Ein Essay über Wertschätzung und Double-bind: Operative Führungskräfte als ModeratorInnen von pathogener Firmenpolitk oder Paradoxie als Unternehmenskommunikationsmuster?

Autor/innen

  • Harald Stummer
  • Elisabeth Nöhammer
  • Claudia Schusterschitz

Schlagworte:

Führung, double-bind, Gesundheit, Wertschätzung

Abstract

Anerkennung der MitarbeiterInnen, Wertschätzung und verwandte Schlagwörter zieren die Leitbilder vieler Unternehmen im deutschsprachigen Raum. Fast jede Führungskraft stimmt – zumindest bei offiziellen Anlässen – Carl Rogers (1983) Ziel der unbedingten Wertschätzung der Person formell zu. Informell jedoch sprechen die Befunde für Wirtschaftsorganisationen eine andere Sprache und weisen auf eine Abnahme innerbetrieblicher Wertschätzung und unterstützenden Verhaltens hin (Stummer 2007). Doch welche Auswirkung hat fehlende Wertschätzung? Oder eine Nicht-Wertschätzung durch die Unternehmensleitung?Ausgehend von einer multi-methodischen Fallstudie in einem Industriebetrieb mit etwa 3000 MitarbeiterInnen im Metall- und Maschinenbaubetrieb diskutiert folgender Beitrag (1) den Zusammenhang zwischen der wahrgenommenen Wertschätzung durch die Unternehmensleitung, (2) dem subjektiven Wohlbefinden, (3) dem individuellen Krankenstandsverhalten und (4) der puffernde Wirkung wie auch (5) den Direkteffekt der Unterstützung durch unmittelbare Vorgesetzte.Im vorliegenden Fall herrscht eine offene Nicht-Wertschätzung durch die Unternehmensleitung, die auch von annähernd allen MitarbeiterInnen so wahrgenommen wird. Die Intensität des Kontaktes mit der unmittelbaren Führungskraft (Werksmeister) beeinflusst dabei die subjektiven Gesundheits- und Krankheitsdefinitionen der einzelnen ArbeiterInnen und führt zu einem stark unterschiedlichen Krankenstandverhalten. Wie dieser Sachverhalt zu bewerten ist, ist allerdings fraglich. MitarbeiterInnen mit sehr viel Kontakt zum unmittelbaren Vorgesetzten tendieren zu Präsenteismus, während solche mit wenig Kontakt tendenziell früher und bereits bei leichteren Symptomen in einen Krankenstand gehen. Puffert der »signifikant Andere«, sprich die unmittelbare Führungskraft, die fehlende Wertschätzung, oder wird eine »Double-bind« Situation im Sinne von Bateson erzeugt (Bateson, Jackson, Haley,Weakland 1962)? Handelt es sich daher kommunikationstheoretisch betrachtet nicht nur um eine Trivialisierung des Menschen (von Förster 2005), sondern sogar um eine Paradoxie, die in den Verhaltensmustern schizophrene Symptome aufweist?

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Veröffentlicht

22.02.2012

Zitationsvorschlag

Stummer, H., Nöhammer, E., & Schusterschitz, C. (2012). Ein Essay über Wertschätzung und Double-bind: Operative Führungskräfte als ModeratorInnen von pathogener Firmenpolitk oder Paradoxie als Unternehmenskommunikationsmuster?. Journal für Psychologie, 18(2). Abgerufen von https://journal-fuer-psychologie.de/article/view/74