affected working conditions (»precarity & austerity«), but it has also created new spaces, new contents and new worker-subjects which come about through the «NGOisation” of psychological work. NGOisation should not to be construed as a substitute for the public by the private, but as the creation of a new regime of relationships between public and private. The whole process of NGOisation has to be grasped more as a »methodology« changing and transforming the functions of all of its contributors, actors, constituents; that is, the NGOs themselves, the state, and the subjects who act under its auspices.

The contested practices and the new work regimes, in turn, demand and produce new subjectivities and new forms of social practice. Working in NGOs as a young social scientist is not only precarious; it also engenders changes and transformations within psychosocial settings where the work takes place. The induced changes in the nature of the work and how it is organized is rendered similar to those of high-tech settings. This includes traditional application of cutting-edge knowledge, well-honed abilities, and reflective practice, along with a concomitant and continuous production of knowledge, and learning. Moreover, these jobs require that the young social scientists maintain their keep; in essence, bringing in funds and grants that will allow them to draw a salary. Hence, these kinds of jobs are usually accompanied by increased demands and certainly »new forms« of worker subjectivity.

In a second step we will make a historical step forward and update our previous reflections presenting findings from our explorative qualitative inquiry focusing on psychology’s influx in schools in Greece during the »crisis«. We asked young psychologists to describe their work, their responsibilities, and sense of professional identity during their short tenure in the schools. Discussion focuses on issues of austerity, professional precarity, and the nuances of how »evaluation« and »support« services are implicated and, in turn, legitimize »psychologizing« practices. By this it maybe become more clear that and how the NGOisation of labor with its colonial logic expands more and more towards society.

Keywords: Neoliberalism, Psychology in Greece, NGOisation of labour, Working regime, Regime of Agency, Precarity, Austerity, Liminality

»There is a tradition in the philosophy of science that sees the experiment not as an objective vehicle to test theories, but as a way of ›torturing‹ Nature (and Society), to use Francis Bacon’s metaphor, to produce results desired by the experimenter. In a development of this conception, Giambatista Vico noted, in an anti-Cartesian moment, that ›We only know what we make.‹ So too we are witnessing a Great Experiment in the making of a new neo­liberal humanity through the crisis. Will the neoliberal model of what it is to be a human being become definitive for the next fifty years?«

George Caffentzis (2012)

1. Zur Einleitung: Krise? Wessen Krise?

»Die Krise als Herrschaftsinstrument« (G. Agamben)

Schon seit Jahren kommen wir in den Diagnosen unserer Gesellschaften offensichtlich nicht um den Begriff der Krise herum: Von der Schuldenkrise, die seit einigen Jahren über Europa wie ein Damoklesschwert geistert, bis zuletzt die Flüchtlingskrise, die neuere und andersartige dunkle Wolken über Europa zu treiben scheint. Unser Selbstverständnis und unser Alltag scheinen ohne den Rekurs auf »die Krise« nicht auszukommen, »die Krise« scheint unabweislicher Teil unserer sozialen (Rede)Realität geworden zu sein. Trotz langer Behandlungen scheint jedoch statt der Heilung eher eine Chronifizierung des Leidens und des Redens darüber feststellbar zu sein. Das Krisen-Reden scheint also weniger medizinisch-diagnostisch als theologisch-doxastisch funktionieren zu wollen. Je mehr politischer Stillstand durch das Handeln der Eliten produziert wird, desto mehr (Er)Regung kann/soll durch das private und öffentlich-mediale Krisen-Gerede aufrechterhalten werden. Umso unschärfer das Krisen-Gerede ist, umso mehr kann es zur Lähmung unseres sozialen Vorstellungsvermögens und Engagements beitragen. Es lohnt sich hier die Worte des italienischen Philosophen Giorgio Agamben (2013) in Erinnerung zu rufen:

»›Krisis‹ bedeutete in der antiken Medizin das Urteil, wenn der Arzt im entscheidenden Augenblick merkte, ob der Kranke überleben oder sterben würde. Im heutigen Verständnis von Krise ist daraus ein Dauerzustand geworden. So wird diese Unsicherheit in die Zukunft verlängert, bis ins Unendliche. Beim Jüngsten Gericht verhält es sich genauso; das Urteil war nicht zu trennen von der vollendeten Zeit. Heute jedoch wird das Urteil von der Idee eines Beschlusses abgetrennt und immer weiter aufgeschoben. So wird die Aussicht auf eine Entscheidung immer geringer, und die unendliche Entscheidung beschließt gar nichts mehr.«

Ein solch endloser Aufschub, die Unentschlossenheit, die Agamben hier beschreibt, trägt - durch Wiederholung und Gewöhnung - seinen Teil dazu bei, der »Krise« den Status einer gesellschaftlichen Norm, einer omnipräsenten Lebensform ohne Alternative zu verleihen, mit der man sich lediglich abzufinden hat. (Auf die Wahrnehmung eines solchen vorübergehend-dauerhaften Statuses, eines solchen spannungsvollen Stagnierens - nur völlig unzureichend mit/als »Krise« charakterisierbar - werden wir im letzten Abschnitt besonders eingehen. Dieses ständige Vorübergehend, der ständige Übergang, diese sozusagen permanente Liminalität (Spyirdakis 2013) stellt bei den KollegInnen mit denen wir sprachen ein stabiles, präsentes Moment ihres Bewusstseins dar). Es ist in diesem Sinne konsequent dass Giorgio Agamben auf die herrschaftliche Funktionalität eines solchen Krisen-Geredes schlussfolgert: »Heute ist die Krise zum Herrschaftsinstrument geworden. Sie dient dazu, politische und ökonomische Entscheidungen zu legitimieren, die faktisch die Bürger enteignen und ihnen jede Entscheidungsmöglichkeit nehmen.«

Vor einem solchen diskursiven Hintergrund verwundert es nicht, dass die sog. Krise auch in Griechenland Gegenstand psycho-sozialer Forschung (geworden) ist. Die relevante sozialwissenschaftliche Literatur beinhaltet inzwischen eine gute Dokumentation der Effekte all der Maßnahmen zur »strukturellen Anpassung« (wie sie in der bürokratischen Sprache des IWF genannt werden) Griechenlands. Schon ein schneller Blick auf die für uns relevante Literatur erschliesst eine ganze Palette von Themen, mit denen die »Krise« ihren Platz eingenommen hat, beispielsweise: Subjektive Wahrnehmungen, Erfahrungen und Einstellungen der »Krise« (z. B. Chryssochoou et al. 2013; Davou/Demertzis 2013; Chalari 2014; Samatas/Drakos 2014; Kesisoglou et al. 2016); Auswirkungen auf die sozialen Folgen für die Gesellschaft und die Systeme der sozialen Versorgung (z. B. Malkoutzis 2011; Popescu 2012; Sarantinos 2012; Kondilis et al. 2013; Reeves et al. 2014; Simou/Koutsogeorgou 2014; Kioupkiolis 2014; Kyriopoulos et al. 2014); Auswirkungen auf die – auch psychische - Gesundheit (Anagnostopoulos/Soumaki 2013; Christodoulou/Christodoulou 2013; Economou et al. 2013; Efthimiou et al. 2013; Triliva et al. 2013; Zavras et al. 2013;Triliva/Georga 2014; Tsekeris et al. 2015).

Besonders erwähnenswert ist auch die - quantitativ geringere – »Forschungslinie«, die Subjekte nicht nur als »Rezeptoren«, sondern als aktiv und verändernd Tätige, als Eingreifende wahrnimmt und hierbei die ungeheure, vielfältige und selbstorganisierte Solidarität der Betroffenen thematisiert (z. B. Alexandrakis 2013; Kantzara 2014; Rakopoulos 2014; Cabot 2015; Sotiropoulos/Bourikos 2014; Marvakis/Anastasiadou 2017).

