Temporale Ordnungen und Narrative extremer Gewalt
DOI:
https://doi.org/10.30820/0942-2285-2026-1-92Schlagworte:
Gewaltzeit, Zeitlichkeit extremer Gewalt, Zeitregime, Eigenzeit vs. Fremdzeit, Narrative Darstellung von GewaltAbstract
Der vorliegende Beitrag analysiert Gewalt als zeitliches Phänomen und fragt danach, wie unter nationalsozialistischer Herrschaft spezifische Zeitregime in Judenhäusern und Konzentrationslagern Lebensbedingungen strukturierten und die Erfahrbarkeit von Gewalt prägten. Eine zentrale Annahme ist dabei, dass extreme Gewalt Zeit deformiert – sie blockiert Zukunft, zerstört biografische Kontinuität und eignet sich Zeithorizonte an, wodurch sie zu einem Ausdruck von Herrschaft wird. Der Beitrag zeigt, wie Gewaltausübende über Tempo, Dauer und Rhythmus entschieden, während die Gewalterleidende in einer »Gewaltzeit« der Ohnmacht gefangen waren. Anhand von Tagebüchern, Briefen und Interviews werden drei Modi der Gewaltzeit rekonstruiert: die alltägliche Enteignung von Zeit, die Transformation der Zeitdimensionen (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft) und die plötzliche Verdichtung von Gewalt in Krisenereignissen. Narrative fungieren dabei als zentrale Strukturelemente, die die erlittene Zeitordnung retrospektiv ordnen und deuten.
Zitationsvorschlag
Pönisch, Elisabeth. 2026. „Temporale Ordnungen Und Narrative Extremer Gewalt“. Journal für Psychologie 34 (1):92-112. https://doi.org/10.30820/0942-2285-2026-1-92.
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