Erlösung durch Rekonstruktion und Rätsellösen. Warum werden Psycholog_innen in Kriminalfilmen als allmächtig-zwielichtige Retter dargestellt? Und was bedeutet das?

Hannes Fricke

Abstract


Kunstwerke können in ihrer Abstraktheit Erwartungshaltungen und Vorurteile gegenüber bestimmten Personengruppen besonders gut widerspiegeln. Oft prägen unterschwellige Ängste und Wunschvorstellungen die zugrundeliegenden Erwartungshaltungen. Besonders in Kriminalfilmen zeigt sich eine seltsame Doppelung in den Ansprüchen gegenüber Psycholog_innen: Sie sollen sowohl gleichzeitig das Vergangene rekonstruieren bzw. das Rätsel lösen als auch den Täter entlarven bzw. künftige Opfer schützen oder retten. Die in den Werken angelegten Charaktere lassen deshalb Rückschlüsse auf die Grundspannungen im oft unreflektierten Bild von der Aufgabe und der Leistungsfähigkeit von Psycholog_innen zu. Eine Untersuchung der verschiedensten Figuren aus Fernsehen und Filmen (von Dr. Eddie »Fitz« Fitzgerald über Dr. Hannibal Lecter bis zu Dr. Helen Hudson) führt in die Problematik ein. Eine Untersuchung der Figur der Dr. Vera Bergman im Tatort Heimatfront überprüft die Ergebnisse und führt zu allgemeineren Aussagen. Theoretische Grundlagen der Untersuchung bilden vor allem erzähltheoretische Ansätze, die Gegenübertragungsanalyse als Instrument der Literaturwissenschaft im Sinne von Carl Pietzcker sowie die Theorie Melvin Lerners »Belief in a just World«.

Schlagworte


Erlösung; belief in a just world; Gegenübertragung; Kunstwerke als Spiegel; Lebensgeschichten; Serienmörder; Überforderung

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