Die Krise als Chance? – »Prekarität als Herrschaftsform« (P. Bourdieu)

Ein dominierendes Merkmal der oben genannten Forschungen ist ihr deskriptiver Charakter, der die sozialen und psychologischen Folgen der Austerität (darin beschränkt sich ja größtenteils auch das vorherrschende Verständnis der Sozialwissenschaften hinsichtlich der Veränderungen (in) der Gesellschaft) vermeintlich nur neutral zu beschreiben versucht. Gerade weil die Dokumentation des Leidens einen so elementaren Ausgangspunkt darstellt, ist es besonders wichtig, seine Mächtigkeit nicht verpuffen zu lassen! Das kann allerdings - auch völlig unbeabsichtigt - geschehen, wenn der »Auftrag« von sozialwissenschaftlicher Forschung auf einer deskriptiven Ebene des »die Krise ist es« reduziert wird, die das Scheinbare für die einzig bare Münze der gesellschaftlichen Verhältnisse und Prozesse wahrnimmt. Die unkritische Übernahme und Reproduktion des »Krisen-Geredes« und die vermeintlich neutrale Dokumentation des bloßen Leidens beinhaltet die Gefahr der theoretischen »Befriedung« (Basaglia/Basaglia 1980). Die Eingängigkeit des Redens über »die Krise« und ihre Auswirkungen dokumentiert also nicht nur das große Interesse am Leiden der Subjekte, sondern lenkt auch davon ab, genauer nachzufragen, um welche und um wessen Krise es sich eigentlich handelt und wie sie vermeintlich »über uns gekommen« ist. Es ist also wichtig sich zu vergegenwärtigen, dass die Leichtfertigkeit der Benennung gesellschaftlicher Prozesse als »die Krise« gleichzeitig auch eine Ent-Nennung darstellt.

Eine Perspektivenerweiterung könnte hier eventuell Abhilfe schaffen: Durch eine Kontextualisierung der Beobachtungen in einem adäquateren gesellschaftlichen Zusammenhang würde »die Krise« ihre »Dringlichkeit« für die betroffenen Subjekte überhaupt nicht verlieren. Durch eine Kontextualisierung würde sie allerdings etwas anderes verlieren können: den Charakter eines sachzwanghaften und unaufhaltsamen Prozesses, einer womöglich unvermeidlichen Naturkatastrophe, einer bloßen Bedingung des Leidens, mit der man sich nur irgendwie arrangieren kann. Unser allzu unbedachtes Mitmachen im »Krisen-Gerede«, nur weil es so eingängig und naheliegend ist, trägt weniger zur Einsicht in unsere gesellschaftlichen Zusammenhänge und die jeweiligen Verantwortlichkeiten verschiedener Subjekte darin bei, als dass es vermeintliche aber gefährliche »emotionale Entlastungen« für unser politisches Denken und Handeln anbietet. Es lohnt sich »die Krise« nicht als bloßes Faktum wahrzunehmen, mitsamt der mitlaufenden und zutiefst unpolitischen und technokratischen Sichtweise. Gerade der Blick auf Griechenland kann deutlich machen, dass

»(v)iel von dem, was wir nur allzu gern der bloßen Faktizität »der Krise« zuschreiben, wird erst von den herrschenden Eliten hergestellt. In unserem Fall durch Unterlassungen, um dann ihre »Lösungen« als einzig mögliche erscheinen zu lassen. Erst werden alle alternativen Wege ausgeschlossen, auf dass am Schluss die neoliberale Lösung als einzige legitime, vernünftige übrig bleibt.« (Marvakis 2012, S. 11)

Der Fall Griechenlands kann deutlich werden lassen, dass das leicht dokumentierbare Leiden nicht Folge und Reaktion eines eigenartigen Naturprozesses ist, den wir »Krise« nennen (können), sondern Ergebnis politischer (Nicht)Handlungen, (Nicht)Entscheidungen von politischen Subjekten. Die »Wurst«, um die es bei der neoliberalen Transformation der griechischen Gesellschaft geht, ist die Regulation, der Zugang zum produzierten gesellschaftlichen Reichtum (Bildung, Gerechtigkeit, Arbeit, Gesundheit, Vorsorge, Kultur etc.), kurz: der Sozialstaat. (Hierzu gehören allerdings nicht nur die direkten Leistungen des Sozialstaates, sondern auch das - sehr ungerechte, weil beispielsweise klientelistische - Steuersystem als Mechanismus der distributiven innergesellschaftlichen Solidarität.) Wie wir schon an anderer Stelle (Marvakis 2012) beschrieben haben ist dieser Sozialstaat in Griechenland nicht nur sehr rudimentär ausgebildet, sondern intern auch sehr ungerecht organisiert (je nach Klasse, Geschlecht, Ethnie, Verhältnis zum Staatsapparat und der jeweiligen Regierung). Anstatt nun diesen mageren und vielschichtig ungerechten Sozialstaat aus- bzw. umzubauen, wird er insgesamt heruntergefahren – aber in seiner intern ungerechten Organisation/Struktur insgesamt beibehalten. Und das, obwohl gerade diese Ungerechtigkeit und ihre Korrektur die zentrale diskursive Waffe der neoliberalen Modernisierer (nicht nur) in Griechenland ist, um die Übernahme und Umfunktionierung des Staates zu legitimieren. Genau hierauf ist auch ein großer Teil des widersprüchlichen Konsenses in der Bevölkerung gegründet – auf die Hoffnung, dass endlich die täglichen Ungerechtigkeiten und Schikanen geringer werden.

Das neoliberale Projekt in Griechenland bedeutet allerdings keineswegs einen Rückbau des Staates. Was es nicht braucht, ist ein guter und gerechter Sozialstaat. Was es allerdings sehr wohl braucht und teuer ausbaut, ist einerseits ein Straf-Staat, andererseits ein Staat, der private Profitmöglichkeiten zu organisieren und zu garantieren hat. Eigentlich sollen all die Ungerechtigkeiten, die Begünstigungen, die bisher sozusagen »unter der Hand« reguliert werden, jetzt legitimiert und womöglich institutionalisiert werden. Das Ziel/Mittel des neoliberalen Projekts (auch) in Griechenland ist die Aufkündigung des bisherigen, historischen Klassenkompromisses und nicht der Abbau des Staates. Seit den 1970er Jahren kündigten die herrschenden Eliten den fordistisch-wohlfahrtsstaatlichen Kompromiss auf und gingen zu einer aggressiven Politik der Umverteilung von unten nach oben und des Abbaus sozialer Regulierungen über. Die europaweiten Erscheinungen und Veränderungen, die leichtfertig als »Euro-Krise« verhandelt werden stellen also ein gewollt-geplantes politisches Vehikel, ein Instrument dar (»Krise als Chance«),

»um zunächst in den Krisenstaaten eine harte neoliberale Politik zur Demontage sozialstaatlicher und gewerkschaftlicher Errungenschaften und Machtpositionen durchzusetzen. Dies geschah ohne Rücksicht auf die sozialen Folgen und unter weitgehender Missachtung gesellschaftlicher Widerstände und der Demokratie. In der neuen Economic Governance wurde eine neoliberale Ausrichtung der Wirtschaftspolitik dann für die gesamte EU festgeschrieben.« (Krämer 2015, S. 148)

Das meiste davon, was wir selbst und eventuell sehr leidvoll als »Krise« erfahren und eventuell auch so benennen, sind also weniger Geschehnisse bzw. Dysfunktionen, und mehr herrschaftliche Antworten auf (eventuell andere) »Krisen« – die dadurch eben zusätzlich unsichtbar gemacht werden. Wir leiden also weniger an irgendwelchen »Krisen«, und vielmehr erst an den herrschaftlichen Antworten auf solche. Ein angenommener Kurzschluss zwischen »Krise« und ihren (psychischen) Folgen, ginge von magischen Effekten in unseren gesellschaftlichen Verhältnissen aus und würde diese Verhältnisse und Handlungen, mitsamt den jeweils Verantwortlichen, von der Bildfläche verschwinden lassen. Wollten wir - als kritische PsychologInnen und Sozialwissenschaftlerinnen - nicht zu diesem magischen Zirkus beitragen, böte sich an, unsere Perspektive zu ändern und zu erweitern: Ausgangspunkt für unser Nachdenken und Handeln können nicht irgendwelche – vermeintliche – Staatsschulden, Mängelerscheinungen, Knappheit sein, wie sie durch das »Krisen-Gerede« letztlich unterstellt werden, um als solche Ausnahme- und Noterscheinungen lediglich und irgendwie »gemanagt« werden zu müssen. So sehr eine solche magisch-technokratische Sichtweise vielfach suggeriert wird und nahegelegt scheint! Der Ausgang für unser Nachdenken und Handeln müsste der reale und immense Reichtum sein, der in den letzten Jahrzehnten aufgrund der enorm gestiegenen Produktivität und Kreativität der Menschen geschaffen wurde und somit auch zur Verfügung steht in Form von Gegenständen und Dingen, von Dienstleistungen, Wissen, Können u. v. a. m. Was aber geschieht mit diesem Reichtum? Wo geht er hin? Das wäre die brisante Frage für uns! Und nicht etwa, wie man wirtschaftlichen und politischen Spekulanten das Geschäftsrisiko vermindert! Mit den Worten von Pierre Bourdieu können wir hier also zusammenfassen, dass die sehr leicht dokumentierbaren Austeritätsmaßnahmen, die wir als »Krise« wahrnehmen und bezeichnen keine Reaktionen, keine Versuche darstellen, irgendwelche »Dysfunktionen« eines Systems, einer Maschine wieder in Lot zu bringen, sondern gezielt und geplant als politische Mittel eingesetzt werden um »Prekarität als Herrschaftsform« (Bourdieu 1998) zu oktroyieren: »Die Prekarität ist Teil einer neuartigen Herrschaftsform, die auf der Errichtung einer zum allgemeinen Dauerzustand gewordenen Unsicherheit fußt und das Ziel hat, die Arbeitnehmer zur Unterwerfung, zur Hinnahme ihrer Ausbeutung zu zwingen.« (Bourdieu 1998, S. 100) Diese Politiken haben nichts Geringeres zum Ziel als einen gesellschaftlichen Umbau historischen Ausmaßes, mitsamt all dem, was für uns Gesellschaftlichkeit und Individualität ausmacht. Es handelt sich also um die gründliche, die neoliberale Transformation unserer Gesellschaften und nicht um Lösungen irgendwelcher »Krisen«, unter denen wir leiden. Neoliberalismus bezeichnet dabei

