Geisteswissenschaften und Psychologie, zwei mögliche akademische Partner? Plädoyer für eine methodische Erforschung des geisteswissenschaftlichen Selbstverständnisses

Autor/innen

  • Harald Weilnböck

Schlagworte:

Trans-philologische Interdisziplinarität, Geisteswissenschaften-Debatten, Texttheorie versus Handlungstheorie, Literaturpsychologie, qualitative Institutionenforschung

Abstract

Entgegen vielfältiger Lippenbekenntnisse sind die akademisch verfassten Geisteswissenschaften derzeit weder in der Lage noch wirklich Willens, eine auch trans-philologische Interdisziplinarität z.B. mit handlungstheoretischen und psychologischen Fächern zu beschreiten. Wirkungsmächtige institutionelle Topoi der »ästhetischen Autonomie«, der »Unerklärlichkeit der Kunst« oder auch die Tabuisierung von psychologischer Figurenanalyse stehen dem entgegen. Allemal werden psychologische Begriffe quasi-religiös umgebogen, auf dass »das psychische Trauma«, weil ihm ontologische »Wahrheit« innewohnt, »unheilbar« und »dem Gedächtnis unzugänglich« bleiben müsse. Philologische Gutachten halten »innerpsychische Prozesse« für prinzipiell unerforschlich und sehen in Anträgen der psychologischen Literaturforschung den »speziellen Kunstcharakter der Werke« und das »geisteswissenschaftliche Deutungsmonopol« verletzt. Redundante Geisteswissenschaften-Debatten liebäugeln exotistisch mit den methodologisch inkommensurablen Naturwissenschaften oder verweisen auf konjunkturelle Spezialinteressen von »Medien-Kulturwissenschaften«, »Postkolonialismus«, »Hypertextualität« etc. – so auch das Bundesministerium im »Jahr der Geisteswissenschaften« (2007). Mittlerweile ist die Literaturpsychologie in den akademischen Philologien beinahe ausgestorben, und die zukunftsweisende Wissenschaftspolitik der EU bleibt im Deutschland der Re-Philologisierung noch weitgehend wirkungsschwach. Der Autor plädiert deshalb für die systematische organisationsanalytische Erforschung des Selbst-, Gegenstands- und Methodenverständnisses der Geisteswissenschaften mittels qualitativ-empirischer Verfahren.

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Veröffentlicht

22.02.2012

Zitationsvorschlag

Weilnböck, H. (2012). Geisteswissenschaften und Psychologie, zwei mögliche akademische Partner? Plädoyer für eine methodische Erforschung des geisteswissenschaftlichen Selbstverständnisses. Journal für Psychologie, 15(3). Abgerufen von https://journal-fuer-psychologie.de/article/view/184

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