Selbstoptimierung und Enhancement

Autor/innen

  • Oswald Balandis
  • Jürgen Straub

DOI:

https://doi.org/10.30820/8247.09

Schlagworte:

Optimierung, Enhancement, Selbst, Körper, Cyborg

Abstract

Das Bemühen, sich und seine Welt zu verbessern, ist anthropologisch-universal. Gleichwohl sind bestimmte Praxen der (unentwegten) Selbstoptimierung und des Enhancements historische und soziokulturelle Besonderheiten, die ebenso besondere Subjekte mit spezifischen Begehren, Bedürfnissen und Bemühungen hervorbringen. Der Übersichtsbeitrag eröffnet nach detaillierten Begriffsbestimmungen einige kritische Einsichten in exemplarische Praxis- und Forschungsfelder, in denen die (teils technisch vermittelte) Optimierung des Selbst im Zentrum steht. Dazu zählen Ernährung, Fitness und Gesundheit, Schönheit, Sexualität und Schlaf, alle möglichen physischen und kognitiven Leistungen, emotionale Fähigkeiten und soziale Kompetenzen (die in psychotherapeutischen beziehungsweise psychotechnischen Behandlungen sowie verwandten Beratungen, Trainings und Coachings fokussiert werden). Das zeitgenössische Optimierungsbegehren begnügt sich nicht mit bloßen Verbesserungen des Althergebrachten. In trans- oder posthumanistischer Zeit tritt es transgressiv auf und zielt – sei es in technomanischen Entwürfen, sei es in feministischer Perspektive – auf die Cyborgisierung des menschlichen Organismus und die Abschaffung des »antiquierten Menschen«. Selbstoptimierungen reichen mithin von traditionellen Selbstformungen und psychotechnischen Manipulationen über pharmakologische und chirurgische Modifikationen sowie prothetische Ergänzungen und Erweiterungen bis zur gehirnphysiologisch installierten Steuerung des Menschen und schließlich seiner genetischen Transformation in einer ›positiven Eugenik‹ und ›neuen Evolution‹.

Autor/innen-Biografien

Oswald Balandis

Oswald Balandis, M.A., Jg. 1990, promoviert zu technisch vermittelter Subjektivierung und Praktiken der Selbstoptimierung. Seit 2016 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Sozialtheorie an der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum.

Jürgen Straub

Jürgen Straub, Prof. Dr. phil., Dipl.-Psych., Jg. 1958, Promotion 1989, Habilitation 1995; 1994–95 Fellow am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld,1999–2002 Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen, 2010 MERCUR-Fellowship (Stiftung Mercator), 2016–17 Distinguished Robert Bellah-Fellowship (der Max-Planck-Gesellschaft) am Max Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt. 2015 erhielt er den Ernst-Eduard-Boesch-Preis für Kulturpsychologie der Gesellschaft für Kulturpsychologie in Salzburg, 2017 den Höffmann-Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz der Universität Vechta. Er ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Sozialtheorie und Sozialpsychologie in der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, von 2010 bis 2013 war er Dekan ebendort; seit 2015 ist er Kodirektor (mit Pradeep Chakkarath) des Hans Kilian und Lotte Köhler-Centrums für sozial- und kulturwissenschaftliche Psychologie und historische Anthropologie (KKC).

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Veröffentlicht

24.07.2018

Zitationsvorschlag

Balandis, O., & Straub, J. (2018). Selbstoptimierung und Enhancement. Journal für Psychologie, 26(1), 131–155. https://doi.org/10.30820/8247.09