»nicht eine Haltung der Wirtschaft und ihrer Wissenschaft, er bezeichnet, viel umfassender, einen politisch-ökonomischen ebenso wie einen psychologisch-philosophischen Zusammenhang. Der Begriff »Neoliberalismus« ist drauf und dran, eine Epoche zu beschreiben. Eine Epoche, von der uns das Schlimmste noch bevorsteht.« (Seeßlen 2015)

2. Neoliberale Transformation der griechischen Gesellschaft und die Psychologie

Anlässe, Vorarbeiten und Kontinuitäten

Vor über zehn Jahren studierten wir für eine Präsentation auf der »International Conference on Critical Psychology« in Durban/SA die Organisation und die (Re)Produktion der psychologischen Dienstleistungen und die psychologischen Subjekte in ihren professionellen Praktiken in Griechenland (vgl. Dafermos et al. 2006). Jener Versuch damals kam ins Stocken, er schien uns sogar in eine Sackgasse zu manövrieren, wir kamen auf alle Fälle nicht sehr weit. Nach einiger Zeit des Grübelns in der Sackgasse, kamen wir zum Schluss, dass wir unter Anwendung des (auch in Griechenland) dominanten Begriffs der »Modernisierung« – in unserem Fall, der »verspäteten« bzw. »unvollständigen Modernisierung« des psycho-sozialen Praxis-Feldes – unsere Situation in Griechenland nicht befriedigend nachvollziehen können, es schlüpften ständig neuere »Dinge« durch unsere Finger, die da anfingen sich herauszubilden. Konsequenterweise verabschiedeten wir uns vom Versuch, die Prozesse im Land als verspätete Modernisierung verstehen zu wollen und gingen sogar ins »empirische Feld«. Wenige Jahre später organisierten wir auf der »International Conference in Critical Psychology« 2008 in Cardiff/GB ein Symposium mit dem Titel »Agency for what? New forms of subjectivity within the transnationalised social policy project market«,[1]auf dem wir versuchten über jene neuen Dinge, über all die neuartigen, widersprüchlichen Erfahrungen ehemaliger Psychologie Studierender und anderer PraktikerInnen in historisch sich neu herausgebildeten Arbeitsinstitutionen, die wir einige Jahre vorher nicht unter den Hut der »Modernisierung« bekamen, zu reflektieren. Das Symposium hatte zum Thema die Wahrnehmungen und Erfahrungen der jungen Sozialwissenschaftlerinnen mit der gerade laufenden Neoliberalisierung (wie wir heute sagen würden) des psycho-sozialen Dienstleistungsfeldes in Griechenland. Ein höchst umkämpftes Feld das im radikalen Umbruch war, in dem neue Arbeitsweisen und Subjektivitäten geschaffen wurden. (vgl. Triliva/Marvakis 2016)

Als wichtige Erkenntnis kristallisierte sich für uns dabei immer deutlicher heraus, diese dokumentierbaren Veränderungen als Ausdrucksmomente einer umfassenderen Transformation von Gesellschaftlichkeit zu verstehen und nicht als einzelne, eventuell tiefe Einschnitte in die vorhandene »Ordnung«. Die sich anbahnenden Veränderungen hatten historische Größenordnung, betrafen also unser historisch gewachsenes Selbstverständnis dessen, was Gesellschaft für uns ist – mitsamt den »Komponenten«, die eine Gesellschaft ausmachen. Auch die vielleicht am meisten diskutierten Momente (Prekarität & Austerität) artikulieren dabei nicht nur die ökonomische Transformation, sondern sind gleichzeitig wichtige Momente und Instrumente zur Durchsetzung einer grundlegenden Neustrukturierung unserer Vorstellungen und Praktiken, wie Gesellschaftlichkeit insgesamt organisiert werden soll: alle Institutionen, wie z. B. der Staat und seine Funktionen und »Formen«; das Individuum, seine Konstitution (»Normalität«), seine Bedürfnisse und Rechte; die Verhältnisse und Beziehungen zwischen sich konstituierenden Gruppen und Sozialformen.

All diese Elemente von Gesellschaftlichkeit werden von Grund auf trans- bzw. neu formiert. Und der weiteren Darstellung vorausgreifend können wir sagen, dass die neoliberale Transformation sich nicht nur auf die Arbeitsbedingungen auswirkt, sondern, wie wir im Folgenden näher beschreiben wollen, auch neue soziale Arbeitsräume, neue Arbeitsinhalte und neue Arbeitssubjekte erschafft. Die NGOisierung psychologischer Arbeit, wie wir diese Veränderung der Arbeitsorganisation vorschlagsweise nennen möchten, transformiert – als Methode – die Funktionen aller Beteiligten, alle Akteure, die Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) selbst, den Staat, sowie auch die Subjekte, die in ihrem Rahmen tätig sind.

Wohlgemerkt – und das kann hier gar nicht genug hervorgehoben werden: Dies waren alles »Dinge« und Veränderungen, die schon lange vor der sogenannten »Krise« in Griechenland (nicht nur) anfingen. Im Gegenteil, diese Transformationen waren sogar charakteristische Momente während des ökonomischen Booms im Griechenland der 1990er! Die Dynamik einer solchen Veränderung, d. h. der Erscheinung und Verbreitung von NGOs in Griechenland seit den 1990er fasst Huliaras (2014, S. 12; vgl. auch Frangonikolopoulos 2014) eindrücklich zusammen:

»Indeed, the sustainability of NGO activity was directly related to EU funding. … However, generous funding also created adverse incentives, blurring the distinction between profit and non-profit activities and between volunteers and professionals. Some NGOs were simply created to win bids. Consultancies presented themselves as NGOs. Many NGOs that started as voluntary associations were transformed into sub-contracting agencies. Clientelistic networks between NGOs and state agencies that managed EU funds undermined the autonomy of civil society and generated public suspicion and mistrust for their work. … As NGOs fiercely competed to win contracts for all sorts of projects, cooperation among them became difficult. Non-profits ended up accusing each other as non-reliable, useless or ›dirty‹«.

Auch wenn wir uns im Folgenden auf das Beispiel des Praxisfeldes psycho-sozialer Arbeit konzentrieren und beschränken werden, sollten wir nicht aus den Augen verlieren, dass potentiell alle gesellschaftlichen (Praxis)Felder in die neoliberale Transformation einbezogen sind/werden - auf verschiedene Weise und in unterschiedlichen Funktionen. Wir wollen deshalb hier und nur ganz knapp und beispielhaft drei Hinweise einschieben, die diese Vielfalt dokumentieren mögen:

  • Neoliberale Transformation ist selbstverständlich nicht auf NGOisierung beschränkt. In einem Aufsatz mit dem charakteristischen Titel »Rassismus als Einübung in die neoliberale Transformation der griechischen Gesellschaft« (Marvakis/Anastasiadou 2017) haben wir vorgeschlagen, die vielfältig artikulierten Rassismen in Griechenland als in ganz besonderer Weise mit der laufenden gesellschaftlichen Entwicklung verwobene Momente wahrzunehmen - zur Legitimation gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten, aber auch als eventuelle »Vorwegnahme« von zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklungen, die erstmals an bestimmten – sozial und politisch schwach gehaltenen Gruppen – »eingeübt« werden.

