Biografischer Stillstand

Zur Zeiterfahrung von Armutsbetroffenen aus sozial-phänomenologischer Perspektive

Autor/innen

  • Franz Erhard

DOI:

https://doi.org/10.30820/0942-2285-2026-1-31

Schlagworte:

subjektive Armut, Zeit, Biografie, Lebenslauf, Sozialphänomenologie

Abstract

Der Beitrag geht der Frage nach, wie sich bei Armutsbetroffenen die zeitliche Struktur subjektiver Erfahrung verändert. Auf Grundlage sozial-phänomenologischer und biografietheoretischer Ansätze wird gezeigt, dass Armut den Zerfall von überaus relevanten Strukturmustern der subjektiven Zeiterfahrung mit sich bringen kann. Anhand narrativer Fallanalysen wird verdeutlicht, dass Betroffene mitunter Schwierigkeiten haben, ihr Leben als fortschreitende Geschichte zu verstehen und zu erzählen. Der Verlust biografischer Artikulationsfähigkeit führt zu einer Wahrnehmung von Stillstand des eigenen Lebens und verweist somit auf die Erosion biografischer Sinnbildung. Damit wird deutlich, dass Zeit und Biografie zentrale Vermittlungsformen zwischen sozialer Struktur und subjektiver Erfahrung darstellen. Methodologisch verbindet der Beitrag phänomenologische Zeitanalyse mit rekonstruktiver Biografieforschung und leistet so einen Beitrag zur Erforschung der Subjektivierung sozialer Ungleichheit.

Autor/innen-Biografie

Franz Erhard

Franz Erhard, Dr. phil., ist Soziologe an der Universität Siegen (Deutschland), Seminar für Sozialwissenschaften. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Gesellschaftstransformation und Soziale Innovation, Armut und Wohlfahrt sowie qualitative Methoden. Er studierte Kulturwissenschaften in Leipzig und Rom.
34144

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Zitationsvorschlag

Erhard, Franz. 2026. „Biografischer Stillstand: Zur Zeiterfahrung Von Armutsbetroffenen Aus Sozial-phänomenologischer Perspektive“. Journal für Psychologie 34 (1):31-50. https://doi.org/10.30820/0942-2285-2026-1-31.