Einfall der Professionalität. Teilnehmende Beobachtungen in einer sozialpsychiatrischen Tagesstätte

Tom David Uhlig

Abstract


Mit der Transformation der Psychiatrie zur gemeindenahen, dezentralisierten Versorgung sollte es gelingen die Patient_innen in ein institutionelles Netz einzuhegen, welches es ihnen erlaubt, sich in den beruflichen wie sozialen Alltag einzugliedern. Der – nicht zuletzt ökonomisch motivierte – Anspruch, Drehtürpatient_innen zu vermeiden, welche die Kapazitäten der verwahrenden Anstalt belasteten, führte zu einer Diversifizierung des Angebots: Betreute Wohneinrichtungen, Tageskliniken mit ambulanter Versorgung, Werk- und Tagesstätte etablierten sich als Komplemente der stationären Behandlung. Das Erkenntnisinteresse des vorliegenden Artikels richtet sich auf den Alltag in diesen sozialpsychiatrischen Einrichtungen. Entlang einer ethnographischen Untersuchung wird nach der Bedeutung von Arbeit und Sozialbeziehungen innerhalb einer sozialpsychiatrischen Tagesstätte gefragt, wobei zweierlei Aporien betreffend dieser Teilaspekte diskutiert werden: Zum einen reibt sich das Arbeitsverständnis der in der Tagesstätte an einem gesellschaftlichen Arbeitsbegriff, welcher die Reproduktions- von der Produktionssphäre abzuspalten trachtet, und zum anderen kollidiert die von der Sogkraft des geteilten Alltags hergestellte Nähe von Klient_innen und Mitarbeiter_innen mit einer Anrufung zur Professionalität, welches in die Sozialbeziehungen einfällt.

Schlagworte


Ethnographie; Sozialpsychiatrie; Tagesstätte für psychisch Kranke; Aporien sozialpsychiatrischer Arbeit

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