  • Auch können wir eine NGOisierung nicht nur im psycho-sozialen (Arbeits)Feld beobachten! Schon eine ganze Weile leisten verschiedene NGOs höchst produktive »Vermittlungsarbeit« im Prozess der neoliberalen Transformation der (griechischen) Staatlichkeit, und das im Kontext der Europäisierung bzw. der Durchsetzung einer neuen, erweiterten EU-Staatlichkeit. Die Regulation der (neuen) Einwanderung nach Griechenland seit Anfang der 1990er wird über eines von der EU geförderten (und vor allem: finanzierten) Prozesses der NGOisierung vorangetrieben. Da es keinen europäischen Sozialstaat gibt bzw. geben wird/soll, werden absolut notwendige Aufgabenbereiche, vor allem Aspekte der »sanften Regulation«, wie beispielsweise soziale Integration der MigrantInnen durch Sprachförderung, rechtliche Gleichstellung von Minderheiten etc., im Zuge eines parallel - zur wohlfahrtstaatlichen Schrumpfung - stattfindenden Prozesses des »Outsourcing« an NGOs ausgelagert (die Überlappungen zum psycho-sozialen Arbeitsfeld sind hier offensichtlich und ganz und gar nicht zufällig).

  • Unser drittes Beispiel können wir als »NGOisierung der Solidarität« bezeichnen, ein Prozess, den man am Beispiel der Flüchtlingssolidaritätsarbeit in Griechenland sozusagen »im Werden« beobachten kann. Hierbei versucht der von der Flüchtlingsbetreuung in großem Maße abwesende griechische Staat mit verschiedenen Mitteln und Argumenten (und in Kooperation mit der EU), nicht die unglaubliche, spontan geleistete Flüchtlingssolidarität tausender uneigennütziger BürgerInnen zu ersetzen bzw. zu übernehmen, sondern diese zu kontrollieren (durch »Zertifizierung«) und mithilfe von EU-Mitteln (klientelistisch?) zu »kanalisieren« – wo Solidaritätsarbeit nicht direkt angegriffen wird, wie z. B. durch die gewaltsame Räumung besetzter Häuser für die selbstorganisierte Unterbringung von Flüchtlingen innerhalb urbaner Räume. Die vielfältigen, grundlegenden und vor allem katastrophalen Konsequenzen einer solchen »NGOisierung der Solidarität« fasst Ana Clarisa Durazo Rojas (2007 - »Bewegung gegen Gewalt gegen Frauen«) in einem Beitrag für einen Kongress der feministischen Organisation »INCITE! Women of Color against Violence” sehr eindrücklich und warnend zusammen:

    «Ideologically, violence against women became more and more a behavioral, criminal, and medical phenomenon, rather than a social justice issue. When violence against women is understood this way, interventions and attempts at prevention are overly reliant on therapy and the courts - all individualized methods of intervention that fail to address and combat the social organization of violence against women. These methods are also inextricable from institutional arrangements that carry steep histories of racism like the medical industrial complex and the prison industrial complex; as a result, the re-victimization of women of color becomes more likely?« (Durazo Rojas 2007, S. 117).

NGOisierung der Arbeit: neues Arbeitsregime, neue Subjektivitäten

Einen wichtigen Baustein in der neoliberalen Transformation (nicht nur) der griechischen Gesellschaft stellt ein Prozess dar, den wir hier als NGOisierung (der Organisation) der Arbeit und der Sozialpolitik bezeichnen möchten. Dieser Prozess beinhaltet einerseits neue institutionelle Formen in der Arbeitsorganisation – das sind vor allem die Nicht-Regierungs-Organisationen (im englischen Akronym: NGOs), als sozusagen eine neue - dritte - institutionelle Säule im Feld der psycho-sozialen Dienstleistungsanbieter in Griechenland. Für unsere Diskussion viel wichtiger ist jedoch, die neue Weise, die neue Methode als NGOisierung zu bezeichnen, mit der (in unserem Feld der psycho-sozialen Dienstleistungen) die Arbeit organisiert wird. Zumal es sich um einen Prozess handelt, der nicht nur auf die NGOs selbst beschränkt bleibt, sondern auch auf andere institutionell schon vorhandene Formen der Arbeitsorganisation »ausstrahlt«. Die neue Arbeitsweise in den NGOs dient also prototypisch, als Pionier, für die neoliberalen Veränderungen im psychosozialen Arbeitsfeld (siehe hierzu auch den letzten Kapitelabschnitt). Das wichtigere ist also unserer Einschätzung nach, weniger die schiere Existenz von zig NGOs als Institutionen und Anbieter von Dienstleistungen, die mit den anderen, vorhandenen Institutionen eventuell konkurrieren, sondern vielmehr eine neue koloniale Logik, die sich hinsichtlich der Organisation der (psycho-sozialen) Arbeit erstmalig in den NGOs formiert und sich dann auch auf die schon vorhandenen institutionellen Organisationsformen der psycho-sozialen Arbeit ausbreitet. Wobei wir hier – vor dem Hintergrund Griechenlands – festhalten müssen, dass NGOs, so jung sie auch sein mögen, ältere Institutionen psycho-sozialer Arbeit keinesfalls ersetzen. Der nur rudimentär ausgebildete Sozialstaat Griechenlands macht keine vorherige »Dekonstruktion«, keinen »Abbau« sozialstaatlicher Institutionen nötig. Die neuen Institutionen (wie hier die NGOs im psycho-sozialen Feld) können ohne vorherige »Aufräumarbeiten« organisiert werden und anfangen zu wirken. Sie sind keine unmittelbaren Konkurrenten auf dem Markt der psycho-sozialen Versorgung, sondern erscheinen im Feld der Sozialpolitik als zusätzliche Dienstleister.

Um die für uns wichtigen Momente noch deutlicher hervorzuheben: die neue koloniale Logik in der Arbeitsorganisation verändert nicht nur die Rahmenbedingungen der Arbeit (Stichworte: Prekarität, Austerität), sondern zielt gleichzeitig darauf ab, auch die Inhalte der konkreten Arbeit zu transformieren, d. h. die jeweiligen Lern- oder Arbeitsgegenstände, die Arbeitsprodukte, aber auch das »Profil« der professionellen Tätigkeit, das jeweilige Berufsbild (z. B. der PsychologInnen). Es handelt sich also keinesfalls nur um eine Um-Organisation der Arbeit, die den Inhalt dieser Anwendungen belässt wie er ist, sondern um eine vollständige Transformation, die genau auch die Inhalte der jeweiligen professionellen Praktiken miteinschließt!

Die Arbeitsanforderungen an die (jetzt eventuell prekären) psycho-sozialen ArbeiterInnen beschränken sich nicht mehr nur auf die »klassischen« Fertigkeiten der Profession, wie sie sich historisch und politisch jeweils konkret konstituiert und manifestiert haben (z. B. als Diagnose, Beratung etc.). Die Erwartungen an die Profis, die üblicherweise in zeitlich begrenzten Maßnahmen bzw. Projekten beschäftigt sind, beinhalten jetzt auch kontinuierliche Aneignung von neuem Wissen und neuen Fähigkeiten, was natürlich auch kontinuierliches Lernen für und während der Arbeit voraussetzt und abfordert. Es beinhaltet auch Aspekte und Momente von Forschungstätigkeit, d. h. also die Produktion neuen Wissens während und bei der Arbeit als Teil dieser Arbeit.

Das neue Wissen, das in solchen Maßnahmen und Projekten produziert wird, hat allerdings und zuallererst der Legitimation des jeweiligen Projektes der jeweiligen Maßnahme, zu dienen, die als solche i. d. R. im Rahmen eines konkreten Programms der EU stattfindet und vom griechischen Staat vermittelt ist. Das bedeutet, dass das geforderte Wissen und Können (der Profis) primär nicht auf die Verbesserung der beruflichen Praxis oder des sozialen Feldes abzielt, in welchem es eigentlich eingesetzt, angewandt wird. Das Wissen und Können ist adressiert an die Vorgesetzten der jeweiligen Maßnahme, des jeweiligen Projekts, die letztlich auch über die Fortführung dieser Maßnahme entscheiden werden. Die Produktion von Wissen muss jetzt primär auf die soziale Reproduktion der prekär beschäftigten, lohnabhängigen, professionellen Sozialwissenschaftlerinnen abzielen und nicht auf die Verbesserung der Qualität der Arbeit und des konkreten sozialen Feldes in dem diese Arbeit ihre Anwendung findet.

Das neue Arbeitsregime beinhaltet zusätzliche Merkmale, wie leitende, »manageriale« Tätigkeiten, z. B. »Projekt Akquirierung«, die letztlich notwendige Momente einer Akquirierung von (Lohn)Arbeit darstellen. (Dieses »an Land ziehen müssen« von Projekten zur Arbeits- und Lohnbeschaffung muss allerdings – will es erfolgreich sein - auch die jeweilige »klientelistische« Logik als gesellschaftliche Rahmenbedingung mitkalkulieren.) Nimmt man zusätzlich die Finanzierungsquellen der von den NGOs durchgeführten Maßnahmen und Projekte mit in Betracht (das ist hauptsächlich die EU, weniger andere Organisationen und Stiftungen), so können wir auch feststellen, dass das neue Regime psycho-sozialer Arbeit innerhalb eines sich herausbildenden transnationalen Feldes einer europaweiten Implementierung von Sozialpolitiken realisiert wird, die allerdings nicht immer/nur nationalen sozialstaatlichen Logiken folgt. Diese – und auch weitere – Merkmale umreißen also ein neues Arbeitsregime, das sich nicht nur auf die Rahmenbedingungen der Arbeit, sondern gleichzeitig auch auf ihre genuinen Inhalte und Charakteristika ausweitet!

Solche Verschiebungen (d. h. NGOisierung, EU als Finanzierungsquelle, ein neues Verhältnis von öffentlich-privat, der griechische Staat als »Kuppler«[2]) erschaffen ein historisch neues und breites Beschäftigungsfeld für junge SozialwissenschaftlerInnen, die alles Absolventinnen universitärer Ausbildungseinrichtungen sind, die sich selbst in einem Prozess neoliberaler Transformation befinden. Wobei man allerdings im Falle von Griechenland bezüglich struktureller Veränderungen im Feld der tertiären (Aus)Bildung eher von Stagnation, denn von Veränderung sprechen muss – auch wenn man die rabiaten Budgetstreichungen für die Hochschulen sicherlich als eine politische, neoliberal beabsichtigte »Strukturanpassung« registrieren kann.

Für unsere Diskussion hier ist es wichtig, festzuhalten, dass die neoliberale Transformation sich auf alle (Tätigkeits‑)Anforderungen und (Tätigkeits‑)Möglichkeiten bezieht, die im bisherigen – fordistischen – Regime das konstituierten, was wir als besondere, konkrete Berufe, Professionen bezeichnen. Die Herausbildung neuer Anwendungsfelder und institutioneller Anbieter für psycho-soziale Interventionen und die Aufhebung der bisherigen, historisch herausgebildeten Grenzziehungen hat zur Konsequenz, dass neue Tätigkeiten in Erscheinung treten, mit neuen Arbeits- und Lerninhalten, sowie mit neuen Anforderungen und Möglichkeiten an die (professionellen) Subjekte. So können wir am Arbeitsmarkt beobachten, wie sich praktisch neue »berufliche Konstrukte« herausbilden, die nicht nur die seit über 100 Jahren dominierende Verfahrensweise einer »Qualifikation durch Spezialisierung« folgen. In den Neu-Mischungen von Arbeitserwartungen an Subjekte können wir auch eine gegenteilige Bewegung beobachten, die man als »Qualifikation durch Ent-Differenzierung«, bzw. »Ent-Spezialisierung« bezeichnen kann, in welcher sogar schon ausdifferenzierte Disziplinen und Berufe wieder »zusammengelegt« werden.

Die NGOisierte Arbeit trägt in den für uns wichtigen Feldern der psycho-sozialen Interventionen zur Erweiterung, oder, wie es in der Arbeitspsychologie heißt, zur »Bereicherung« der Arbeitsinhalte bei. Mit einem historisierenden Blick können wir sogar schlussfolgern, dass eine solche Erweiterung, eine solche Bereicherung der Arbeitsinhalte der Tatsache Rechnung trägt, dass soziale Sachverhalte und Probleme, nicht den disziplinären Differenzierungen und Fragmentierungen folgen, die die Sozialwissenschaften im historischen Prozess ihrer Konsolidierung und ihrer institutionellen Anerkennung als diskrete und verschiedene universitäre Abteilungen und/oder berufliche Stände durchgemacht haben. Die historisch geschaffenen Qualifikationen – in Form konkreter und anerkannter Berufe (z. B. PsychologIn, SozialpädagogIn, SoziologIn etc.) – stehen somit selbst zur Diskussion bzw. Disposition!

Das Argument hier ist, dass wir als Beschäftigte, als Profis, jetzt nicht einfach nur aufgefordert bzw. berufen sind, unter prekären Arbeits- und Lernbedingungen zu handeln, sondern gleichzeitig auch mit neuen Arbeits- und Lerninhalten in unserer (beruflichen) Tätigkeit konfrontiert werden. Die Verflüssigung, die Flexibilisierung des Rahmens und der Inhalte der psycho-sozialen Arbeit betrifft jedoch nicht nur die als konkrete Berufe konsolidierten Anforderungen und Möglichkeiten, sondern ist eingebettet in umfangreichere Prozesse der neoliberalen Transformation der Arbeitsorganisation und Gesellschaftlichkeit. Beispiele hierfür sind: das Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit; das Verhältnis zwischen Arbeitsraum und privaten Raum; das Verhältnis zwischen der »Ethik«, der »Haltung« eines Arbeitnehmers und die eines Arbeitgebers: Wer ist wann und wobei jeweils der »Arbeitgeber« bzw. »Arbeitnehmer« (während einer »Maßnahme«)?

3. Unbeweglich Reisende – junge PsychologInnen sprechen über ihre vielfältig prekären Verhältnisse

Die vorausgegangenen Reflektionen hatten gesellschaftliche Veränderungen in Griechenland zum empirischen Hintergrund, die lange vor dem Ausbruch der sog. Krise angebahnt wurden, fingen sie doch schon in der Hochzeit des ökonomischen Booms im Griechenland der 1990er an. Schon dieses kleine zeitliche Detail könnte eigentlich Beweis genug dafür sein, dass die neoliberale Transformation (auch) der griechischen Gesellschaft, mit ihren vermeintlichen politisch-ökonomischen Superwaffen Prekarität & Austerität, nicht ursächlich durch irgendwelche Krisen - wie z. B. eine Staatsschuldenkrise - verursacht wird, obwohl mit dem Hinweis auf solche Krisen ein gnadenloser Kahlschlag von gesellschaftlichen Solidarleistungen zu legitimieren versucht wird, um vermeintlich diese Schulden in den Griff zu kriegen – auch in Griechenland! Diese Ungleichzeitigkeit verweist uns dringlich auf die Notwendigkeit, neoliberale Politiken nicht mit Austerität beginnen und enden zu lassen und/oder mit sozialem Kahlschlag gleichzusetzten, sondern als Momente einer grundlegende(re)n Transformation unserer Gesellschaften zu konzeptualisieren. Und für einen solchen umfassende(re)n Umbau von Gesellschaftlichkeit sind (beispielsweise Staatsschulden‑)Krisen nicht die Ursache von Austerität. Es gilt vielmehr umgekehrt, dass Mittel wie Austerität & Prekarität, politische Werkzeuge darstellen, um die benötigte Legitimation für die neoliberale Strukturanpassungen in der Bevölkerung zu erpressen. Das Beispiel Griechenlands ist hierbei ein »Lehrstück« dafür, wie aus einer peripheren (Schulden)Fliege konzertiert ein europäischer (Schulden)Elefant konstruiert wurde, um einerseits den befürchteten Widerstand der Bevölkerung gegen den Kahlschlag so klein wie möglich zu halten und andererseits als »warnendes Exempel« gegen andere Länder benützt zu werden. Und diese »Geschichte« dauert ja noch an …

Diese Ungleichzeitigkeit zwischen konkreten neoliberalen Politiken und »Krisen« stellt nicht nur die dominante und ständig wiederholte Annahme in Frage, was denn jeweils die Ursache und was die Wirkung bzw. was die politischen Mittel und was die jeweiligen Probleme sind, die mit diesen Mitteln gelöst werden sollen. Darüber hinaus erzeugt sie auch einen bestimmten Druck, uns um einen Begriff solcher Politiken zu bemühen, mit dem solche neoliberale politische Werkzeuge, wie z. B. Austerität und Prekarität, nicht auf vermeintlich »Ökonomisches« beschränkt wird, sondern in ihrer umfassenderen gesellschaftlichen Einbettung rekonstruiert wird. Wenn wir uns nicht darauf beschränken wollen, Wissenschaft lediglich als Buchhaltung des gesellschaftlich Profanen weil Dominanten aufzufassen.

Für die Diskussion in diesem Kapitelabschnitt machen wir hinsichtlich der empirischen Basis, der empirischen Anschauung einen zeitlichen Sprung nach vorne, in die heutige Zeit, in der seit Jahren die vermeintlichen Lösungen für die »Krise«, diese nicht nur nicht beheben, sondern sie verlängern und sogar vertiefen. Mit diesem zeitlichen »Sprung nach vorne« möchten wir unsere bisherigen Reflexionen über die Veränderungen in der psychologischen Arbeit aktualisieren bis in die Zeit der »Krise« hinein. Basierten die Reflexionen im vorherigen Abschnitt auf die widersprüchlichen Arbeitserfahrungen von jungen PsychologInnen in für die damalige Zeit neuartigen Institutionen (den NGOs), so interessieren wir uns jetzt für die Erfahrungen junger KollegInnen als PsychologInnen in öffentlichen Schulen. Im Folgenden wollen wir sehr knapp und exemplarisch über die Ergebnisse einer explorativen, qualitativen Untersuchung sprechen: Wie nehmen die jungen KollegInnen ihre Arbeit wahr - als besondere Bedingungen und als besondere Inhalte - in ihrer zeitlich auf wenige Monate begrenzten Einstellung als SchulpsychologInnen?

Mittels der Schneeballmethode und E-Mails sprachen wir vor zwei Jahren fast 25 junge PsychologInnen an und erhielten von 15 von Ihnen ausführliche Antworten. Bei allen Angesprochenen handelte es sich um – vor ihrer Einstellung - als arbeitslos gemeldete KollegInnen, die im Jahr 2014 für einen Zeitrahmen von drei bis acht Monate als PsychologInnen in öffentlichen Schulen eingestellt wurden. Den Proportionen der PsychologieabsolventInnen nicht ungemäß waren alle TeilenehmerInnen (bis auf einen) junge Frauen. Acht von ihnen hatten einen zusätzlichen Mastertitel, aber lediglich drei von ihnen einen relevanten Abschluss in Pädagogischer oder Schul-Psychologie. Nur vier TeilnehmerInnen hatten vorherige Praktikums- oder Arbeitserfahrungen in Schulen. Ihre Einstellung erfolgte in Schulen der Primar- und Sekundarstufe, sowie auch in Schulen für »Special Education«. Die Allermeisten hatten weit mehr als nur eine Schule in ihrem Verantwortungsbereich und alle KollegInnen gaben an, nicht ganztätig eingestellt zu sein – dementsprechend war ihre Vergütung noch geringer (als sie es nach dem Kahlschlag der letztjährigen Austeritätsmaßnahmen sowieso wäre): sie gaben an für vier bis sechs Stunden täglicher Arbeit, zwischen 250-350 Euro im Monat zu erhalten. Ihre Einstellung war Bestandteil einer durch Mittel der EU hauptfinanzierten (und vom griechischen Staat vermittelten) Maßnahme, die im Rahmen des umfangreicheren »Regional Business Programs of the National Strategy for Development« stattfand, mit dem Ziel des »reinforcing social and economic cohesion and the competiveness of the Greek economy«. Die konkrete Maßnahme wurde vom griechischen Arbeitsamt als Maßnahme zur Arbeitsbeschaffung organisiert mit der zusätzlichen Voraussetzung, dass die Beschäftigung einen besonderen »öffentlichen Nutzen« beinhalten musste.

Wir können eigentlich schon an dieser Stelle mit der Diskussion der Ergebnisse beginnen, werden schließlich durch diese Rahmeninformationen zur Arbeit der jungen PsychologInnen einige Entwicklungen deutlich, auf die schon im vorherigen Kapitelabschnitt hingewiesen wurde. Die Durchführung psycho-sozialer Arbeit hat auch in diesem Fall einen neuen, trans-nationalen Rahmen, auch sie findet statt als Moment von Maßnahmen, die von der EU (hauptsächlich) bezahlt, und vom griechischen Staat vermittelt werden. Auch diese psycho-soziale Arbeit, und wie sie organisiert ist, artikuliert und unterstützt ein sich herausbildendes transnationales Feld einer europaweiten Implementierung von Sozialpolitiken. Solche Verschiebungen (wie schon genannt: NGOisierung, EU als Finanzierungsquelle, ein neues Verhältnis von öffentlich-privat, der griechische Staat als »Kuppler«) tragen zur Erschaffung eines historisch neuen und breiten Beschäftigungsfeldes für junge SozialwissenschaftlerInnen bei. Andere Charakteristika – z. B. Dauer und Entlohnung der Arbeit – weisen auf weitere Verschiebungen des Arbeitsregimes hin. Die Entlohnung und die (Anstellungs)Dauer insgesamt machen den Charakter des Vorübergehenden dieser Arbeiten mehr als deutlich. Denn es ist nur äußerst schwer, wenn überhaupt, sich solche Arbeitszeiten und Entlohnungen, anders als nur vorübergehend vorzustellen, die allerdings auf Dauer nur mit der Berücksichtigung zusätzlicher Nützlichkeiten und Ressourcen überhaupt leistbar sind. Nur unter dem Druck, bescheinigte Praxiserfahrung sammeln zu müssen (die für weitere, spätere Beschäftigungsmöglichkeiten ja von elementarer Bedeutung sein wird), oder als teilbezahlter Abschnitt einer nie endenden Ausbildung kann man solche Arbeit überhaupt durchhalten. Vorausgesetzt natürlich, dass man über zusätzliche Ressourcen zur sozialen Reproduktion verfügt. Wir können also schon hier als Ergebnis festhalten, dass die koloniale Logik einer neuen Arbeitsorganisation von der im vorherigen Kapitelabschnitt im Zusammenhang mit der NGOsierung der psycho-sozialen Arbeit die Rede war, auch vor anderen institutionellen Arbeitsfeldern und -zusammenhängen keinen Halt macht: Unsere PsychologInnen hier sind zwar vom Staat (übers Arbeitsamt) angestellt und ihr Arbeitsort sind öffentliche Schulen. Nichtsdestotrotz sind sowohl ihre Arbeitsbedingungen, wie auch ihre Arbeitsinhalte vielfältig prekär (dazu mehr weiter unten).

Wir stellten den jungen KollegInnen eine ganze Reihe von Fragen zu verschiedenen thematischen Feldern (auch wenn wir im Folgenden nur exemplarisch auf einzelne wenige Aspekte eingehen können) und erhielten auch ausführliche Antworten dazu. Wir baten sie ihre Rolle(n), Funktion(en) und Zuständigkeitsbereich(e) zu beschreiben; wie würden sie die »Wirkung« ihrer Arbeit auf die Kinder, Lehrer und die Schule einschätzen, aber auch auf sich selbst und ihre professionelle »Identität«? Mit welchen Problemen waren sie konfrontiert – organisatorisch und inhaltlich? Wir baten sie zu überlegen, ob und inwiefern ihre ausgefüllte Funktionen in der Schule, die Rolle der Psychologin, des Psychologen überschritten sowie darüber, ob und inwiefern die PsychologInnen in einer solchen pädagogischen Institution, diskrete Grenzen ziehen können zu den anderen KollegInnen, z. B. den LehrerInnen.

Wir unterzogen die i. d. R. ausführlichen schriftlichen Interviewprotokolle einer Reihe systematischer Lektüren. Jedes Protokoll wurde von mindestens zwei von uns analysiert und kodiert, mit dem Ziel in den fluktuierenden und variablen schriftlichen Aussagen ordnende Themen zu entdecken und deutlich zu machen. Wir suchten also vermittels einer solchen Diskursanalyse in unseren Daten nach »thematischen Bündeln«, nach »underlying systems of meaning« (Taylor/Ussher 2001, S. 297), die uns Hinweise darauf liefern können, wie die Subjekte in und durch die Arbeit ihre sozialen Verhältnisse wahrnehmen und sich auf diese beziehen.

Im Folgenden möchten wir – wie schon erwähnt: nur sehr knapp und exemplarisch - auf einige für unsere Diskussion der NGOisierung der Arbeit als Methode, als koloniale Logik, wichtige Ergebnisse hinweisen (und sie mit den Worten der KollegInnen veranschaulichen). Verbindendes Moment und wiederkehrendes Motiv in den Schilderungen der KollegInnen scheint die Erfahrung einer vielgestaltigen Prekarität in ihrer professionellen Praxis zu sein, die sich in ihrer Arbeit in vielen Feldern breit ausgefächert hat. »Prekarität« ist, wie wir weiter oben hinwiesen, keinesfalls auf vermeintlich »Ökonomisches« beschränkt bzw. beschränkbar.

Als erstes prekäres Feld könnten wir die Verunsicherungen nennen, die sich in dem Gefühl, in der Einschätzung manifestieren, nur ungenügend ausgebildet und vorbereitet zu sein, damit auch nur über unzureichende Kompetenz zu verfügen in und für die(se) Arbeit. Dieses Gefühl des Ungenügens unterstützt – wie es auch selbst durch diese verstärkt wird – eine allgemeinere existentielle Sorge und Verletzlichkeit.

»First of all, the lack of experience and knowledge were sources of anxiety and insecurity… I do not think that I have the competence to perform the tasks required, although I am considered ›competent‹, since by merely having been granted an undergraduate degree in psychology I concomitantly was licensed to practice the profession. … I was really hard pressed and found things very difficult, especially with the cases that involved courts and prosecutors, social services and where I had to write reports and evaluations and I did not know how…« (Z., hatte vorausgegangene Praktikumserfahrung in einer Schule – unsere Übersetzung).

Um diese elementar-verunsichernde Erfahrung einer ungenügenden Kompetenz leichter nachvollziehen zu können, ist es hilfreich sich kurz den Hintergrund der psychologischen Ausbildung in Griechenland in Erinnerung zu rufen (vgl. z. B. Dafermos et al. 2006). Wie schon weiter oben erwähnt hat Griechenland die Implementierung eines »ordentlichen« fordistischen psychologischen Regimes, in dem die psycho-sozialen Dienstleistungen organisiert und sozusagen »geliefert« wurden, fast gänzlich umgangen. Alles »Gute« begann hier erst 1993, als die Markt-Tore geöffnet wurden und Studierende schon nach einem vierjährigen, nicht weiter spezialisierten, Studium mit nur sehr mageren Praktika die generelle Erlaubnis erhielten, in die psychologische Praxis gehen zu können. Ohne dass sich seither jemand ernsthaft die Frage stellt(e): Welche (Art von) Praxis und von wem? Hierzu gab und gibt es immer noch keinen ernsthaften (öffentlichen, gesellschaftlichen) Dialog! Und so konnte sich jede(r) nach nur einem solchen vierjährigen und (wie allgemein üblich) sehr verschultem Studium PsychologIn nennen und entsprechende Dienste anbieten: PatientInnen empfangen und Therapien durchführen, Evaluationen vornehmen, allerlei psychometrische Werkzeuge anwenden, oder eben andere psychologische Dienste, die der Markt akzeptierte. Einige scheuen sich davor, ihre Dienste als Therapie zu bezeichnen, bevor sie nicht an irgendwelchen zusätzlichen Trainingsmaßnahmen teilgenommen haben, die in den letzten Jahren überall im Land wie Pilze aus dem Boden schießen. Für die Anstellung der jungen KollegInnen, mit denen wir sprachen, war vom Arbeitsamt neben dem Studienabschluss lediglich die Registrierung als Arbeitslose(r) gefragt, um sich bewerben zu können.

Ein zweites, wiederkehrendes Motiv in den Erfahrungen der jungen KollegInnen hat mit der vielfältig prekären Arbeitsorganisation der »Maßnahme« zu tun. Dies drückt sich beispielswiese aus in der Unklarheit der Arbeitsabläufe und Aufgabenverteilung, in der Improvisiertheit bzw. Schlampigkeit der Organisation (bei der es scheinbar eher darum geht, europäische Mittel abzuschöpfen, als die Qualität und Effektivität der Arbeit zu gewährleisten) oder aber in der fehlenden Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Institutionen. Solche Charakteristika der Arbeitsorganisation ergänzen und verstärken sicherlich die schon vorhandene Verunsicherung und das Gefühl des Ungenügens für die Arbeit aufgrund der mangelhaften Vorbereitung/Ausbildung.

»… It was not obvious what our roles were, were we have an advisory/consultative role, a therapeutic one or a diagnostic/assessment one, therefore our role was not made explicit and there was ambiguity. Lastly, I must report that when we arrived in the schools the principals did not know that we were placed there, the educators had no idea what we were doing there and parents thought we were conducting research and were tabulating data…« (A., ohne vorherige Erfahrung in Schulen)

Als drittes Motiv in den Schilderungen der jungen KollegInnen möchten wir auf eine Umgangsweise mit den gerade vorher beschriebenen vielfältigen Verunsicherungen hinweisen. Es ist weniger verwunderlich als naheliegend, dass die Unklarheiten in der Arbeitsorganisation, den Arbeitsabläufen und Zuständigkeiten sowie der mangelnde Austausch am Arbeitsplatz »Schule« die Konkurrenzförmigkeit zwischen den Beteiligten, insbesondere zwischen den beteiligten Profis (LehrerInnen und PsychologInnen) eher fördert als zu seiner Auflösung beiträgt. Aus den Schilderungen können wir auf »Territorialkämpfe« zwischen den Profis schließen, als Artikulation der und Umgangsweise mit dieser organisatorischen Prekarität. Die vielfältige Prekarität in ihrer vorübergehenden und unklaren Position macht es anscheinend für die befragten PsychologInnen plausibel, sich von den Lehrerinnen, die, verglichen mit ihnen, eine deutlich klarere und gesichertere Position in der Schule bekleiden, abzugrenzen: »(...) Educators consider themselves experts/specialists and they do not leave much room for psychologists...There are a lot of taboos in schools, teachers are very authoritarian and are not open to psychologists.” (S., mit vorheriger Erfahrung in der Schule)

Für die PsychologInnen – sozusagen zurückgeworfen auf sich selbst – erscheint es naheliegend und hilfreich, sich hinter einem disziplinären Dünkel über die vermeintliche »Höherwertigkeit« der Psychologie als »Wissenschaft« zu verbarrikadieren, die besser in der Lage ist, Probleme z. B. von Kindern zu erfassen und zu behandeln: »Psychology, if we take a more spherically/comprehensively, does not have distinct limits, its limits are not distinguishable and this is the beauty of this science. It penetrates and pervades everything.” (S., mit Weiterbildung in «Stress and Coping Interventions”, keine vorherige Erfahrung in der Schule)

Zu einer solchen sozusagen defensiv-aggressiven Haltung bzw. Umgangsweise, die vorhandene Abgrenzungen und Unsicherheiten keinesfalls aufhebt, gehört auch eine Art psychologischer Usurpation, Kolonisierung des gesamten sozialen Arbeitsfeldes, die auch eine Artikulation der Psychologisierung gesellschaftlicher Sachverhalte darstellt:

»Of course! It is in the hands of the psychologist to set limits to all involved in the educational process. This limit setting is often a trap and a great difficulty that psychologists confront… I think that pedagogy / education is at one level and psychology is at a meta-level, offering feedback and reinforcing educators in their roles.« (E., mit vorheriger Erfahrung in der Schule).

Es ist allerdings selbstverständlich, dass einzelne KollegInnen versuchten die erfahrene, vielfältige Prekarität in der konkreten Arbeit in einem größeren Kontext zu stellen und dabei auch über die eigene Funktion reflektierten:

«…there was no plan or organization or any briefing and this had ramifications even for those of us hired - we had no idea what our role was, the community did not know and naturally because we were uninformed and did not know and because we did not have the appropriate training and had no experience it was likely that we could be dangers for the children without even intending to do harm and we all worked autonomously and using his own judgment and trying to do what he thought was right in his interventions. Naturally, it is obvious that every person had to set his own limits in order to protect himself and the profession.« (A., Master in Schulpsychologie, vorherige Erfahrung in Schule)

Möchte man die Ergebnisse aus dieser explorativen Studie über die vielfältig prekären Arbeitserfahrungen junger PsychologInnen zusammenfassend verdichten, dann drängt sich für uns der Begriff der »Liminalität« von Victor Turner auf, den der griechische Anthropologe Manos Spyridakis (Spyridakis 2013) in seiner Arbeit »The liminal worker« aufgreift und erweitert. Artikulieren sich für Turner in der »Liminalität« Bewegungsmomente eines Übergangs von einem Zustand zu einem nächsten im Rahmen von kulturellen Ritualen, weist Spyridakis besonders auf die verschiedenen sozialen Positionierungen hin, die eingenommen werden. Es ist also weniger eine Reise zwischen »Kulturen« bzw. kulturellen Positionen und mehr eine zwischen sozialen Positionierungen. Spyridakis versucht mithilfe dieses Begriffs neu darüber nachzudenken, wie ArbeiterInnen in und mit den »Schwellenzuständen« subjektiv umgehen zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit, zwischen Sicherheit und Verunsicherung, zwischen dem Gefühl der persönlichen Produktivität und dem »Arbeits-« also »Produktivitätentzugs«. Spyridakis interessiert sich dafür, wie die ArbeiterInnen in ihrer prekären Landschaft, die für sie alles andere als Stabilität beinhaltet, navigieren und sich abstimmen/arrangieren.

Vor dem Hintergrund unserer Ergebnisse können wir Spyridakis‘ Ausführungen sogar noch weiter zuspitzen. In den Erfahrungen unserer jungen KollegInnen beinhaltet die »Transition« letztlich keinerlei »Überschreitung«. Die Bewegung der Subjekte, die Übergänge in und durch ihr mühsames Handeln beinhalten eigentlich kein Versprechen, keinen »Fort-Schritt«, keine Passage hin zu etwas »Besseres« – und wenn es auch nur in einem essentialistisch-normativen Rahmen ist, wie er bei Turner noch als Partizipation an Übergansriten gemeint ist. Der Schwellenzustand, die Liminalität verspricht für unsere junge KollegInnen nichts mehr als eine mühevolle, dynamische Stagnation, einen mühsamen bewegten Stillstand, eine Instabilität mitsamt der vielfältigen Verunsicherungen (denn was anderes bezeichnet Prekarität letztlich?) als Dauerzustand. Diese subjektive Erfahrung soll mit der Formulierung des »unbewegt Reisenden« im Titel dieses Abschnitts zum Ausdruck gebracht werden. Und genau diese dynamische Stagnation, diese als »Krise« entnannte Situation des Hingehalten-Werdens in einer »Krise«, bringt uns zum Anfang unserer Diskussion und zu Giorgio Agambens Hinweis auf die Krise als Herrschaftsinstrument.

4. Instrumentalisierung von Subjektivität – Neue Regime von Handlungsfähigkeit

Als Teil der neoliberalen Transformation unserer Gesellschaften bilden sich in vielen Ländern Europas neue Arbeitsregime heraus in und durch die Implementierung neuer transnationaler Sozialpolitiken. In Gesellschaften wie Griechenland, mit einem historisch nur rudimentären und ziemlich undifferenzierten (und ungerechten) Sozialstaat, stellen hunderte NGOs, mit den prekären Jobs, die sie üblicherweise anbieten, einen neuartigen und sehr wichtigen Hebel in diesen Implementierungen dar, deren koloniale Logik auf die Gesellschaft insgesamt ausstrahlt. Das Angebot solcher prekärer Jobs wird allerdings begleitet von »reicheren« Arbeitsmöglichkeiten und -Erwartungen. Diese »Anreicherung« der Arbeit kann allerdings unter derartigen und ungesicherten Arbeitsbedingungen letztlich nur sehr schwer auch als »Bereicherung« der Arbeit subjektiv erfahren werden. Es ist demnach kein Wunder, dass die Veränderungen von den Subjekten zunächst und eventuell nur als Abforderung wahrgenommen werden, unter verschlechterten Bedingungen letztlich noch mehr leisten zu müssen.

Diese umkämpften Praktiken und die neuen Arbeitsregime erfordern und erschaffen gleichzeitig neue Formen von sozialen Praxen und neue Subjektivitäten. Die NGOisierung der Arbeit und ihre koloniale Logik stellt keinesfalls eine griechische Besonderheit dar, sie ist vielmehr Gemeinsamkeit vieler Länder/Regionen, die eine neoliberale Transformation durchmachen - auch wenn diese neoliberale Transformation in verschiedenen Gesellschaften auf sehr verschiedene Weise durchgeführt wird! Die Unterschiede hängen dabei von den historischen, institutionellen Voraussetzungen in den jeweiligen Gesellschaften ab im Rahmen der internationalen Dynamik des Kapitalismus, z. B. dem jeweiligen Ausbau und der Differenzierung der sozialstaatlichen Institutionen, die erst »abgebaut« werden müssen, bevor neue Institutionalisierungen ihren Platz einnehmen können - eine »Dekonstruktion«, die in Gesellschaften wie der griechischen nicht nötig ist. (vgl. z. B. Triliva/Marvakis 2007)

Vor einem solchen Hintergrund stellt sich eine wichtige Aufgabe für kritische Psychologie/Sozialwissenschaft darin, einerseits die jeweils verschiedenen Weisen zu rekonstruieren, mit denen die Subjektivität der Subalternen auf neue Weisen zu instrumentalisieren versucht wird durch die vielköpfigen Machtzentren, die zwar vordergründig fragmentiert erscheinen mögen, letztlich aber sehr effizient Macht an verschiedene und verschiedenartige Agenten des sozialen Status Quo verteilen. Will kritische Psychologie/Sozialwissenschaft nicht nur zum Lamentieren und damit letztlich zum sich Abfinden und Anpassen beitragen, hat sie hier nicht nur die erweiterte Kolonisierung von Subjektivität zu rekonstruieren. Sie hat die zusätzliche Aufgabe, neue Regime von Handlungsfähigkeit zu entdecken, zu rekonstruieren und auf den Begriff zu bringen, um damit zur »Aufklärung« und zur Emanzipation der Subjekte beitragen zu können. Es kann kritischer Psychologie/Sozialwissenschaft dabei nicht nur darum gehen, die Entdeckung und Instrumentalisierung bzw. »Landnahme« weiterer »Hinterhöfe« von Subjektivität zu kritisieren; sie muss vielmehr die reale Dialektik zu rekonstruieren versuchen zwischen der Ausbeutung von mehr (Momenten, Aspekten, Möglichkeiten, … von) Subjektivität im Rahmen der neoliberalen Transformation unserer Gesellschaften, die aber ohne die notwendige, die gleichzeitige Anerkennung und auch Realisierung eben solcher »Hinterhöfe« nicht zu haben ist!

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Endnoten:

[1]

Vieles von dem, was im folgenden Kapitelabschnitt formuliert wird ist eine Art Metaanalyse der Diskussionen in dieser Kooperation. Es ist also wichtig zumindest die Teilnehmerinnen zu benennen: Fanis Dedes, Athanasios Marvakis, Dimitris Parsanoglou, Stavros Psaroudakis, Sofia Triliva and Giouli Tsirtoglou (vgl. Triliva 2008; Parsanoglou 2008; Psaroudakis 2008; Dedes/Tsirtoglou 2008).

[2]

Wobei die Tätigkeit des Staates nicht auf die eines »Vermittlers«, eines »Kupplers« zwischen nationalem Projekt und europäischer Finanzierungsquelle beschränkt bleibt; der Staat wirkt auch als »certificatory instance« aller involvierter Subjekte - sowohl der Profis, die die konkreten Dienstleistungen in den NGOs anbieten, wie auch der »Nutznießer«, der »beneficiaries« für solche psycho-sozialen Dienstleistungen.

Über die AutorInnen

Athanasios Marvakis

Athanasios Marvakis is Professor in Clinical Social Psychology at the School of Primary Education at Aristotle University of Thessaloniki/Greece. Since 1990 he has conducted research and taught in Germany, Latvia, Netherlands, Austria, Croatia, Greece, United Kingdom, Austria, Turkey, South Africa, Luxemburg, China, Canada, Denmark, Mexico, Brazil and Chile. His interests revolve around psychology and its relations with the various forms of social inequalities and social exclusion (e. g., racism, nationalism, ethnicism, multiculturalism). In the last years he is engaged in the critical psychology of learning, the ‘schooling-complex’ and the neoliberalisation of the psychological regime.

Athanasios Marvakis Department of Primary Education University Campus - Building »Tower« Aristotle University of Thessalonica Thessalonica, Greece

E-Mail: marvakis@eled.auth.gr

Sofia Triliva

Sofia Triliva is Associate Professor in Clinical Psychology in the Department of Psychology of the University of Crete. Her interests revolve around Community psychology, Identity, youth's lives and community transformation.

Department of Psychology, University Campus at Gallos, University of Crete, Rethymno, Greece

E-Mail: triliva@uoc.gr

Christos D. Tourtouras

Christos D. Tourtouras serves as an Assistant Professor of Pedagogy in the School of Primary Education of the Aristotle University of Thessaloniki/Greece. The phenomena of «school failure” and «social and educational exclusion” (causes and factors) as well as the Intercultural and Anti-racist Education are the main fields of his scientific interests.

Christos D. Tourtouras Department of Primary Education University Campus - Building »Tower« Aristotle University of Thessalonica Thessalonica, Greece

E-Mail: htourt@eled.auth.gr